Der totale Frust

Bereits Sonntag Mittag stand fest:

Das wird nix mit dem Abfahrttermin am Dienstag 😥

Wir sind nun mal gebrannte Kinder, wissen wir doch durch unsere Erfahrung vor 3 Wochen, dass man auf die Windvorhersage noch mal gut 5-8 Knoten drauf schlagen muss. Und angesagt sind in Boen 33-35Knoten + eventueller Zuschlag – nein danke! 34 Knoten ist Windstärke 8 und somit „stürmischer Wind“ – gut, nur in Boen, aber auch die kommen oft im 2-Minuten-Takt. Dazu 2,5 m Welle schräg von vorn, die gute Laune ist dahin. Zurück bleibt Frust und alle Vorbereitungspläne für den restlichen Sonntag werden mal wieder verworfen. Dieses ständige auf „Abruf“ leben macht es noch frustiger. Wir müssen 1 Tag vorher bis 10 Uhr unsere Pässe abgeben zwecks Ausklarierung. Den Tag brauchen wir dann aber auch, um das Schiff von innen und außen vom Santa Marta-Staub zu befreien und es segelfertig zu machen. Den Tag davor müssten wir dann noch nutzen, um unsere frischen Lebensmittelbestände für die Fahrt und die ersten Tage auf Jamaika aufzufüllen. Und genau das war eigentlich für diesen Sonntag geplant. Nun aber ist wieder alles verworfen worden. Das nervt!

Jetzt fragt ihr euch sicher, warum wir uns so einen Stress machen mit der Abfahrt. Weihnachten in Kolumbien ist ja auch ganz nett. Sicher, es ist auch nett, wenn man in seinen Stammgastronomien ungefragt sein Lieblingsgetränk bekommt, das extra ein Zusatztisch für uns geholt wird, sollte man wieder alles von Einheimischen besetzt sein. Es ist witzig, wenn der Metzger immer sofort auf das Gehacktes zeigt, wenn ich vor der Theke stehe, da er inzwischen weiß, dass ich das spanische Wort dafür nicht kenne 🙂 . Oder wenn ich alle 14 Tage mal nachmittags ein Stück Kuchen an der Bäckereitheke hole, mich die Verkäuferin als die Frau erkennt, dessen Mann täglich ein Amapola-Baguette (Mohn) holt und mir, noch bevor ich den Mund aufmache (haha – bzw. ich Zeichen gebe 😉 ) zu verstehen gibt, dass Amapola aus ist 😀

Alles lustig, alles nett, wir fühlen uns nicht unwohl, aber inzwischen gelangweilt, schließlich sind wir jetzt seit fast 5 Monaten hier. Es reicht einfach 😥

Nächste und letzte Chance vor Weihnachten ergibt sich eventuell am Donnerstag, dann würden wir aber Heiligabend ankommen. Wollen wir das ? Nun, die Entscheidung fällt morgen Abend…

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Und wieder ein Tag rum

Die im Homecenter gekaufte Kühlbox kühlt…. das ist aber auch alles. Damit eine Dose Bier richtig kalt ist, muss sie schon so 2 Tage darin verbleiben. So viel Zeit haben wir nicht 😉 und daher haben wir uns auch noch eine Styroporbox gekauft. Auf das das Boot voll wird :mrgreen:   Mit diesen Boxen laufen die Händler die Straßen auf und ab und verkaufen gekühlte Getränke daraus. Wenn Frank morgens jetzt Baquette kaufen geht, bringt er 2 kg Eis mit und 2 Stunden später hat man Getränke im Tiefkühlbereich. Herrlich!

Die Tendenz, Weihnachten und Sylvester noch hier in der Nähe von Supermärkten mit riesigen Eisverkaufstruhen zu verbringen statt in einer einsamen Bucht vor Jamaika wird immer größer.

Zumindest bis gestern Abend, denn seit heute Nachmittag haben wir:

1 Kühlbox auf 12-Volt-Basis

1 Styroporbox mit Eis

und

einen funktionierenden Kühlschrank

Was ist passiert?

