Über Hoorn nach Amsterdam

Nach 14 Tagen Hindeloopen wurde es Zeit, die Leinen zu lösen, bevor noch Heimatgefühle aufkamen. Und nein, wir sind eigentlich noch nicht so richtig unterwegs. Noch haben wir große Probleme mit unserem neuen Autopiloten und bevor die nicht behoben sind, können wir nicht beruhigt so richtig los machen. Die Hoffnung war, in der Großstadt Amsterdam kompetente Ansprechpartner zu finden.

Mein Plan war, auf dem Weg nach Amsterdam den schönen Ort Hoorn für 2 Tage zu besuchen und so kreuzten wir am Mittwoch bei 12 Grad mehr oder weniger gegen den Wind in diese Richtung. Gegen 17.30 Uhr lagen wir noch 2 Stunden unter Segel und 1 Stunde unter Motor von Hoorn entfernt. Die Entscheidung fiel leicht. Als wir dann gegen 18.30 durchgefroren am Anlegesteg festmachten, freute ich mich auf einen Erholtag und hab bei unserem Abendspaziergang durch Horn vergessen, den Fotoapparat mit zu nehmen. So gibt es jetzt keine Bilder von wunderschönen alten Hausfassaden, denn eine 2. Gelegenheit bot sich nicht mehr. Der Skipper war nervös, unruhig und unausgeglichen wegen des Autopiloten und so kratzen wir Donnerstag Morgen schnell die Kurve gen Amsterdam.  Übrigens wieder bei Schittwetter, diesmal noch mit Regen. Schönwettersegler wie ich mögen das so gar nicht.

Um nach Amsterdam zu kommen, muss man durch eine Schleuse. Allein das Wort „Schleuse“ und dazu noch Wörter wie riesige Frachtschiffe, Nord-See-Kanal, Betrieb, viel Wind verursachte bei mir Angsthase eine schlaflose Nacht sowie Magen- und Darmprobleme.

Die Ansteuerung zur Schleuse war dann noch relativ easy.

1. gibt es neben der betonnten Fahrrinne für Frachtschiffe eine 2. Betonnung für Sportschiffe (sehr beruhigend) und

2. haben wir uns hinter eine Segelyacht gehängt, die sich scheinbar auskannte.

Zuerst mußten wir jedoch noch darauf warten, dass eine Brücke für uns aufgemacht wurde. Anlegen und Ablegen am Wartesteg trotz Wind geklappt. Danach Anlegen am Wartesteg vor der Schleuse. Schleusentor war bereits auf, Ampel jedoch auf „Rot“. Hmmm… warten, warten, warten. Wat ist los? 10 Min. später die Lösung. Ein Dickschiff ist im Anmarsch. Die Hoffnung, dass dieses zuerst weggeschleust wird und wir beim nächsten Gang dran sind, zerschlug sich leider. Denn plötzlich wurde die Ampel grün und wir 3 Sportboote mußten uns in der Schleuse neben besagtem Dickschiff quetschen. Rechts Mauer, Links Dickschiff mit Abstand zu uns ca. 20 cm. Schon die Einfahrt in dieses Nadelöhr war schwierig, die Ausfahrt hat aber nicht nur uns (Schleusenanfänger) sondern auch den anderen beiden Sportbooten große Probleme bereitet. Man muss gegen den Wind steuern, um von der Mauer wegzukommen. Ist nur blöd, wenn rechts eben nur 20 cm Platz sind. Also rums links, rums rechts – abdrücken, Fender zerquetschen – rum links, rums rechts – 2 m geschafft – usw.  irgendwann waren wir dann frei und die große Sorge des Skippers: Haben wir irgendwo einen Schaden? konnte ich leider nicht beantworten. Die Halberg Rassy hinter uns hatte aber die gleichen Probleme, die sind auch noch mit dem Anker die Mauer lang geschabt. Beruhigend, lag es also nicht an unserer Unfähigkeit, sondern am Wind und der Bequemlichkeit des Schleusenwärters. Danke, Herr Unbekannt.

Die anschließenden 3 bis 4 sm bis zur neuen Marina Amsterdam waren danach richtig leicht, auch wenn gerade der Skipper die Nase voll hatte vom Steuern ohne Autopilot, schließlich war es schon wieder 17.00 Uhr und wir waren seid 8 Stunden unterwegs.

