Mooringaktion in Anse A L`ane

Nach einer Nacht in der Bucht von Grand Anse D`Arlet stellen wir morgens fest, dass sich unser gut im Sand eingegrabener Anker gut 5 m nach vorne bewegt hat. Und das, obwohl die Nacht windstill war.  Zu wenig Ankerkette? Wahrscheinlich, aber wenn so was jede Nacht passiert, dann würden wir nach 5 Tagen hinter unseren noch hinter uns liegenden Schiffe liegen, falls wir die nicht vorher touchieren. Was ist los mit uns? Können wir plötzlich auch nicht mehr ankern? Wir starten in die nächste Bucht, Anse A L `Ane, wo wir ja ein paar Tage bleiben und einen auf Urlaub machen wollen. Des Skippers Augen leuchten auf, denn er sieht Moorings in der Bucht verteilt.

Nochmal zur Erklärung: Eine Mooring ist eine kräftige Kette, die an einem auf dem Grund liegenden Betonklotz fest verankert ist. Durch einen Mooringball wird die Kette oder Leine an der Wasseroberfläche gehalten und durch angeln der daran befestigten Leine oder Schlaufe kann man sein Schiff daran festmachen – das ist übrigens nicht ganz einfach und führt des öfteren zu Streitigkeiten zwischen dem Skipper und den niederen Crewmitgliedern. Wenn ihr Langeweile oder  Interesse an einem äußerst lustigen und netten Bericht hierüber habt, dann besucht mal die Seite der SY Atanga unter www.atanga.de mit dem Blogeintrag von Freitag, dem 18.5. „Mooring Manöver – Drama in 7 Akten“. Wir haben uns jedenfalls darin wieder erkannt, nur dass es bei uns anders rum ist. Viel Spaß beim Lesen!!!

So, jetzt bin ich aber vom Thema abgekommen 🙂 – freudig steuert Frank auf die Moorings zu. Auf der 1. steht irgendwas, was wahrscheinlich bedeutet, dass diese Mooring jemanden gehört. Der 2. Mooringball ist einfach nur weiß, den schnappen wir uns. Natürlich klappt das erst beim zweiten Anlauf und natürlich verlier ich Depp dabei den Bootshaken, da mir für vorsichtiges und langsames Handtieren einfach der 3. Arm fehlt und ich das „Nicht-Aufstoppen-Können“ des Skippers (siehe Bericht Atanga) ausgleichen muss. Aber gut, der Skipper angelt erfolgreich den über Bord gegangen Bootshaken wieder auf, während ich das Schiff sicher an der Mooring festmache. Das könnte es jetzt gewesen sein, das ersehnte Anlegerbierchen ist fast greifbar, aber dann…

Der französische Skipper eines Katamarans, der fast zeitgleich mit uns an einer Mooring festgemacht hat, ruft uns in einem einwandfreien Englisch (wauh!) rüber, dass das eine private Mooring ist. Wir könnten da ruhig für eine Nacht oder so dran liegen bleiben, aber es könnte sein, das der Eigentümer auftaucht und dann müßten wir weichen. Na gut, während wir noch überlegen, ob wir sofort ankern oder es riskieren, für eine Nacht zu bleiben, ruft er erneut rüber. Die Mooring weiter vorne gehöre einem Freund von ihm und der sei gerade in Europa und der hätte auch nix dagegen, wenn wir diese nutzen würden. Okay, hört sich doch gut an, zumal wir eine ganze Woche bleiben wollen. Wir lösen also die Mooringleine und steuern auf die Angegebene zu. Da ruft ein anderer französicher Skipper zu uns rüber, allerdings auf französisch. Er scheint aufgebracht! Wir verstehen natürlich kein Wort und machen ihn auch darauf aufmerksam, dass wir kein französisch verstehen. Er palavert unbeirrt weiter, auf französisch natürlich. Wir deuten es so, dass wir diese Mooring nicht nutzen sollen. Warum nicht? Nicht tief genug, nicht sicher genug? Wir wissen es nicht und drehen bei. Der englisch sprechende Kat-Skipper sitzt derweil bereits in seinem Dinghi und wundert sich, warum wir schon wieder an ihm vorbei fahren. Wir klären ihn auf und er düst mit seinem Dinghi zu dem aufgebrachten Franzosen. Wir sehen die beiden minutenlang heiß diskutieren, nach 5 Minuten wird uns alles zu kompliziert und wir werfen den Anker. Kaum haben wir 30 m Kette draußen, ist die Diskussion zu Ende, der englisch sprechende Franzose hat scheinbar gewonnen und fordert uns auf, die Mooring seines Freundes zu nutzen, allein schon, weil man dort an der Stelle viel ruhiger liegen würde. So viel freundlichen Einsatz wollen wir natürlich nicht enttäuschen und gehen wieder Anker auf. Er hilft uns sogar noch mittels seines Dinghis und somit völlig unkompliziert an dieser Mooring festzumachen. Selten so einen netten Franzosen getroffen 🙂

Den Rest des Tages verbringen wir an Bord, gammeln einfach nur rum, lesen und genießen. Natürlich kann ich sowas nicht 2 Tage hintereinander machen und so plane ich für den nächsten Tag bereits eine Wanderaktion zur nächsten Bucht. Dank der App „maps.me“ finden wir den  Fuß- bzw. Schleichweg nach Anse Mitan und so geht es über Stock und Stein den Berg rauf und runter.  In unserem Cruising Guide gibt es von dem „Creolischen Dorf“ dort in Trou Etienne ein wunderschönes Foto. Bunte schöne kleine Häuschen! Wirklich nett! Haben wir aber leider nicht wieder erkennen können, da sich dieses creolische Dorf inzwischen zu einer Freßmeile weiter entwickelt hat.  Restaurants reihen sich nacheinander auf. Alle hübsch und nett, aber nicht in unserer Preisklasse. Nein, auch wenn hier ständig der Fährbetrieb für starken Wellengang sorgt, in Anse A Láne fühlen wir uns wohler.

 

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2 Kommentare zu Mooringaktion in Anse A L`ane

  1. Guy sagt:

    Hallo,
    Ihr macht euch das Leben unnütz schwer.
    Nehmt doch einfach einen Festmacher, belegt ihn auf einer Seite am Bug und schmeißt eine Schlaufe über die Boje.
    Beim anziehen (oder einfach das Boot treiben lassen) wird die Leine automatisch unter die Boje gezogen, anderes Ende an der Bugklampe belegen und dann ist erstmal Ruhe, denn das Boot ist fest
    Danach hat man alle Zeit der Welt das Boot richtig an der Boje festzumachen.
    Probierst mal, hat bei uns bis jetzt IMMER ohne Probleme funktioniert.
    Schöne Grüße aus Luxemburg,
    Guy
    http://www.sy-calimero.com

    • Anne sagt:

      Hallo Guy,
      welch ein genialer und doch so einfacher Tipp. Wieso sind wir darauf noch nicht selber gekommen? Brett bzw. in dem Fall mehr eine ganze Europalette vor dem Kopp? Jedenfalls danken wir euch sehr für diesen Tipp, die nächste Mooring erwartet uns in Bonaire und seid gewiß, wir sind schon ganz heiß darauf, eure Methode auszuprobieren. Von unserem Erfolg (oder hoffentlich nicht Mißerfolg) werden wir berichten. Vielen vielen Dank und Gruß zurück nach Luxenburg. Anne und Frank

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