Überfahrt nach Trinidad

Und ich hab doch Alzheimer, zumindest im Anfangsstadium…  Dabei ist es gerade mal 2 Monate her seit unseren letzten Nachtfahrten. Wie komme ich also darauf, dieser jetzigen Fahrt entspannt entgegen zu sehen. Hatte mir sogar einen Film aufs Laptop geladen, den ich mir während meiner Wache mitten in der Nacht mittels Kopfhörer anschauen wollte.

Eine Schei..Fahrt war es! Um 20.00 Uhr hab ich mich hingelegt und konnte natürlich wie immer in der 1. Nacht nicht schlafen, dafür hab ich aber einen ordentlichen Teil eines Hörbuches gehört. Kurz vor dem Wegdörmeln um 22.30 Uhr wird plötzlich der Wind laut, die Krängung des Schiffes nimmt zu und ich steh sicherheitshalber mal auf, um zu fragen, ob wir nicht besser reffen sollten. Der Skipper ist der selben Meinung und ich sag, dass ich mir eben noch ein T-Shirt überwerfen möchte. Draußen ist es nämlich recht frisch. Ich mache also den Schrank auf und ca 25 T-Shirts fliegen an mir vorbei auf die gegenüber liegende Seite. Na toll! Ich komm nicht mehr dazu, mir eins raus zu fischen, denn Frank schreit von oben, ich soll hinne machen. Es ist da das Gewitter, plötzlich gießt es aus Eimern. Ein T-Shirt wäre  quatsch gewesen, wäre es binnen 10 Sekunden eh durchweicht. Und so steh ich nackelig an Deck, reffe die Segel und hab gleichzeitig geduscht. Kaum haben wir das Groß verkleinert, wird Wind und Regen wieder weniger. Aber um uns herum blitzt und donnert es weiter. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, unruhig beobachten wir zusammen das Geschehen. Vor uns taucht hell erstrahlt eine Gasbohrinsel auf, die man weiträumig umfahren soll. Unter Segel können wir den Kurs aber nicht halten und so werfen die Maschine an, zumal der Wind eh grad einschläft. Ich schicke Frank in die Freiwache, aber er legt sich nur im Salon etwas hin, um sofort wieder an Deck sein zu können, wenn….

Da dies auch ein Seepiratengebiet ist, fahren wir ohne eigene AIS-Kennung und ohne Positionslichter. Da es nicht mehr blitzt und donnert, ist um uns herum pechschwarze Nacht (bis auf die Weihnachtsbaum-Bohrinsel in weiter Ferne). Gut, die Berufsschifffahrt fährt mit Lichtern und mit AIS, ist also gut zu erkennen und das ist gut so, denn plötzlich wimmelt es um uns herum von Frachter. Ein anderes Segelschiff allerdings, welches wahrscheinlich auch ohne Positionslichter fährt, würde ich aber erst sehr sehr spät erblicken, wenn überhaupt. So halte ich Ausschau und Ausschau und Ausschau und nix ist mit „Fuck yu Goethe“. Dann seh ich einen Frachter auf direktem Kollisionkurs zu uns. Eine halbe Stunde später verlier ich die Nerven und schalte zumindest unsere Lichter an, damit wir nicht überrollt werden. Alles geht gut, aber die Aktion hat natürlich den Skipper von der Couch geholt, der darauf hin mich in die Koje schickt.

Nach 1 1/2 Stunden Schlaf höre ich wieder Wind, also raus aus der Koje und Segel hissen, Motor aus. Dann darf ich noch mal 1 Stunde in die Heia. Um 6.00 Uhr ist es hell und ich will Frank ablösen, der an Deck vor sich hin döst. Er will eigentlich nicht, schließlich wäre schon Land in Sicht und es würde sich nicht mehr lohnen. Haha!!! Ich setz mich durch und er fällt in einen Leichtschlaf. Um 8.00 Uhr sehe ich eine riesige schwarze Wand auf uns zu kommen und fange an, heimlich die Segel zu reffen. Aber es bleibt nicht unbemerkt, schwups steht der Skipper fragend an Deck. Das nächste heftige Gewitter zieht über uns hinweg und wir fahren trotz stark gereffter Segel immer noch mit 6,5 Knoten durchs Wasser.

Und dann zieht es sich und zieht sich und zieht sich.

Um 11.30 Uhr laufen wir endlich in die Bucht von Chaguaramas ein. 1. Eindruck: Hübsch-Häßlich!!!  Bzw. ich korrigiere: Häßlich! Aber wir sind ja nicht zum Vergnügen hier. Wir haben Glück und erwischen eine freie Mooringboje, denn Ankern ist hier wegen des schlechten Ankergrundes schwierig.

Dinghi zu Wasser lassen, Einklarieren und eine 1. Runde durch die 2 in Frage kommenden Werften. Die 3 Yachten aus der Pricklybay, That´s Life, Worlddancer II und Murada finden wir in der Marina wieder,  neben uns im Mooringfeld 3 weitere deutsche Yachten. Aber für Hallo´s sind wir zu müde, das verschieben wir auf morgen.

 

 

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2 Antworten zu Überfahrt nach Trinidad

  1. Birgit Morgenroth sagt:

    Schön das ihr wohlbehalten angekommen seid.
    Dann erstmal Schlaf nachholen und einen guten Aufenthalt.

  2. Insa Klages sagt:

    Liebe Anne. Jetzt hat sie’s (ich). Habe deinen Kommentar in Verena’s Gesellschaft gelesen. Wir sind an der Adria! !!! Du solltest neidisch sein. Hier ist Easy going. Keine Männer. Kein Stress. Wünsche euch alles Gute. Bis bald. Insa

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