Der 1. Tropical Storm

Seit Wochen unkt Frank schon, dass das das Jahr der Hurrikans und Stürme wird, abgeleitet davon, dass wir seit über einen halben Jahr ständig viel Wind haben. Vor allen Dingen auf Ankerplätzen, wenn man unterwegs war, dann machte der Wind oft eine Pause 😉 .

Wer sich wie wir am Anfang und während der Hurrikanzeit hier in der Gegend Grenada sowie Trinidad/Tobago aufhält, sollte täglich überprüfen, ob sich von irgendwo ein „x“ nähert. Damit fängt nämlich alles immer an auf der Internetseite für die Hurrikanwarnungen. Und so sahen wir vor ein paar Tagen bereits ein gelbes „x“ vor der Küste von Südamerika, am nächsten Tag war es bereits orange, was soviel bedeutet wie: die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Sturm aus diesem Tief entwickelt, ist hoch.  Noch war aber für uns nicht klar, welche Richtung er einschlagen würde und so richtig Sorgen machten wir uns noch nicht.  Und so sitzen wir letzten Samstag noch ganz entspannt in einer Localbar in Carricacou, als uns der Skipper eines Charterschiffes anspricht. Im Gesprächsverlauf lassen wir verlauten, dass wir gerade beratschlagen, ob wir Sonntag oder Montag  nach Grenada segeln werden. Oh, oh, oh…. Der Skipper sowie der bekiffte Wirt raten uns eindringlich davon ab, am Montag irgendwo hin zu segeln, denn spätestens Montagabend würde  der Tropical Storm mit 50 Knoten Wind auf Trinidad, Grenada sowie auch auf Carricacou treffen. Gleichzeitig trifft eine Mail von Birte (SY Tanamera) ein, die irgendwo an Amerikas Ostküste im Trockenen sitzt und uns den Wetterbericht  von Chris Parker (wohl ein Wetterexperte) schickt, der für unsere Gegend auch nichts Positives hervor sagt.  Wir 4 beratschlagen, was am Besten zu tun ist. In Carricacou vor Anker bleiben und 50 m Kette (mehr haben wir nicht) raus lassen wäre eine Möglichkeit, da die Bucht wohl recht geschützt ist.  Vor Anker vor St. George in Grenada den Sturm erwarten, davon wird uns dringend abgeraten – zu ungeschützt.  Oder besser in eine Marina gehen und alles gut vertäuen. Wir Hasenfüße treffen recht schnell die Entscheidung. 25-30 Knoten Wind vor Anker sind schon kein Spaß, 50 Knoten möchten Hasenfüße so eigentlich nicht erleben und so laufen wir Sonntagmorgen Richtung Grenada aus. Bereits kurz vor Ankunft und beim Ankern treffen uns heftige Boen und Starkregen. Igittigitt!!!  Der Ankergrund besteht aus recht hartem Korallensand und Steinen, heißt,  der Anker hält nicht besonders gut. 50 Knoten wird er auf keinen Fall aushalten. Wir holen uns für 8 US-Dollar für 24 Stunden Internet an Bord und prüfen schnell mal dieses blöde inzwischen knallrote „x“, das so langsam auf uns zukommt und jetzt definitiv ein „Tropical Storm“ ist.  Unruhig machen wir uns 2 Stunden später auf und schauen uns die örtliche Port Louis Marina an, die letztes Jahr um diese Zeit recht leer war. Nun, dieses Jahr ist sie es nicht und obwohl Sonntag ist, ist das Marinabüro noch offen und schnell fragen wir nach einem Liegeplatz. Man beratschlagt, zählt auf irgendwelchen Listen was zusammen, beratschlagt nochmal und zu unserem Entsetzen bekommen wir eine negative Antwort. Angeblich gäbe es aufgrund des Sturms für den nächsten Tag 12 Reservierungen und damit könnte man uns keinen Platz mehr anbieten.(Angeblich schreibe ich, weil ich am nächsten Tag keine Schiffe gesehen habe, die die Marina angelaufen haben – ob denen unsere 38 Fuß zu mickrig waren oder wir zu abgewrackt aussahen?)  Wir sind geschockt, damit haben wir nicht gerechnet. Gut, gegenüber liegt der kleine Yachtclub, indem wir letztes Jahr schon ein paar Tage waren, aber wenn die riesige Marina voll ist, dann werden die bestimmt auch nix mehr frei haben. Überprüfen können wir das nicht, denn dort ist bereits alles zu. An Bord beratschlagen wir, am nächsten Morgen gleich um 8.00 Uhr dort auf der Matte zu stehen und anschließend eventuell sofort in die 7 Seemeilen entfernte Prickly Bay zu gehen, die geschützter liegt.  Also doch mit  50 m Kette bei  50 Knoten am Anker hängen. Uns ist schlecht und nervlich sind wir ziemlich fertig. So ist auch nachts kein Tiefschlaf drin und ziemlich unausgeruht stehen wir am nächsten Morgen kurz vor acht vor dem Office des Yachtclubs. Wenn ihr Zuhause gegen Mittag einen dicken Knall gehört habt, dann war das der Felsbrocken, der von unserem Herzen fiel, als wir um 8.01 Uhr einen Liegeplatz bestätigt bekommen haben. Damit hatten wir wirklich kaum noch gerechnet. Um 9.00 Uhr lagen wir dann bereits am Steg und begannen mit den Sturmvorbereitungen, die die meisten anderen Schiffe dort schon erledigt hatten. Die  2wishes wurde mit 2 bis 3 x so vielen Leinen befestigt wie normaler Weise, wir erwägten sogar noch den Kauf einer weiteren Festmacherleine, aber der Bootsausstatter Island Water World war diesbezüglich „ausverkauft“ 😉 . Wir checken noch mal den Verlauf des Sturms, noch ist es absolut windstill, um 17.00 Uhr soll es leicht los gehen und so richtig krachen soll es dann ab 2.00 Uhr nachts.  Gegen 16.00 Uhr wollen wir in der Bar des Yachtclubs schnell noch ein Bierchen trinken und ev. was essen, aber dort sind alle Stühle und Tische weggeräumt. Sogar die große lange Theke ist leergefegt. Nix geht mehr hier, alles wartet auf den großen Sturm. Wir sind noch recht fertig und müde wegen der unruhigen Nacht davor und somit bereits um 20.30 Uhr in der Koje, damit wir wenigstens noch etwas Schlaf abgekommen, bevor es so richtig los geht. Gegen Morgen erwachen wir aus einem Tiefschlaf und fragen uns, wo den der Sturm geblieben ist. Regnen tut es, mal wenig, mal viel, aber durchgehend seit gestern Abend 20.00 Uhr und so müssen die Fenster geschlossen bleiben. Von Wind kann überhaupt keine Rede sein, es ist richtig windstill. Wir frühstücken erst mal und tappern dann durch den Regen zum Yachtclub (Tische und Stühle stehen wieder an ihrem gewohnten Platz), um per Internet festzustellen, wo denn der Sturm bleibt. Klammheimlich hat er sich doch heute Nacht an uns vorbei geschlichen und ist nun auf dem Weg Richtung Curacao, wird aber dort auch wohl oberhalb vorbei gehen. Die ganze Aufregung umsonst 🙂 , geblieben ist nur der Regen und der soll uns auch noch bis heute Nacht erhalten bleiben. Aber so genießen wir dann jetzt eben für ein paar Tage Marinaleben mit ausreichend Energie, Frischwasser on mass und einer Waschmaschine 🙂

