Und ab gehts

Pünktlich um 11.00 Uhr lösen wir die Leinen von der Mooringboje. Und tatsächlich erwartet uns weiter draußen Wind wie vorhergesagt, allerdings aus der falschen Richtung, nämlich genau aus der, in die wir wollen. Aber auch das war vorhergesagt und so kreuzen wir eben nach Aves de Barlavento. Heißt, wir segeln  mal 3 Stunden  65°, machen eine Wende und segeln anschließend 140°. Auf diese Weise machen wir natürlich aus 60 Seemeilen über 80, aber man kommt ans Ziel. Und zwar pünktlich wie errechnet kommt die Aves-Insel morgens gegen 7.30 Uhr in Sicht. Nach ca. 1 Stunde sind wir in der Nähe des von uns gewählten Ankerplatzes. Laut Cruisingguide ohne Navigationsprobleme erreichbar,  gemäß den elektronischen Navionics-Seekarten mit ausreichend Wassertiefe ohne Untiefen. 8 m sagt die Seekarte, 8 m sagt unser Kartenplotter.  Ich geh noch mal schnell pieseln, wie immer vor Ankeraktionen, bevor wir zusätzlich meine Augen zum Navigieren benutzen.  Doch kaum sitze ich, da rumst es auch schon. Wir sind aufgelaufen und sitzen fest. Bis ich wieder oben bin, hat Frank uns unter Vollgas mit Rückwärtsgang wieder flott gemacht. Die Tiefenanzeige war  urplötzlich von 8 m auf 0 m gegangen. Uns schlottern die Knie und langsam tasten wir uns wieder zurück. Wir peilen eine andere Ankermöglichkeit an, dort, wo schon 2 weitere Segelschiffe liegen. Im weiten Bogen umfahren wir eine kleine vorgelagerte Insel, die in den Seekarten eingezeichneten Riffs sind weit entfernt, ich steh vorne am Bug und lasse die Augäpfel schweifen, da geht der Tiefenmesser wieder von 8 auf 0 m. Rückwärtsgang und nix wie weg hier. Der Skipper hat die Nase voll, ich auch. Vielleicht ginge es gegen Mittag besser, wenn die Sonne hoch steht und die Augennavigation mehr bringt, aber wir drehen ab und entscheiden beide, das diese Mangroveninsel sehr hübsch ist, aber es nicht wert ist, das wir hier „Schiffe versenken“ spielen.  Drei Tage Windstille sind allerdings angesagt und so können wir noch nicht durchfahren Richtung Windward- oder Leeward-Islands. Nach 6 Stunden unter Motor erreichen wir mit dem letzten gescheiten Tageslicht die riesige nach beiden Seiten offene Lagune Cayo de Aqua von Los Roques , hier haben wir vor ein paar Monaten schon mal gelegen, hier wissen wir ohne Gefahr auf den Ankerplatz zu kommen.  Und so lassen wir gegen 16.00 Uhr auf 3,5 m den Anker in glasklarem, türkisen Wasser fallen.

dsc00709 Der Motor geht aus und es ist nichts weiter zu hören wie kleine Brandungsgeräusche. Herrlich! Traumhaft! Diesmal sind wir das einzige Schiff hier. Vom Schiff aus kann man die einzelnen Grashalme des Seegrases erkennen und so sind wir im Wasser, kaum das der Anker runter ist. Anschließend genießen wir einen Sundowner, erfreuen uns weiter der Stille, der herrlichen Aussicht in alle Richtungen und unseres traumhaften Lebens. Todmüde fallen wir schon vor 21.00 Uhr in die Koje und schrecken um kurz nach 22.00 Uhr wieder hoch. Laute Windgeräusche lassen wiedermal Schlimmes vermuten, aber das Gewitter ist Gott sei Dank nicht über uns, sondern streift uns nur mit seinen heftigen Böen .  Aber hält unser Anker? Draußen ist es stockdunkel. Wirklich unvorstellbar dunkel. Ich bin irritiert. Das Licht der Nachbarinsel ist jetzt wo anders als es vor 2 Stunden noch war. Das Ufer ist nicht erkennbar. Wir haben die Orientierung verloren. Und da ja keine weiteren Schiffe in der Nähe sind, wüßten wir nicht mal, in welche Richtung wir steuern müßten, wenn jetzt der Anker auf Slip geht.

Am nächsten Morgen ist das Meer spiegelglatt und wir fahren mit dem Dinghi auf die uns gegenüber liegende Insel Cayo de Aqua. 20 Minuten braucht unser mit dem schwachen 5PS-Motor für die Strecke, aber es lohnt sich. Ein traumhafter kleiner Strand erwartet uns. Ich zähle genau 17 Tagesgäste inkl. Guides, die sich dort auf Plastikstühlen unter Sonnenschirmen, aber mit Kühlbox einen wunderschönen Tag machen.

dsc00719 Cayo de Aqua ist mit der daneben liegenden Miniinsel West Cay durch eine Sandbarre verbunden, die man zu Fuß überqueren kann. Von beiden Seiten brechen sich dort die Wellen und wenn sie gleichzeitig auftreffen, braucht man anschließend nicht mehr baden zu gehen um nass zu werden.dsc00720 dsc00724 dsc00727dsc00738

Wir genießen noch einen weiteren Tag Einsamkeit und Ruhe und brechen nach  3 Tagen auf Richtung ….???? Schaun wir mal, wo der Wind uns hin bläst 🙂

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