Frank ist auf dem Weg zum Baquette und zum Eis, ich bereite das lecker immer sich wiederholende wurstlose Frühstück vor. Und natürlich checke ich dabei meine Mails und Whatsapp-Nachrichten. Ups… eine Mail von der Bootswerft. Ob wir um 10.00 Uhr da wären, da würde jemand kommen, um sich den Kühlschrank anzuschauen. Ein Blick auf die Uhr – es ist 10.00 Uhr. Don´t worry, wir sind in Kolumbien. Ganz sicher kommt hier niemand um 10, wir können also noch in Ruhe frühstücken 🙂  (Die Werft hatten wir übrigens bezüglich eines kompetenen Monteurs am Samstag angesprochen – heute ist Donnerstag – wer hätte da noch mit gerechnet? 🙄  )

Um 11.00 Uhr kommt jemand von der Werft, um zu schauen, ob wir denn da sind – si, si!!! Um 11.50 Uhr kommt Manuel, der für kolumbianische Verhältnisse ungewöhnlich tatsächlich sogar einen Schraubenzieher, eine Zange und ein Messgerät dabei hat. Wow! Und mit Manuel haben wir wahrscheinlich mal wieder einen Joker erwischt. Mit 2 Staatsbürgerschaften, nämlich von Venezuela und Spanien, hat er mehrere Jahre in La Coruna bei Bosch als Klima- und Kältetechniker gearbeitet. Seit einem halben Jahr ist er nun hier in Kolumbien und darf auch hier arbeiten, weil er mit einer Kolumbianerin verheiratet ist. Unglaubliche Geschichten gibts! Wir haben also einen echten Kältetechniker, der sogar fast gut Englisch spricht, an Bord. Ob wir seiner Fehlerdiagnose trauen können…. wir wissen es noch nicht. Aber angeblich sollen wir keine Undichtkeit haben in unserer Verdampferplatte, die Ursache hätte wo anders gelegen, er hat die Kühlflüssigkeit wieder aufgefüllt und der Kühlschrank läuft. Bleibt abzuwarten, wie lange! Noch mehr verwundert es uns, dass er jetzt auch viel viel viel weniger Strom verbraucht. Darf alles so bleiben 😀 Das freut den Skipper zwar, trotzdem schaut er ständig mißtrauisch und kopfschüttelnd auf unseren Batterieanzeiger.

Die ganze Reparatur hat inklusive Lunch und der Suche nach einem Verlängerungskabel für 110 V über 3 Stunden gedauert. Daher ist der Tag mal wieder fast vorbei. Wir schaffen es gerade noch zum Einkaufen, zum Grande (Bier) und zum Inder. Die Küche bleibt heute kalt, wir wollen den Kühlschrank nicht stören 😉 . Jedenfalls ist so ein Tag manchmal schneller vorbei als… wie haben wir es bloß früher geschafft, dabei noch 8 Stunden arbeiten zu gehen? 😳

Und da wir uns jetzt von den Eiswürfeltruhen entfernen können und sich eventuell ein Wetterfenster öffnet nächsten Dienstag – vielleicht schaffen wir es doch noch vor Weihnachten nach Jamaika 😎

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Ausflug zum

Nein, nicht zum interessanten Nachbarort, einem schönen Strand oder Wasserfall.

No, wir besuchen ein Einkaufszentrum und zwar die Buenavista Mall mit angeschlossenem Homecenter, wobei uns das Homecenter mehr interessiert als die Mall. Ein Homecenter ist so was wie in Deutschland ein großer Baumarkt wie Bauhaus, Hellweg, Obi und wie die alle heißen. Und nein, unser Einbürgerungsantrag läuft zwar, aber wir wollen uns (noch nicht) kein Haus bauen oder renovieren, wir suchen eine Kühlbox mit 12 Volt, denn unser Kühlschrank hat inzwischen komplett den Geist aufgegeben.