Vorbei an der AIDA Bella

sam_1135wurden wir noch von diesem interessanten Frachter, der Silos transportiere, überholt.

sam_1134Völlig erschöpft lagen wir um 17.30 Uhr in dieser neuen Marina Amsterdam. Hmm… innerhalb des Hafens keine Ausschilderung, wo man eigentlich hin muss. Außerhalb kein Einfuhrschild – ist bei der Neuanlegung scheinbar vergessen worden. Wenn uns nicht ein freundlicher deutscher bereits in der Box liegender Segler geholfen und den Weg gezeigt hätte zu einem einfachen (inzwischen Windstärke 6) Seitensteg , würden wir wahrscheinlich noch heute im Kreis fahren.

Aber die „Duschen“ sind eine Pracht. So etwas hatten wir noch nie und werden wir wahrscheinlich auch nie wieder bekommen. Nix enger Duschraum! Man hat da regelrecht kleine Badezimmer eingebaut. Eine riesige Dusche mit selber regulierbarem Warmwasser und Glastrennwand, Waschbecken, Steckdose, Haken, Ablage. Dunkelgraue Bodenfliesen, hellgraue Wandfliesen – ca. 3 qm² groß.  Toll, da kann man sich das tägliche Duschen wieder angewöhnen :-).

Da wir am Seitensteg liegen, fiel dem Skipper sofort auf, das unser Schiff seitlich sehr dreckig ist und dringend eine Reinigung benötigt sowie neue Politur und teilte mich für den nächsten Tag für diese Arbeiten ein. HÄ? *missmutig guck*

 
Glück gehabt jedoch, heute Windstärke 6 und fieser Regen – die Bordheizung läuft, die Luke ist geschlossen und da man bei dem Wetter nicht mal Hunde rausschickt, hat der Skipper ein Einsehen und ich darf im Warmen bleiben 🙂

 
Außerdem stand ja heute auch an 1. Stelle eine Lösung für unseren Autopiloten zu finden. Gestern Abend hatten wir noch kurz den Münchener Raymarinevertrieb bezüglich unseres Problems gemailt und angefragt, ob er uns hier in Amsterdam einen Servicebetrieb benennen kann. Durchs Internet hatten wir jedoch inzwischen erfahren, dass Raymarine an einer Zweigstelle in Amsterdam kein Interesse hat, denn hier ist NIX. Ist ja auch nur eine Kleinstadt. Von München erhielten wir dann eine Hamburger Telefon-Nr. zwecks weiterer Klärung, da München uns erst ein neues Teil zuschicken kann, wenn das von uns vermutete defekte Teil zurückgeschickt und von denen geprüft worden ist. Gut, wir haben ja Zeit, wollen ja nicht im Juni in England und im Juli in Portugal sein. Aber oh Wunder, Hamburg überprüfte quasi unseren EV1 telefonisch, indem sie Frank fragten, was er alles schon versucht hätte. Ferndiagnose: einwandfrei defekt! Man würde mit München sprechen (die sind nun mal Verkäufter und für die Garantie zuständig), dass man uns vorab einen neuen EV1 zusendet und wir das defekte Teil anschließend zurück senden. Toller Service! Angenehme Überraschung, hatten wir doch vorher viel Negatives über den Raymarine-Service gelesen.
Trotzdem wird es jetzt noch ein paar Tage dauern. Am Montag geht das Teil zuerst an unsere Bremer Adresse (Versand ins Ausland geht nämlich nicht). Unsere lieben Bremer Freunde müssen wir somit leider mal wieder um Hilfe bitten, das Paket dann schnellstens an einen Hafen hier in Holland zu senden. (Genaue Details werden wir noch per Mail vereinbaren, lieber Bremer).

 
So jedenfalls ist die Stimmung hier an Bord heute wieder entspannter und nachher geht es mit der Fähre rüber zur Amsterdamer City. Egal, wie das Wetter wird – der Kühlschrank ist leer.

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

1 Antwort zu Über Hoorn nach Amsterdam

  1. renate sagt:

    ja,ja ..Gruß…erwarte weiter spannende Berichte….soll ich euch beneiden ???

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.