St. Vincent – Chateaubelair

Exakt nach 96 Stunden laufen wir morgens um 9.00 Uhr in die erste Bucht von St. Vincent ein, wo wir einklarieren können. Der Skipper schaut entsetzt und misstrauisch. Sieht es hier doch völlig anders aus, als wir es von den letzten Karibikinseln gewöhnt sind. Und außerdem liegt hier nicht ein einziges anders Schiff. Aber wir haben keine Zeit, uns näher mit unwohlen Gedanken zu befassen, denn Georg (englisch Djorsch) kommt auf seinem Paddelbrett stehend auf uns zu gepaddelt und hilft uns, einen Ankerplatz zu finden. Und wie sich das für einen Bootboy so gehört, verwickelt er uns natürlich anschließend in ein Gespräch und bietet div. Dienste an. Wir ordern ein paar Mangos und sind ihn damit erstmal los.

Inzwischen ist dem Skipper eingefallen, dass wir ja eigentlich in die Karibik wollten, um gerade diesen Anblick vor uns erleben zu können. Kein Vergleich zu den englisch angehauchten touristischen BVI´s oder Antigua und erst recht keine Ähnlichkeit zu den französischen Inseln. St. Vincent ist satt grün und besteht scheinbar nur aus Hügeln.

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Der vor uns liegende schwarze Strand ist nicht a u f g e r ä u m t. Anstatt Strandliegen liegen hier jede Menge Appelkähne und Fischerboote am Strand. Keine Bars und Ferienhäuser reihen sind am Strand lang, sondern die Wohnhäuser der Einheimischen. Und dieser Strand LEBT. Ab mittags kommt Freibadfeeling auf. Dutzende Jungs toben im Wasser oder spielen Baseball ? . Im Schatten unter den Bäumen lungern Männer rum und quatschen. In einem Fischerboot werden mit 5 Mann kleine Fische aus dem Netz gebuhlt. Wir fragen uns, wo denn die Mädchen spielen….

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Es ist noch früh morgens und der Strand lebt n o c h nicht – schließlich gibt es auch hier Schulen

Wir müssen jedoch erst mal einklarieren und brauchen Brot und Bier. Auf der Karte ist ein kleiner Steg eingezeichnet, der sich beim näherkommen jedoch als ungenügend für Dinghis erweist. Aber am Strand winkt bereits „Piet“, der uns hilft, trocken an Land zu kommen. Er zeigt uns den Weg zum Custumeroffice, während ein Anderer signalisiert, dass er inzwischen auf unser Dinghi aufpasst. Puh… nett! Aber das wird teuer, wenn das jetzt jedesmal so läuft 🙂 . Piet ist wie eine kleine nette Schmeißfliege, wir d man nicht mehr los. Später wissen wir es jedoch zu schätzen, denn nach der Einklarierung (die übrigens freundlich und problemlos ist) weist er uns den Weg zum Supermarkt (oh,oh… kein Bier, kein Brot, nur Wasser) und anschließend zur Immigration (auch hier werden wir freundlich von einem weiblichen Offizier in ein Gespräch verwickelt z.B. über unseren Schiffsnamen). Ohne Piet hätten wir auch niemals den Laden am anderen Ende des Ortes gefunden, der als einziger hier Brot verkauft. Auch finden wir einen weiteren Laden der Bier verkauft. Wir inspizieren noch das einzigste Restaurant für Abends und machen uns dann zurück zu unserem Dinghi. Im Gepäck 5 Flaschen Bier, 2 Flaschen Wasser und 5 weiche Brötchen. Alles natürlich weiterhin in Begleitung von Piet, der uns wohl nicht zutraute, dass wir unser bewachtes Dinghi alleine wiederfinden 😉 . Wir verteilen ein paar EC-Dollar und verbringen den Nachmittag entspannt an Bord und betrachten und beobachten das Treiben am Strand.

Zwischenzeitlich sind noch 5 andere Boote angekommen und die Dorfjungs machen sich in Gruppen zu 5. oder 6. schwimmend auf den Weg um nach Cola, Lollys oder Cookies zu fragen.

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Die kleinen schwarzen Köppe im Wasser gehören zu einer Jungensgang und davor paddelt Djorsch

Ich frage mich, wie die Cookies trocken an Land bringen würden, hätte ich denn welche, die ich verteilen könnte. Aber unsere Vorräte sind ja aufgebraucht und Cola muss ich jetzt für die nächste Bettelaktion erst mal besorgen. Das wir nix haben, ist vielleicht aber auch ganz gut, denn wir beobachten, dass das Nachbarschiff etwas in einer Plastiktüte über die Reling reicht. Das Wasser quirlt plötzlich, als wären Piranhas am Werk. Weitere Jungsgruppen stürzen ins Wasser und machen sich auf zu diesem spendablen Schiff, belagern dieses und es dauert eine Weile, bis die Wasseroberfläche wieder ruhig ist.