Inzwischen werden wir auch zu Busfahrprofis und es fängt an, uns Spaß zu machen.Fährt man doch bequem die Gegenden, die man sonst nie zu Gesicht bekommen hätte.  Inzwischen kennen wir also bereits 3 Buslinien. Nach Rodadero, nach Taganga und jetzt auch die nach Mamatoco.  So heißt nämlich der Stadtteil, in dem die Einkaufsmall liegt. Diese ist tatsächlich sogar mit deutschen Malls zu vergleichen, wir wundern uns über schicke Boutiquen mit sehr netten Anziehklamotten. Echt chick hier! Es ist zwar Montag, aber die Mall ist auch jetzt zur Weihnachtszeit nicht so furchtbar überfüllt wie die unseren, auch wenn man hier mit der gleichen Weihnachtsmusik besuddelt wird.

Nun, in der Autoabteilung des Homecenters werden wir tatsächlich, oh Wunder, fündig. Mit einer Kühlbox mit 12Volt-Stecker unterm Arm finden wir auch den richtigen Bus zurück, so langsam werden wir hier richtig heimisch 😛

Inzwischen stehen wir in Kontakt mit einem Dometic-Dealer auf Jamaica, der uns das passende Ersatzteil für den Kühlschrank scheinbar besorgen kann. Nach einer Anzahlung von 50 % mit einer Lieferzeit von mindestens 2 Wochen. Nun, ja… wir sind ja eh noch nicht in Jamaika, das kann sowieso noch dauern. Bis dahin müssen wir uns eben anders behelfen.

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Port Capitanerie die II.

(Sorry, ich weiß, viele von euch haben mitgefiebert und wären gerne gestern bereits informiert worden, ob wir in den Knast wandern, eine hohe Strafe zu zahlen haben oder einfach wieder ausreisen dürfen 😉 – aber bis ich soweit war, mit dem Schreiben eines Blogs anzufangen, wäre für die meisten für euch schon Bettzeit gewesen – daher ganz frisch und akutell nun  h e u t e : )

Für karibische und kolumbianische Verhältnisse waren wir relativ pünktlich um 9.20 Uhr zu unserem 9.00 Uhr Termin in dem neuen Gebäude der Port Capitanerie. Von außen altes hystorisches Gebäude, von innen modern, hell und nett eingerichtet. Mit Temperaturen = Tiefkühlcharakter . Ein paar unausgepackte Kartons standen noch in den Ecken und von unserem Termin wußte man (natürlich) nix. Aber kein Problem, ein Mitarbeiter mußte den scheinbar einzig funktionierenden Computerarbeitsplatz seinem Vorgesetzten überlassen und so quetschten wir uns zu fünft in ein Minibüro. Der Offizielle, die Rechtsanwältin der Marina, unser Dolmetscher und wir zwei natürlich. Die erste halbe Stunde verging schon mal damit, dass alle Daten unserer Paßporte und ID´s (ja, auch von der Rechtsanwältin sowie vom Dolmetscher) in den PC eingegeben wurden.

Punkt 2 : man klärte uns darüber auf, dass wir eine Versicherung über 5.o00.000 Pesos abschließen müßten, um das Land verlassen zu dürfen. Es könnte ja schließlich sein, dass später noch mal Fragen aufkommen, die dann durch unsere Anwältin (der Marina) beantwortet werden müßten, die dafür jedoch dann Geld bekommen würde. Das würde die Versicherung dann abdecken! HÄ? Wie hoch die Prämie wäre, wüßte man aber spontan nicht, aber andernfalls dürften wir Kolumbien nicht verlassen bzw. müßten dann jedesmal zurück kommen. Okay, okay, wir schwören, so eine Versicherung abzuschließen, auch wenn wir uns nicht darüber im klaren sind, was denn für Fragen in sagen wir mal 2 Monaten noch auftauchen könnten 😉 .

Punkt 3: Die Rechtsanwältin muß den der Port Capitanerie bereits vorliegenden Brief vorlesen mit der Stellungsnahme der Marina, was passiert war und warum wir zurück gekommen sind. Der Offizielle tippt alles brav in den PC. Die Möglichkeit des Einscannes von Unterlagen zu einem Vorgang scheint hier noch nicht angekommen zu sein 🙄

Inzwischen ist mir saukalt, der Skipper hat sich behördenfein gemacht mit langer Hose und Hemd, der Glückliche! Ich sitze dort in Shorts und armellosem T-Shirt. Brrrr!!!! Dachte ich doch, nach 20 Minuten wieder draußen zu sein :mrgreen:

Punkt 4: Jetzt darf endlich der Skipper zu Wort kommen. Heißt, der Offizielle fragt den Dolmetscher, der sagt mir Bescheid, ich übersetze zu Frank, Frank spricht bzw. bespreche ich mit ihm, was wir sagen, übersetze in Englisch, der Dolmetscher in Spanisch zum Offiziellen und der tippt fleißig alles in den PC. Das alles immer in kurzen Sätzen und ist ja eigentlich nur eine Wiederholung dessen, was die Rechtsanwältin gerade vorgelesen hat.  Das d a u e r t …..

