Segeln vom Feinsten

Über 2 Wochen lang haben wir täglich die Wetterdaten für Kolumbien von unserem Anbieter „Wetterwelt“ abgerufen, um eine Einschätzung der zur Zeit herrschenden Wetterlage zu bekommen und um eventuell den richtigen Absprung zu treffen. Was ich vorher hier nicht kund getan habe, um die Heimatfront nicht zu beunruhigen, ist, dass das Seegebiet vor Kolumbien zu den 5 gefährlichsten Segelgebieten der Welt zählt.  Das beschäftigt natürlich nicht nur uns, sondern alle Segler, die diese Strecke segeln wollen. Und so hören wir Kommentare wie „Denkt dran, ihr müßt immer noch 5 Knoten dazu zählen zu den Windvorhersagen“ oder auch „da sind 3 m Welle angesagt, da wollt ihr wirklich raus?“ usw.  Wir wollen!  Nachdem wir wie gesagt die Wetterlage über 2 Wochen lang beobachtet haben, glauben wir, ein einigermaßen ruhiges Fenster (angesagt sind im Schnitt 22-25 Knoten, in Boen bis zu 35) zu erwischen. Gebucht haben wir also „ruhiges Segeln für Rentner“ und was haben wir bekommen?

RUHIGES WUNDERSCHÖNES RENTNERSEGELWETTER 🙂

Geht doch!!!!

Das war seit langem mal wieder ein herrlicher Törn, bei dem so absolut alles stimmte (und der Spaß auf mehr machte – vielleicht doch Kuba?) Natürlich waren wir am 1. Tag super nervös, aber das sind wir anfangs immer, bis wir uns eingewöhnt und wieder Vertrauen zur 2wishes gefasst haben. Und so rauschten wir bei 27-35 Knoten mit 6-7 Knoten Geschwindigkeit von Bonaire über Nacht an Aruba vorbei. Bereits nach 2 Stunden wollte dieser Große schon mit uns kuscheln. Das war verdammt nah, aber bisher wussten diese Dickschiffe immer, was sie tun. Am nächsten Tag ließen bereits Wind und Welle nach, Wind und Welle kommen leicht schräg von hinten, das Segeln wurde immer angenehmer, keine Schräglage, kein Krach durch Wellenbrechen an der Bordwand, das Vorsegel steht ohne zu killen und noch immer machen wir 5 Knoten.  Die Angel ist draußen… ich wünsche mir einen schönen fetten Fang und außerdem mal wieder Delphine. Letztere müssen mich gehört haben, 1 Stunde später spielt eine ganze Herde/Schwarm/Schule? mit unserem Schiff. Wiedermal traumhaft schön!

Die Nacht ist ruhig, die Tanker halten ausreichend Abstand, beide finden wir ausreichend Schlaf während unserer Freiwache und können mit dem Tablet während der Wache nett und ruhig den ein oder anderen Film gucken. So fühlen wir uns am 3. Tag auch entspannt und ausgeruht. Sogar ein Duschbad an Deck ist drin.

Und wir sind nicht alleine! Die „unforgettable 3“ erscheint hinter uns und holt schnell auf. Die haben das Vorsegel ausgebaumt und sind dadurch schneller. Wir sind zu faul dazu. 5-6 Konten reichen uns. Wir haben über Funk kurz Kontakt, was mich wieder ordentlich fordert. Spontan englisch quatschen in ein Gerät hinein – nicht unbedingt mein Favorit. Wir wünschen uns jedenfalls gegenseitig einen weiterhin guten Tripp und wenn was sein sollte….

3 Stunden später!!!!!  Das kolumbianische Seegebiet zeigt uns den Stinkefinger!!! Kann entweder Gedanken lesen oder hat meine oben geschriebenen Zeilen heimlich mit gelesen.  Jedenfalls will es dieses „Rentnersegelwetter“ nicht auf sich sitzen lassen und schickt WELLEN!!! 2,20 m Wellen sind für das Gebiet hier angesagt, die Brecher, die da hinter uns auf uns zurollen, sind mindestens gefühlt 5 m hoch. Die, die uns genau von hinten treffen sind auch harmlos. Wie Atlantikwellen heben sie die 2wishes langsam hoch und lassen sie auch langsam wieder runter. Aber so jede 10 + 11 + 12 Welle trifft uns schräg von hinten, macht dadurch einen Höllenlärm und reißt das Schiff quasi rum. Der Autopilot verzweifelt und mir wird immer mulmiger. Frank ist ganz ruhig und hält alles für normal und easy. Ich denke jedoch immer an die bösen Geschichten über das Seegebiet hier und habe keine ruhige Minute mehr. Auch die Küche bleibt kalt. Bei 5 m – Wellen stell ich mich nicht nach unten und koch was Nettes. Ne, Ne!  Käm sowieso wahrscheinlich bei mir wieder hoch. Und so gehe ich um 7.30 Uhr in meine Freiwache und versuche zu schlafen. Von unten hören und fühlen sich die Wellen noch viel Schlimmer an und an Schlaf ist nicht zu denken. Ständig werde ich hin und her geworfen und genervt stehe ich gegen 23.00 Uhr todmüde wieder auf und schicke Frank in die Koje. Er hat mehr Glück, die Wellen beruhigen sich und er fällt in einen Tiefschlaf. Ich hingegen schlafe mit dem Kopf auf dem Salontisch im ½-Stunden-Rhythmus. Alle 30 Minuten jagt mein Handywecker mich hoch und ich werfe oben einen Blick in die Runde, ob ja auch kein Tanker nicht den Sicherheitsabstand hält.  Um 3.30 Uhr darf ich wieder schlafen gehen und endlich kann ich auch einschlafen. Für genau 1 ¾ Stunden *knatsch* – dann nämlich wecken mich wieder Wellen. Diesmal Schiffschaukelwellen. Der Wind ist eingeschlafen und die 2wishes eiert von rechts nach links und wieder zurück. Ich bin völlig genervt und übermüdet. Von meiner Euphorie der ersten 2 ½ Tage ist nichts mehr vorhanden. Um 6.30 schicke ich Frank wieder ins Bett, lasse das Frühstück erst mal ausfallen und koche nur einen Tee. Der ist schneller wieder draußen, als ich ihn trinken konnte. Prima, hatten wir auf der Fahrt ja noch nicht. Aber die Laune steigt, in den nächsten 3 Stunden sehe ich die kolumbianische Küste immer näher kommen

Ach ja,  einen Fisch haben wir natürlich wieder mal nicht gefangen. Keine Ahnung, wie andere das machen – wir geben es erstmal auf (für die nächsten 3 Monate 😉  )

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Ein Kommentar zu Segeln vom Feinsten

  1. Hasentochter sagt:

    So, als erstes werde ich jetzt gleich mal googlen, wo sich die anderen 4 gefährlichsten Segelgebiete der Welt befinden – Frechheit, diese Nicht-Weitergabe von Informationen, nächstes mal bin ich vorbereitet 😉

    Umso erfreuter bin ich, dass ihr einigermaßen glimpflich angekommen seit und dabei auch noch Delphin-Begleitung genießen durftet!

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