Nächster Halt: La Blanquilla

Pünktlich um 16.00 Uhr haben wir am Donnerstag die Bucht von Chaquaramas vollgetankt verlassen.

Trinidad liegt direkt neben Venezuela, ein Land, dass man zurzeit als Segler so gar nicht und überhaupt nicht anfahren sollte wegen der katastrophalen wirtschaftlichen Lage dort. Überfälle und Piraterie sind vorprogrammiert, eben weil die Menschen dort, selbst wenn sie Geld haben, nichts kaufen können. Auch die venezuelische Küste sollte man nur mit großem Abstand passieren.   So können wir darum leider nicht links an den auf dem direkten Weg liegenden 2 Gasbohrinseln vorbei. Nachts beleuchtet wie Weihnachtsbäume und somit kann man sich in deren Nähe nicht verstecken, auch wenn man ohne Positionslichter fährt.  Und da es in dieser Gegend bereits häufiger zu Überfällen gekommen ist, nimmt man eben Umwege in Kauf.  Also rechts rum, was wiederum heißt: erst mal  4 Stunden gen Osten, also in die entgegen gesetzte Richtung zu fahren. Und zwar gegen die Strömung und gegen den Wind unter Motor, Wind war eh kaum vorhanden. Anschließend noch ein paar Stunden Richtung Norden und endlich gegen 2.00 Uhr nachts hatten wir die Bohrinseln soweit passiert, dass wir Kurs gen Westen fahren konnten. War mal wieder ganz schön mulmig, sich so nachts unbeleuchtet und ohne eigene AIS-Kennung durch die  ganzen plötzlich von allen Seiten auf einen zukommenden Tanker und Frachter zu angeln. Um 4.00 Nachts konnten wir dann auch endlich Segel setzen und rauschten seitdem mit 6,5 bis 7,5 Knoten gen Westen, wobei  die Strömung jetzt endlich mit uns war und uns bestimmt so 2 Knoten zusätzlich anschob. Endlich mal schönes Segeln, Wind von hinten und kaum Welle. So macht das Spaß.

Am Tag haben uns die ganzen Tanker und Frachter Mutterseelen alleine gelassen. Nichts wie Wasser um uns herum, nicht mal Delfine ließen sich blicken. Vor lauter Langeweile legen wir uns auch tagsüber ständig  im Wechsel für 2 Stunden hin.

Um den Kurs besser halten zu können, baumen wir nachmittags das Segel aus, den der Wind kommt fast genau von hinten. Auch das klappt inzwischen ohne Probleme und recht einfach nach den vielen Tipps, die wir dazu bekommen haben.

dsc00093

 

Die nächste Nacht ist t i e f s c h w a r z! Erst als um 3.30 Uhr endlich der Sichelmond erscheint, kann man das Meer vom Horizont und Sternenhimmel unterscheiden. Um 10.00 Uhr morgens ist endlich La Blanquilla in Sicht bzw. man erkennt nur einen platten braunen Streifen am Horizont, denn La Blanguilla ist flach, flach, flach. Beim näher kommen erkennt man ein paar kleine Sandstrände und jede Menge braungrünes Gestrüpp. Die Insel ist unbewohnt, bis auf eine Marinestation und eine Militärbasis an der Südküste. Einsam ankern wir auf 4 m und kurze Zeit später schwimmt Frank wie Gott ihn schuf an Land. Bewegung muss sein 😉

 

dsc00102

dsc00099

Blanquilla bei der Anfahrt

dsc00100

Um 16.oo Uhr kommt leichte Panik auf, denn um die Ecke kommt ein kleines Fischerboot, besetzt mit 6 Mann, auf uns zu. Puh… wo kommen die denn her? Auf jeder anderen karibischen Insel hätten wir jetzt gedacht, die wollen uns was verkaufen, Fische oder Lobster oder so was. Aber hier? Die Unterhaltung gestaltet sich schwierig, die Fischer sprechen spanisch, wir nicht. Wir antworten in Englisch, die Fischer zucken die Schultern und machen Essbewegungen. Das Wort „Cigarettes“ können sie aber, nur damit können wir nicht dienen. Dafür wandert aber eine Cola (internationales Wort – versteht wahrscheinlich jeder) sowie ein paar alte Knabbersachen über die Reling. Später  dachte ich, ein paar Dosen mit Gemüse oder Fleisch wären wahrscheinlich auch willkommen gewesen, bin aber in meiner Aufregung nicht drauf gekommen. Als Gegenleistung bieten sie ein Teil ihres Fisch- bzw. Muschelfangs an, den Frank aber dankend und höflich ablehnt. Erstens sieht der Fang nicht so lecker aus und zweitens will man denen ja nicht noch was wegessen. Friedlich ziehen sie ab und lassen uns (bzw. mich) sorgenvoll zurück mit den Gedanken, ob sie doch hoffentlich nicht heute Nacht zurück kommen.

Aber alles geht gut – wir schlafen gut und fest ohne Besuchszwischenfälle 🙂

 

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.