Punkt 5: Wir alle 4 verdrehen die Augen. Auch ich persönlich muss als Zeugin nun wiedergeben, was passiert ist und warum wir entschieden haben, einfach wieder zurück zu kommen.

Anschließend läßt sich ein genervter und inzwischen auch ausgekühlter Frank zu der Bemerkung hinreißen: Next time, we don´t come back, it is better, we go under! Das war vielleicht kein korrektes Englisch, führte jedoch zu diversen Lachern 🙂

Punkt 6: Ein Techniker einer anderen Behörde ist inzwischen eingetroffen und wird uns vorgestellt. Dieser wird sich mit der Bootswerft in Verbindung setzen, um zu erfahren, welche Arbeiten ausgeführt wurden und dann anschließend zu uns an Bord kommen, um die Reparatur zu überprüfen und zu checken, ob sonst alles in Ordnung ist (damit wir ja nicht noch mal zurück kommen ?)  Unglaublich, eigentlich. Man kann vor der Abfahrt alles prüfen, macht man ja auch, aber unvorgehgesehene Dinge passieren nun mal. Aber sie sollten nicht vor Kolumbien passieren 😉

Wir müssen a l l e  noch das 5-seitige dichtbeschriebene ausgedruckte Ergebnis unterschreiben, dann dürfen wir die Eishalle verlassen. Es ist inzwischen fast 12.00 Uhr. Vor der Tür im Warmen fragt Frank den Dolmetscher noch mal, was wir denn so furchtbar falsch gemacht hätten bzw. ob man sich besser in Gefahr bringt, als zurück zu kommen. Er winkt ab und meint, wir sollten uns darüber keine Gedanken machen. Egal, was und wem was passiert, ob Tanker, Containerschiff, Kreuzfahrtschiff oder kleines Privatboot. Alle müßten durch dieses Prozedere hier durch, leider würde die Behörde da keinen Unterschied machen.

Der Techniker war dann heute auch pünktlich bei uns an Bord, hat die neue Kette begutachtet, die Alte (gut das wir sie noch nicht entsorgt hatten) fotografiert, uns gefragt, wie viele Seemeilen wir von Kolumbien weg waren, als unser Autopilot ausfiel. 40 Seelmeilen ca. , okay, selbstverständlich muß man mit einer 2er-Crew dann nicht eine über 400 Seemeilen weite Seereise fortsetzen, sondern d a r f  zurück kommen. IST DAS NICHT SCHÖN? Er ist auch mit der restlichen Begutachtung unserer elektronischen Ausrüstung zufrieden, wünscht und alles Gute und meint, wir dürften dann jetzt wieder ausreisen 🙂

Dürfen und können sind jedoch 2 grundverschiedene Dinge 😥

Seit Tagen beobachten wir ja schon das Wetter bzw. den Wind draußen durch verschiedene Wetterdienste. Weihnachten und Silvester in Kolumbien? Nicht ausgeschlossen sondern sogar immer wahrscheinlicher. Der Cat gegenüber wollte letzten Dienstag schon ausreisen, er liegt uns immer noch gegenüber. Die deutsche Mila, auch uns gegenüber, wollte gestern eigentlich raus – auch sie hat die Abreise bis auf weiteres verschoben. Bei über 40 Knoten in Boen will hier keiner weg und dabei hätten die beiden auf dem Weg zu den San Blas Inseln den Wind sogar noch von hinten. Wir hätten ihn auch noch von der Seite – nun, Mitte Januar soll der Wind nachlassen, hörten wir gestern von erfahrenen Einheimischen. Na dann….. 😳

 

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Neuen Termin und neues Problem

Der neue Termin steht fest: Nächsten Dienstag 9.00 Uhr dürfen wir wieder antreten bei der Port of Capitanerie, um zu schwören, dass wir nicht aus Spaß und Dollerei nach ein paar Stunden wieder zurück nach Santa Marta gekommen sind, sondern weil wir in Not waren.