Also nochmal Schwein gehabt….  Nur wenn das jetzt am Anfang der Hurrikansaison schon so los geht, dann…. ???????

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2 Antworten auf Der 1. Tropical Storm

  1. Hasentochter sagt:

    Uiii, das ist ja mal ein Krimi!!!

    Hatte Gänsehaut beim Lesen und war dann so stolz auf euch, dass ihr die Entscheidung getroffen habt, in die Marina zu fahren. Das euch der Sturm dann doch hat schlafen lassen, hat mir fast die Tränen in die Augen getrieben. Manomann…

    Aber: wehe, ihr wiegt euch jetzt in Sicherheit! Beim nächsten angekündigten Tropical Strm fahrt ihr bitte wieder schnurrstracks (himmel, wie schreibt man das denn?) in die nächste Marina – und sei es nur, um die Wäsche mal wieder ordentlich zu waschen.

    Dicken Kuss aus dem noch völlig windstillen, heißen Köln – unser Gewitter ist erst für Donnerstag angesagt.

  2. Elke B. sagt:

    Oh Manno, was für ein Glück. Dem Himmel sei’s gedankt, dass der Sturm sich nicht an Euch getraut hat. Wir wünschen Euch weiterhin viel Glück und ordentlich stabile Seile, damit Ihr Euch immer wo gut festmachen könnt. Liebe Grüsse aus Berlin!

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