Anse la Raye

Als wir die Bucht von Anse la Raye ansteuern, würde der Skipper am liebsten sofort wieder kehrt machen. Hier ankern niemand, also kann man da auch nicht ankern. Ich überzeuge ihn aufgrund von vielen Ankerzeichen im Guide und auf der Navigationssoftware, dass es in der Tat ein ausgewiesener Ankerplatz ist. Was kann ich dafür, dass hier im Gegensatz zu den Touriorten Marigot und Rodney Bay niemand sonst ankert. Und ich überzeuge ihn, dass man auch mal was wagen muss, denn schließlich hat man schon lange nichts mehr von Überfällen und Diebstählen gehört hier auf St. Lucia. Das ist hier nämlich das Hauptproblem, welches total verunsichert. Bisher haben wir uns in der Karibik noch nie irgendwo unwohl gefühlt, aber Bemerkungen im Guide wie „nur in Gruppen und dann auch nur mittels Taxi oder Bus aufsuchen“ oder auch „die Ranger nach der aktuellen Sicherheitslage fragen, bevor man zum Dinner ausgeht“ verunsichern natürlich.

Viel vom Ort ist vom Boot aus nicht zu erkennen  und nachdem wir sicher sind, dass der Anker hält setzen wir wagemutig mit dem Dinghi über zu dem Steg, an dem die einheimischen Fischerboote liegen.  Raye wird im Guide als „picturesque fishing village“ beschrieben und genau das finden wir auch vor, wie auf den nachfolgenden Bildern zu erkennen. DSC01259DSC01260DSC01261DSC01262DSC01263Wir fühlen uns jedoch als einzige Weiße sehr exotisch und fallen demensprechend auch auf. Ein Tafel beschreibt Raye als bekanntes Fischerdorf, dass jedoch auch ausgezeichnet ist durch hervorragenden Schiffsbau. Selbst aus Martinique würde man herkommen, um den Neubau von Schiffen zu beauftragen. Gut, damit sind jetzt keine Schiffe gemeint, wie ein guter Freund sie in einer Werft in Bremen baut, aber gute Fischerboote bekommen die hier hin. Man geht dazu nach Auftragserteilung in den Wald, holzt einen entsprechend guten Baum ab und dann geht’s los 😉 .

Natürlich können wir auch diesen Ort nicht verlassen, ohne vorher der „Local Bar“ einen Besuch abgestattet zu haben. Diese ist mal wieder „einzigartig“. Gleichzeitig „Tante-Emma-Laden“ und „Bar mit Theke“.DSC01266

Ich kann mich nicht an Tante-Emma-Läden in meiner Kindheit erinnern. Selbst der kleine Einkaufsladen an der Ecke war schon ein Selbstbedienungsladen. Deshalb fasziniert mich dieser hier besonders.  Wenn etwas aus den oberen Regalen verkauft wird, dann wird es mittels Stock angeschubst und aufgefangen, wenn es runter fällt. Ansonsten geht jede Menge Rum über die Theke und jeder 2. kauft Zigaretten einzeln. Irgendwann fällt den anderen Gästen auf, dass wir anders aussehen und wir werden in nette Gespräche verwickelt. Wie uns St. Lucia gefällt, woher wir kommen, ob wir irgend welche Andenken benötigen etc. . Einer schleicht an uns vorbei und fragt, ob wir die von dem Schiff da draußen sind. Wir bestätigen und er schleicht zufrieden von dannen 😉 . Die meisten, die uns ansprechen, haben dem Rum schon ordentlich zugesprochen, aber alle sind höflich, freundlich, entspannt und wir fühlen uns nicht unwohl.

Wenn sonst auch die Luken und der Niedergang offen bleiben und es wahrscheinlich keinen Grund zur Sorge gibt, wird unser Schiff für die Nacht ausnahmsweise mal verrammelt. Wir überstehen die Nacht völlig unbeschadet, warum auch nicht! Man sollte sich einfach nicht kirre machen lassen.

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