Ich sach jetzt nix, ich schreibe auch nix, aber ich denke mal laut: „die haben einen Knall hier“ – als wenn man wirklich nach ein paar Stunden segeln denkt, ach, das ist auch alles Mist, wir drehen einfach mal um 👿

Nun, soooo schlimm ist es nicht, vor nächste Woche Dienstag tobt draußen auf dem karibischen Meer sowieso viel zu viel Wind, wir wären also sowieso nicht eher los gekommen. So vertreiben wir uns die Zeit hier, nein, nicht mit netten Ausflügen, von denen wir berichten könnten! Wir lösen mal wieder Reparaturprobleme. Unser Kühlschrank gibt den Geist auf. Unsere Verdampferplatte ist undicht, so dass Gas austritt, dass jedoch zur Kühlung gebraucht wird. In Kolumbien passendes Ersatzteil zu bekommen, scheint aussichtslos. Hier gibt es zwar seit 1 Woche endlich einen Mini-Chandlery, aber eben nur „mini“. 1 Tag lang haben wir gebraucht, um per Internet das Problem zu lösen. Wo ist der nächste Dealer für Dometic? Tatsächlich gibt es einen in Jamaica und einen in Panama, beide werden angemailt. Wir würden für den Übergang (denn wer mag schon warmes Bier?) auch eine Kühlbox auf 12V-Basis kaufen, aber auch da ist man in Kolumbien verkehrt. Heute nämlich (Tag 2)haben wir uns die Füsse wund gelaufen auf der Suche, aber hier gibt es nur einfache Boxen, die der Kolumbianer für eine kleine Mark mit Eis auffüllt. Für seine Picknickzwecke auch völlig ausreichend.

So ist die Stimmung an Bord auch gerade nicht super und die Tendenz schwingt wieder mal in Richtung „nette Strandhütte in Asien“ 😛

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Suzie Too Rally

Sie sind da, die 42 Schiffe der Suzie Too Rally. Bereits Donnerstag trafen die ersten Kat´s ein, am Samstag liefen weitere 30 Segelschiffe im 10-Minuten-Takt ein und brachten die Dockhand-Jungs und natürlich auch das Office-Personal an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Für uns hieß das zum Frühstück bereits „Hafenkino pur“. Die Marina jedenfalls ist jetzt brechend voll, überall wird geschnattert 😉 , ob vom Steg aus oder zu acht im Cockpit

Als Ralley würde ich dies eigentlich nicht bezeichnen, mehr als begleitetes Segeln mit Club-Feeling. Der Morgen beginnt für die Damen mit Wassergymnastik, Vormittags dann Spanischunterricht und abends gemeinsames BBQ.  Gestartet ist man in Curacao, dann sind sie über Aruba nun für 12 Tage hier in Santa Marta. Nach 1 – 3 Tagen vor kleinen Inseln wird man in Cartagena zusammen Weihnachten und Silverster feiern. Anschließend San Blas, Colon, San Andres, Providencia, Honduara und Mitte April endet die Ralley in Belize.  Alles in allem keine Strecken, bei denen man Begleitung braucht. Womit das Club-Feeling im Vordergrund steht.

Wir verziehen uns derweil nach Taganga, schließlich wissen wir inzwischen, wie wir mit den Publicbusses dort hin kommen. Genießen nach über 4 Monaten mal wieder ein Bad im Meer und anschließend die Cocktails in der Strandbar.

Fast wie Urlaub 😉 und die Sehnsucht nach „vor Anker liegen“ wächst.