Um 18.00 Uhr scheint der Strand leer zu sein und wir setzen mit dem Dinghi über, um uns nach 4 Tagen Dosenfutter ein Egal-was-es-kostet-Dinner zu leisten. Aber kaum werden wir gesichtet, stürzen aus dem Hintergrund 5 Jungs (alle immer nett , freundlich und höflich) an den Strand, um uns beim Anlegen zu helfen und um natürlich unser Boot zu bewachen. Auch wenn wir hartnäckig sagen, dass wir dies vom Restaurant aus selber erledigen können und wir auch kein kleines Geld haben, einer gibt nicht auf und sitzt die nächsten 1 ½ Stunden brav neben unserem Dinghi (wie wir ja vom Restaurant beobachten können 😉 ) – Na, da werden wir ja wohl doch nicht um eine Belohnung herum kommen 😉
Das Restaurant ist leer und ich glaube, man war auch nicht froh über uns Gäste. Wir holen uns die Getränke an der Bar selber und nehmen auch die Speisekarte mit. Wir haben nicht mehr genug einheimische Währung, aber man hat uns im Immigrationoffice versichert, dass man hier auch in US-Dollar zahlen kann. 63 davon haben wir bei und die müssen reichen. Aber was ist das für eine Menuekarte….? Nach einem Nobelrestaurant sieht das hier nun wirklich nicht aus, aber warum gibt es dann keine Preise hinter den Gerichten? Nun, wir fragen die überaus freundliche, zuvorkommende und schnelle(das ist ironisch gemeint) Bedienung, die uns erst mal in einem kaum verständlichen Englisch zu verstehen gibt, dass das meiste von der Karte sowieso gerade empty ist. „Roti mit Huhn“ oder „Fish and Chips“ wäre noch machbar. Wir entscheiden uns für Roti für 12 Dollar. Laut Beschreibung handelt es sich dabei um Huhn, Kartoffeln und Matsche, eingewickelt in ein Tortilla. Nach der Bestellung werden wir unsicher. 12 Dollar? US-Dollar? Eigentlich kann die Bedienung ja noch gar nicht wissen, dass wir in US bezahlen wollen. Also meinte die etwas EC-Dollar, was umgerechnet nur ca. 3,70 US-$ wären. Davon könnten wir aber doch nicht satt werden und überlegen, ob wir gleich eine doppelte Portion bestellen. Aber da wird unsere Tortilla bereits serviert, die dann doch etwas anders aussieht wie zu Hause. Auf unserem Teller liegt ein riesiger viereckiger Tortilla, fett gefüllt mit Kartoffeln und Huhn, dekoriert mit einem leckeren Klecks Salat. Dazu kann man sich von der äußerst scharfe Soße bedienen. Und lecker ist er auch noch. Satt gönnen wir uns noch ein weiteres Bierchen und bezahlen anschließend ganze 16 US-Dollar. Wenn das so weiter geht, dann gehen wir öfters mal … Wir lösen unser Dinghi aus, nehmen noch ein Schlußgetränk und freuen uns auf den Schlaf ohne Wachwechsel.

Und sorry dem dieser Text hier zu lange ist, aber nach 4 Tagen nur Wasser, da sprudeln die Wörter nach den schönen Eindrücken des heutigen Tages nur so aus mir heraus.
So, jetzt ist aber Schluß.

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4 Antworten zu St. Vincent – Chateaubelair

  1. Hasentochter sagt:

    Zu lang? Es geht gar nicht lang genug, vor allem bei so tollen Berichten. Habe mehrmals laut los gelacht, was zu einer gewissen Neugierde bei Christian geführt hat – er wird sein Tablet gleich wohl auch noch schnell zur Hand nehmen 😉

  2. Traumschwiegersohn sagt:

    Moin Ihr Weltenbummler,

    Danke wieder einmal für einen tollen Blog Eintrag, der grundsätzlich mal gar nicht lang genug sein kann. Euer Einkauf klingt allerdings nach einer sehr mageren Ausbeute. 5 Flaschen Bier statt 5 Paletten. Kann man es da wirklich aushalten 😉

    Warten in großer Vorfreude auf neue Berichte und ich kann natürlich kaum dein Feedback zu Deinem neuen Smartphone erwarten!

    Herzliche Grüße von den daheim Gebliebenen

  3. Renate sagt:

    Herrlich, endlich mal nette ERlebnisse.
    bin für 1Woche weg , Gruß

  4. Elke sagt:

    Hallo ihr zwei, viele Gruesse aus S.Martin.Genießt diese Insel, uns hat es dort recht gut gefallen. Die Blue Lagoon ist auch nett. Liebe Gruesse Elke

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