Ankertrouble und noch mehr

Montag Mittag… wir kommen gerade vom Einklarieren zurück, da fährt die Coastguard bei uns vorbei und fordert uns sowie 20-30 andere Schiffe auf, diesen unseren Ankerplatz zu räumen und weiter nach hinten zu verlegen. Wir liegen nämlich mitten in einer betonten Fahrrinne. Nicht absichtlich natürlich, die Betonung ist auf den Seekarten und im Cruising Guide nicht eingezeichnet und die Tonnen selber sind, sobald erstmal das ein oder andere Schiff davor liegt, nicht mehr zu sehen. Und wenn 20 Schiffe auf einmal Anker auf gehen und sich auf nun doch sehr beengtem Raum einen neuen Platz suchen, dann ist Stress angesagt. Für uns jedenfalls, wir brauchen immer noch viel Platz und Ruhe zum Ankern. Und so weichen wir aus auf die andere Seite der Bucht, dort gibt es jedoch eine Menge Untiefen (Flachwasser) oder das Wasser ist gleich 17 m tief (für uns zum Ankern zu tief). Irgendwann haben wir dann aber eine 8 m Stelle erwischt und liegen erstmal sicher. Nur 3 andere Boote leisten uns hier Gesellschaft.  Wenn das nächste Woche passiert wäre, wenn ich in DE und Frank alleine vor Anker ist, das wäre eine Katastrophe geworden. Es gibt bestimmt eine Menge Einhandsegler und wir bewundern jedesmal die Anker- oder Schnapp-eine-Mooring-Aktionen dieser Segler, die alles alleine machen müssen bzw. sogar können 😉 , aber Frank ist nun mal kein Einhandsegler, ihm fehlt die Erfahrung dazu und Lust hat er da auch nicht drauf. Wir stehen also ein wenig unter Schock und bedenken die Situation neu. Selbst wenn wir die Tage einen Ankerplatz finden, der nicht mehr so weit draußen ist, was ist, wenn irgendwas die Ankerplatzruhe stört. Ich persönlich hätte Frank ja lieber in der 20 Seemeilen entfernten kleinen Bucht Anse A L´ane geparkt, wo meist nur 5-8 Schiffe liegen. Sandstrand, div. Strandbars, ein Supermarkt und eine Fähre, die ihn zur Abwechslung rüber nach Fort de France fahren könnte. Aber Frank will nicht so recht und will es noch überdenken.

1 Tag später hat sich die Sache mit dem „überdenken“ erledigt. Wir sitzen abends unten, da knallt es plötzlich. Als wenn eine Tür heftigst zuschlägt. Blöd nur, dass wir keine Tür haben, die 1. so laut zuschlagen könnte und 2. sind alle noch brav offen. Wir werfen prüfend einen Blick ins dunkle Cockpit, es ist nichts zu erkennen und so widmen wir uns weiter unserem Entertainmentprogramm unter Deck. Am nächsten Morgen läßt sich Frank im Cockpit zum Frühstück nieder und ach zu SCHEIßE…. er hat die Ursache des lauten Knalls gefunden. Eine Glasscheibe unserer festen Sprayhood ist komplett geplatzt, gut, es ist Sicherheitsglas wie bei den Frontscheiben von Autos, aber so kann das natürlich nicht bleiben. Was haben wir eigentlich verbrochen? Selbst ich habe langsam keine Lust mehr und bin kurz vor dem Aufgeben. So eine gemütliche Couch mit einem Fernseher davor hat doch auch was, oder? Enkelkind bespassen,  Babysitten und den ein oder anderen Langzeiturlaub in Asien ohne kostspielige Reparaturprobleme – so langsam freunde ich mich damit an.

Und jetzt jemanden im französischen Martinique zu finden, wo man mit Englisch gar nicht oder nur schlecht zurecht kommt, der Glas repariert…. und das alles kurz vor meinem Abflug nach Deutschland…. ich glaub, ich will die Strandhütte in Asien wirklich!!!!

Jedenfalls ist damit die Entscheidung von Franks Verbleib gefallen. So eine Scheibe kann, wenn überhaupt, ab besten erneuert werden, wenn man fest in einer Marina liegt und so buchen wir einen Liegeplatz an einem Schwimmsteg vor der hier ansässigen Bootswerft Carenantilles, der deutlich günstiger ist, als die große Marina hier vor Ort.

Zwischenzeitlich fällt mir ein Sack mit Müll ins Wasser und während ich mich schnell auf dem Boot bewege, um den Bootshaken zu holen, stolper ich und falle in Richtung der gesprengten Sprayhoodscheibe. Super!  Die Scheibe zerplatzt endgültig und die klitzekleinen Scherben verteilen sich im kompletten Cockpit sowie auf dem Laufdeck. Blutend stehe ich auf dem Vordeck, heule und will einfach nicht mehr, während Frank(der davon erst gar nichts mitbekommen hat) mit dem Dinghi dem Müllsack hinterher fährt. Couch und thailändischer Strandbungalow…. ich komme!

Am Freitag verlegten wir uns dann in die Marina und wie soll es anders sein? Nach Jahren geht zum ersten Mal mal wieder ein Anlegemanöver schief. Starker Wind, eine Böe sowie mein Unvermögen, die Leine durch die vorderer Mooringboje beim rückwärts vorbeifahren zu ziehen, drückt unser Schiff auf das Nachbarboot. Seine vordere rote Positionsleuchte verhackt sich mit unserer Reling und reißt ab. Unsere Reling verbiegt sich dabei – eine weitere Reparatur ist fällig. Ich sach jetzt nicht, wohin ich mich wieder wünsche…

Morgen kommt eine Firma, die mit Plexiglas arbeitet und wir hoffen, dass die unsere Scheibe ersetzen können. Denn jemanden zu finden, der das mit Glas macht… hier vor Ort im Marinagebiet gibt es niemanden.

Dienstag geht jedenfalls erstmal mein Flug nach Deutschland und die weitere Organisation mit den Reparaturwerkstätten muss ich leider erstmal Frank überlassen.

(Übrigens, bereits einen Tag später liegen wieder Boote vor Anker in der betonnten Fahrrinne 😉 und freuen bzw. wundern sich über den tollen freien Ankerplatz)

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Ein Kommentar zu Ankertrouble und noch mehr

  1. Hasentochter sagt:

    Ach mensch, da bekommt man beim Lesen ja feuchte Augen ;-(

    Ich begreife einfach nicht, wo diese Pechsträhne herkommt und warum sie weiterhin anhält. Und so sehr Miri und ich es auch genießen würden, euch regelmäßig um uns zu haben, ich bin mir sicher, dass dir nach den ersten entspannten Wochen auf der Couch dermaßen langweilig werde würde… ich erinnere mal kurz an den vergangenen Winter in Deutschland.

    Ihr müsst also durchhalten, kämpft euch da durch (das habt ihr bisher auch immer geschafft) und dann macht euch gefälligst auf zu neuen Ufern. Kolumbien, Belize, Kuba, Mexiko – da wollt ihr doch wohl nicht drauf verzichten.

    Und wenn ihr dann irgendwann sagt, dass ihr genug um die Welt gereist seid, dass ihr vorerst genug gesehen habt, dann dürft ihr abbrechen und wir alle empfangen euch mit offenen Armen. Aber nicht wegen so ein paar lästiger, zugegebener Maßen etwas zu häufigen, Reparaturen!!!

    So, ich freue mich auf die nächsten 14 Tage mit dir. Und dann will ich gefälligst Bilder und Berichte von neuen Orten – es reicht, dass ich hier „festsitze“.

    Hab dich lieb

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