 

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ANTRETEN bei der Port Capitanerie

Ui, Ui… beim Frühstück bekommen wir einen Zettel gereicht, wir müssen heute Nachmittag zum Port of Capitanerie und sollen uns im Marinabüro zwecks Absprache melden. Erste Schweißperlen bilden sich auf meiner Stirn. Sollte das erneute unerlaubte Zurückkommen und Einklarieren doch nicht unproblematisch ablaufen? Die sind hier in Kolumbien etwas pingelich. So darf auf dem Ausklarierungspapier auch genannt „Zarpe“ nur Santa Marta als Anlaufhafen stehen, wenn man hier ankommt. Andererseits darf man nur 5 Tage bleiben oder man hat auch schon von Strafen in Höhe von 1500 Dollar gehört/gelesen 👿 Auf unserem Zarpe jedoch stand ja „Jamaika“ und Jamaika ist das hier ja nun mal ganz sicher nicht.

Erst mal also zum Marinaoffice. Kelly kümmert sich hier in der Marina um all unsere Seglerbelange und klärt mich auf. Tatsächlich will uns der Port of Capitanerie heute Nachmittag sehen bzw. eigentlich nicht uns, sondern den Captain. Persönlich will man ihn fragen, was und warum er wieder hier ist. Die Marina selber hat ein offizielles Schreiben aufgesetzt mit der kompletten Erklärung, warum, weshalb usw. und bittet uns, diesem nicht zu wiedersprechen in unsern persönlichen Erklärungen. Nun, warum sollten wir, wir sind ja nicht aus Spaß einfach wieder umgedreht 😉 . Die spanisch sprechende Mitarbeiterin, die für derartige Einklarierungsfälle zuständig ist, wird uns begleiten ebenso wie eine junge Dame, die für uns übersetzen wird. Die Schweißperlen auf meiner Stirn werden immer größer. Wir sind seit Samstag hier, die 5 Tage sind abgelaufen, zwar ist die Reparatur beendet, aber op des starken Windes wollen/können wir erst am Dienstag auslaufen. Die werden uns doch wohl nicht zwingen auszulaufen 😯 Quatsch, sagt der Captain und ist ganz locker drauf.

Um 14.30 Uhr bringt uns ein Taxi zur Capitanerie, drinnen sieht es auf wie auf einer Paketstation – man bereitet den Umzug vor, denn am Montag zieht die Capitanerie um in die Nähe der Marina. Es herrscht also quasi Chaos. Wir werden mit Handschlag begrüßt und mehr wird von uns auch nicht verlangt 🙂 . Da der Kopierer scheinbar schon eingepackt ist, schreibt eine Dame alle Zeichen und Buchstaben von unserem Paßport fein säuberlich ab. Wir werden gefragt, ob die Reparatur beendet ist. Ja, seit heute! Blöd, dann kann man sich das ja gar nicht mehr anschauen, was kaputt ist. HÄ! Hätten wir mit der Reparatur etwa warten sollen? 6 Tage lang? Wir lassen übersetzen, dass wir die alte kaputte Antriebskette noch an Bord haben zum Angucken und legen auch die Rechnung der Werft vor. Will man gar nicht wissen oder anschauen! Großes langes Palaver, während wir zwischen all den Paketen stehen und uns wundern. Nach einer 1/4 Stunde ist scheinbar alles geklärt, wir dürfen gehen und werden vor der Tür aufgeklärt: Man ist im Stress wegen Umzug usw., die nächste Sitzung ist am 11.12., dort würde man unseren Fall besprechen und eventuell müßten wir dann noch mal dort hin zwecks Erklärung. Und am 12.12. dürften wir dann wieder ausreisen!!!!!! Wir sind entgeistert !? Kolumbien will uns einfach nicht gehen lassen.

Zurück in der Marina besprechen wir alles noch mal mit der besser und klarer englisch sprechenden Kelly, die auch verwundert den Kopf schüttelt. Man will versuchen, am Montag noch mal vorzusprechen wegen einer vorherigen Ausreise, aber besonders viel Hoffnung hat man uns nicht gemacht. Meine Sorge, dass wir dann am 12. raus müßten hat sie aber entkräftet. Nein, nach dem 12. können wir uns den Abreisetag aussuchen. Solange aber werden wir wohl bleiben müssen!

