Schiff auf Slip

Die Geschichte ist schon vor längerer Zeit geschehen, nämlich in dieser ersten bezaubernden Bucht von St. Vincent, von der wir berichteten. Durch die Besuchsvorbereitungen und den Besuch kam ich jedoch nie dazu, sie nieder zu tippen, finde aber, sie muss niedergeschrieben werden.

In dieser Bucht ist es üblich gewesen, von den Bootsboys (entweder auf einem Paddelbrett oder mit einem Motorboot) empfangen zu werden, die einem lediglich einen geeigneten Ankerplatz zeigten und anschließend natürlich ihre Dienste anpriesen. Das muss man nicht unbedingt mögen, ist aber vielleicht an manchen Plätzen ganz hilfreich. Nun, die französische Yacht, die mittags einlief, ignorierte die anbrausenden Bootsboys komplett, verschmähte den gezeigten Ankerplatz und ankerte kurz hinter bzw. neben uns. Mit dem Erfolg, dass sie in unseren Ankerbereich eindrangen. Wir gucken dementsprechend misstrauisch und nach einer halben Stunde hatte man ein Einsehen, ging Anker auf und suchte einen anderen Platz seitlich hinter uns. Somit hatten wir das Schiff eigentlich nicht mehr im Auge, es sei denn wir drehten den Kopf nach hinten. Und als ich genau das nach 1-2 Stunden tat, wunderte ich mich, warum das Schiff nach dieser kurzen Zeit bereits die Bucht wieder verließ. Ebenso wunderte ich mich, warum kein Dinghi am Heck befestigt war. Ganz kurzer Gedanke: Schiff auf Slip? Ist da überhaupt einer an Bord? Aber das Schiff zog so gerade aus der Bucht raus, dass ich dachte, die haben das Dinghi bestimmt seitlich genommen(am Strand lag jedenfalls kein verlassenes Dinghi rum) und so gerade läuft ein Schiff ohne Kurshalten von alleine wohl nicht. Jedenfalls habe ich mich dann wieder meinem Kindl gewidmet und erst 10 Minuten später wieder hingeschaut. Ach du Schei….Weit draußen seh ich die Yacht quer treiben und noch bevor ich Frank aktivieren konnte, sehe ich das Boot der Bootsboys heran brausen, die das Schiff an die Leine nehmen und an eine Mooringboje abschleppen. Von den Eignern ist weit und breit immer noch nix zu sehen und Frank und ich überlegen, wie froh wir wären, wenn jemand unser Schiff gerettet hätte und wie viel Belohnung wir wohl springen lassen würden als Dank. Was wäre angemessen? 100 Euro oder mehr?

1 Stunde später kommt der Eigner samt seiner Dame endlich angebraust. Um die Ecke Schnorcheln war man und stellte beim Anlegen am Schiff scheinbar nicht mal fest, dass ihre Yacht ganz wo anders lag. Die Bootsboys rauschten in freudiger Erwartung eines kleinen finanziellen Dankeschöns heran, wurden aber wiedermal komplett ignoriert. Die Dame des Schiffes räumte das Cockpit auf, der Skipper ging kurz nach vorne, nahm eine Leine auf, legte sie wieder nieder, kontrollierte weder seinen Anker (vielleicht war der ja gar nicht mehr an der Ankerkette) noch, ob das Schiff sicher an der Mooring befestigt war. Die Bootsboys erklärten mittels Zeichensprache und weit raus in die Bucht zeigend nochmal die Situation- es handelte sich um ein französisches Schiff, könnte es daher sein, dass die vielleicht so gar kein Wort verstanden haben ? – Der Skipper zuckt mit den Schultern, die Dame räumt weiter auf, man geht nach unten, kommt wieder rauf und wir denken, na endlich hat er ein bißchen Trinkgeld geholt – aber nein, man werkelt und ignoriert. Frank geht so langsam die Hutschnur hoch und meint, er würde sich das nicht gefallen lassen. Aber was sollen sie machen. Sie starten noch einen Versuch, werden aber weiter undankbar ignoriert und geben schließlich auf. Die franz. Yacht bleibt kostenlos die Nacht an der Mooring hängen und schleift wahrscheinlich morgens ihren Anker samt Kette beim Verlassen der Bucht hinterher.

Wir fanden das überaus peinlich. Wir hatten das Glück, dass dies nicht uns passiert ist(und hoffentlich auch nie nie passiert), aber die Bootsboys hatten das Pech, dass es eben nicht uns passiert ist. Von uns hätten sie jedenfalls ein ganz dickes Danke-Schön-Trinkgeld bekommen.

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