Es bläst und bläst und bläst

Unseren Hochzeitstag (an den wir diesmal nicht von Freunden erinnert werden mußten weil wir vorsorglich unserer Elektronik mit diversen Erinnerungen gefüttert hatten 🙂 ) konnten wir am Montag noch nett mit Pizzia und Cocktails in der Grand Case Bay genießen. Noch während wir anschließend auf den Bus zurück nach Marigot warteten, fing es leicht an zu nieseln. Da hielt ein privates Auto und fragte, ob er uns mitnehmen kann. Dankend nahmen wir das Angebot an und kaum hatten wir die Türen geschlossen, da öffnete der Karibikhimmel seine Pforten. Normalerweise regnet es hier immer nur so 3-5 Minuten, mal heftig, mal weniger heftig. Was das aber Montag Abend vom Himmel kam, war fett heftig und vor allen Dingen auch noch dauerhaft die nächsten Stunden. Dank „privatcar“ wurden wir direkt am Dinghisteg abgesetzt, was uns zwar den Fußweg von der Busstation zum Dinghi ersparte, aber noch nicht die Dinghifahrt zur 2wishes, die wir ein paar Minuten später pudelnass erreichten.

In der zweiten Nachthälfte dann werden wir von ungewohntem Geschaukel wach. Draußen pfeift nicht nur der Wind, nein, wir haben das Gefühl, nicht vor Anker in einer Bucht zu liegen sondern auf der Atlantiküberfahrt zu sein. Was machen denn die ganzen hohen Wellen plötzlich hier? 2m-Wellen in einer Bucht? Nun, auf jeden Fall ist „Frau- Tanamera-so-kann-ich-nicht-schlafen-Schwell“ angesagt (sorry, liebe Birte 😉 ). Wir dagegen können (fast) immer schlafen und so lassen wir uns erstmal durch Rauf und Runter, Rechts- und Linksgeschaukle nicht stören. Beim Frühstück dann an Deck (es regnete nicht mehr) beobachteten wir faziniert die Brecher, die in die Bucht rollten. Hinter uns geht eine französiche Yacht Anker auf und ruft uns im Vorbeifahren ein „Bon Courage“ zu. BON COURAGE? Viel Glück? Äh… mir bleibt das Brot im Halse stecken! Haben die etwa einen anderen Wetterbericht wie wir? Mißtrauisch beobachten wir unser Umfeld. Die 2wishes zappelt an der Ankerkette, es weiterhin rauf und runter so dass mir während des Spülvorgangs schummerig wird. Seekrank vor Anker? Was es nicht alles gibt! Oben ist es mir zu windig, unten wird mir schlecht – also, wieder ab ins Bett. Nach einer halben Stunde knallt es ganz heftig. Wieder eine Welle, die vor den Bug geknallt ist? Ich will das gar nicht wissen und zieh die Decke über den Kopf. Da ruft Frank und mir schwant Böses. Na klar, wiedermal ist unsere 10mm Ankerkettenhalteleine gerissen. (Sie verhindert, dass die Ankerwinsch durch den Winddruck nicht mehr Kette rausläßt, als von uns gewünscht). Unglaublich, das passiert i m m e r  nur hier in dieser Bucht vor Marigot. Mir ist dann auch nicht mehr schlecht, denn während Frank vorne im Sturm steht und eine neue Halteleine plus eine zusätzliche Sicherheitshalteleine befestigt, halte ich das Schiff zwischen Vorwärtsgang und Leerlauf so gegen Wind und Schwell, dass nicht noch mehr Ankerkette unkontrolliert raus rauscht, damit wir nicht vor dem Bug unseres Hinterschiffes landen. Ob die Leinen jetzt halten? Gut, wenn 1 reißt, dann ist zumindest erstmal noch eine 2. da, aber den Plan „einkaufen gehen“ der wird verworfen. 1 1/2 – 2 Stunden das Boot verlassen – ne, lieber nicht. So fahren wir nur schnell zum Dinghidock, ich spurte schnell zum Baguettverkauf und schnappe mir beim Chinesen ein paar Kartoffeln, dann geht es schon wieder zurück. IM REGEN, allerdings. Pitschnass sind wir 20 Minuten später wieder an Bord. Draußen ist es grau, nass und usselig. Mit heißem Tee, der Saloncouch und einem alten Spielfilm vertreiben wir uns diesen außergewöhnlichen Karibiktag. Nur das ein oder andere Teelicht fehlte an der winterlichen Stimmung 🙂 .

Am nächsten Tag ändert sich die Richtung des Schwells bzw. der Wellen und wir liegen wieder etwas ruhiger. Aber die Bucht hat sich geleert, statt mit 200 Schiffe liegen wir hier nur noch vereinsamt mit ca. 100 vor Anker. Weiß der Kuckuck, wohin die Anderen sich in Sicherheit gebracht haben? Es bläst allerdings weiter, schön ist anders. Aber der Anker hält und auch die neuen Ankerkettehalteleinen haben die Tage überstanden. Heute soll es angeblich aufhören zu blasen, aber es bläst weiter und weiter und weiter. Aber nicht mehr so schlimm, dass wir den Geburtstag vom Skipper (wie letztes Jahr hier vor Ort)  nicht feiern können. Gleich gehen wir lecker libanesisch essen und anschließend… na klar, Sundowner bzw. Bierchen und Rumpunsch bei Lagoonies!!! 🙂 🙂

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