Für morgen war eigentlich ein Ausflug nach Palomino mit Tubing geplant, aber der Tag heute hat uns „Alte“ zu gestresst, der fällt aus und wahrscheinlich haben wir nächste Woche ja noch genug Zeit dafür.

 

 

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Und wieder dürfen wir 90 Tage bleiben…

Laut neuem Einklarierungsstempel in unseren Passporten dürfen wir ab jetzt wieder 90 Tage bleiben. Das ist inzwischen unser 3. Stempel mit 90 Tagen. Wenn wir das tatsächlich ausnutzen würden, wären wir 28.2.19 auf jeden Fall über die 180 Tage, die man ohne Visum in Kolumbien im Jahr bleiben darf, drüber. Ob das auffallen würde bei der Ausreise? Nun, wir wollen es ja gar nicht ausnutzen oder testen…. aber weg kommen wir trotzdem erst mal nicht 🙂

Unsere neue Antriebskette ist gekürzt und seit Dienstag auch montiert. Mit einer gründliche In-Augen-Schein-Nahme durch Frank hat sie den ersten Test bezüglich Haltbarkeit bestanden. Im Zuge der Demontage und Überprüfung stellten wir fest, dass an unserem Steuerrad 2 Schweißnähte innen weggebrochen waren und es deswegen wahrscheinlich in letzter Zeit ein wenig wackelig war. So gaben wir es dem Guy, der unsere neue Kette montierte, zum Schweißen mit. Manana (gesprochen Manjana – weiß man, nä 😉 mir fehlt auf der Tastatur leider die Welle, die auf das 1 „n“ gehört ) sollte es zurück sein. Manana war nix zurück und auf spätabendliche Nachfrage bekamen wir die Info, dass wir es heute „noon“ zurück bekommen. Noon ist Mittag, wir haben Mittag, vom Steuerrad keine Spur – warten wir also weiter :mrgreen:

Wir sehen es inwischen auch locker, eigentlich wollten wir Samstag den nächsten Versuch, Jamaika zu erreichen, starten. Ein Blick heute morgen auf die neu abgerufenen Wetterdaten jedoch sagt uns, wir sollten besser ein paar von den neuen 90 Tagen absitzen. Genau Samstag rollt die nächste Viel-Wind-Zone für ein paar Tage auf uns zu und angesagte 33 Knoten, aus denen dann wohlmöglich 50 echte Knoten werden, brauchen wir nicht und Kolumbien ist doch sooooooo schööööönnnn  🙂

Her mit dem Reiseführer…. da geht noch was 😉

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Der Fehler ist gefunden

2 Tage lang hat Frank sich an dem Kabelsalat hinter unserer Elektroniktafel ausgetobt.  Da gleichzeitig mit dem Ausfall des Autopiloten auch unser Plotter kurzzeitig ausfiel, lag die Vermutung nahe, dass die teilweise korridierten Kabel hinter der Tafel die Ursache waren. Sonntag Nachmittag war dann alles wieder nett und neu verdrahtet und wir waren frohen Mutes, am nächsten Tag wieder auslaufen zu können. Nun kann man einen Autopiloten nicht testen, wenn man fest vertäut in der Marina liegt, allerdings darf sich das Steuerrad nicht von Hand bewegen lassen, wenn der AP eingeschaltet ist, denn das übernimmt ja dann schließlich dieser. So wundert sich Frank dann auch, dass das Rad sich trotzdem bewegen läßt. Ein Blick in den darunter liegenden Motorraum bringt die erschreckende Erkenntnis. Die Antriebskette ist gebrochen und baumelt herunter. Es handelt sich um eine dicke stabile Kette und niemals hätten wir vermutet, dass diese brechen kann. Sonst hätte wir ja auch schließlich das als erstes mal kontrolliert, nicht wahr 😯

nor

Glück im Unglück: Wir haben uns damals auf die Kap Verden einen Ersatzmotor für den Autopiloten schicken lassen für alle Fälle, da wir ohne Windfahnensteuerung fahren. Und eine Atlantiküberquerung mit einem kaputten Autopiloten wäre eine Horrorüberfahrt gewesen. Mit bei der Lieferung war auch eine Ersatzkette, die uns jetzt rettet. Wenn, ja wenn die hiesige Werft jemanden schickt, der diese Kette kürzt auf die richtige Länge und montiert. Und darauf warten wir nun seit gestern und warten und warten und….

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Dumm gelaufen – Back again

Wir schlafen aus, Frühstücken gemütlich, ich besorge noch 2 fette Becher mit geschnittener Mango zum Nachtisch heute Abend, denn wer weiß, wann wir diese das nächste Mal bekommen. Einen Becher mit rotem Fruchtcocktail esse ich noch auf dem Weg zurück zum Schiff, kann einfach den Hals nicht vollbekommen.

Um 13.00 Uhr legen wir ab, ich bin die ersten Minuten ja immer mit Leinen verstauen und Fender einholen beschäftigt und merke dabei, sie (die 2wishes) bewegt sich doch. Nach 4 Monaten in einer Ententeichmarina muss ich erstmal Gleichgewichtsübungen machen.

Laut Wettervorhersage werden wir nur so um die 18 Knoten haben, in Boen 23 – meine Befürchtung, dass wir 4 Tage nach Jamaika motoren müssen weil zu wenig Wind, bewahrheitet sich nicht. Wir setzen die Segel (vorsorglich gleich gerefft) und 30 Minuten später ist  bereits der Eimer in Gebrauch. Der schöne rote Obstsalat :mrgreen:  Ich werfe schnell eine Tablette ein, die hält es gerade mal 30 Sekunden in mir aus und ist wieder draußen. Auch ein zweiter Versuch landet im Eimer. Soooo schlimm war es noch nie und ich verzieh mich für die nächsten Stunden leidend in die Senkrechte.

17.30 Uhr – es dämmert – der Windmesser zeigt über 30 Knoten. Böse guck, die waren so überhaupt nicht angesagt. Wir rauschen mit 7-8 Knoten daher, nein, so fahren wir nicht des Nachts. Ich verlasse das Krankenlager und wir fangen an zu reffen. Irgendwie schwierig heute, trotzdem wir in den Wind fahren (um Druck aus den Segeln zu nehmen), kann Frank das Groß von Cockpit aus nicht reffen. So muss ich nach vorne zum Mast und selbst da ist es schwer. Irgendwass stimmt nicht, aber was. Die Windrichtung scheint alle 10 Sekunden zu wechseln, das Vorsegel wechselt von alleine die Seiten, gar nicht schön. Wir können gar nicht so schnell reagieren, wie der Wind die Richtung ändert. Dann fällt uns plötzlich auf, selbst der Mond steht mal links, mal rechts von uns. Wir fahren im Kreis, der Autopilot zeigt zwar 357° an, läuft dieses aber nicht. Auch die elektronische Navigation ist ausgefallen. Motor an, Segel einholen, Ruhe ins Schiff bringen und nachdenken. Was tun? Bei dem Wellengang die Verkabelung des Autopiloten zu überprüfen oder gar zu reparieren – unmöglich! 3-4 Tage selber steuern 24 Stunden lang täglich, undenkbar! Sicher, möglich ist es, wenn man nicht umkehren kann. Wir aber entscheiden uns, zurück zu gehen. Im Stundenrythmus steuern und ruhen wir. Große Wellen reißen das Schiff immer wieder aus dem Kurs, am nächsten Tag haben wir beide Muskelkater von der Anstrengung. Lieber Anbieter „Wetterwelt“ : Woher nimmst du eigentlich deine Daten? Siehe oben, 25 Knoten in Boen war vorhergesagt, 45 Knoten zeigt unser Windmesser in Boen und die ziehen minütlich über uns hinweg.

Um 2.00 Uhr nachts haben wir es geschafft, kurz vor Santa Marta hatten wir schon ruhigen Wind und in der Ententeich-Marina war das Anlegen mit Hilfe des Nachtaufsehers an einem Seitensteg ein Kinderspiel. Ein Anlegerbierchen noch, ein bißchen Wunden lecken und ab ins Bett.

Okay, Frank hat die letzten Tage wiederholt und sehr oft gesagt, er wäre ja bald wieder zurück in Santa Marta, soooo schnell jedoch wollte er nicht wieder da sein 😉

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