Tour zum Pozo Azul Wasserfall

Da wir gestern ja so unschön ausgebremst wurden, wollen wir eben heute die kleine Tour zum Wasserfall laufen. Eine der bekanntesten und kürzesten Strecken, die man hier wandern kann. Laut Information aus dem Netz oder von den Gebietstafeln unten in Minca ist die Wanderung ohne Probleme auch ohne Führer machbar, da man sich nicht verlaufen könnte. Angekündigte Dauer 45 Minuten, aber wie uns die gestrige Erfahrung gelehrt hat, brauchen wir wahrscheinlich mindestens 1 1/4.  Man könnte sich aber auch von den zahlreichen Motorradtaxis als Sozios hinfahren lassen, macht vielleicht auch Spaß, aber so alt sind wir noch nicht.

Bei Frühstück treffen wir unsere Zimmernachbarn, ein junges deutsche Paar, das genau die Tour am gestrigen Tag gemacht hat und so hören wir ihrem Bericht gespannt zu. Man wäre direkt von unserer Finca zu den Wasserfällen gelaufen und hätte auf dem Rückweg erst festgestellt, dass die Tour von Minca aus viel viel leichter, einfacher und vor allen Dingen kürzer gewesen wäre. Auf ihrer anstrengenden Tour wären sie am Ende sogar auf eine Hängebrücke aus Bambus gestoßen, die schwierig zu erklimmen und zu überqueren gewesen wäre. Und runter zu kommen, wäre fast unmöglich gewesen. Okay, gute Informationen, unsere Seglerbeine sind nix gewöhnt, wir wollen auf jeden Fall die einfachere Tour von Minca aus machen. Also erstmal wieder 45 Minuten runter ins Tal.

Nach 40 Minuten kommen wir zur Abzweigung, rechts erreicht man nach 5 Minuten Minca, nach links weist ein Schild zum Pozo Azul Wasserfall. Ich freu mich, brauchen wir doch nicht erst nach Minca rein. Frank bezweifelt den Weg, behauptet, wir müßten erst in Minca über die Brücke. Ich habe den Plan anders in Erinnerung, wir diskutieren, ich male den Plan

Der linke Weg geht zur Finca San Rafael, der Rechte zum Wasserfall

aus dem Kopf sogar noch in den Lehmboden, Frank gibt sich geschlagen und so laufen wir nach links. (Ab hier läuft die Zeit – wie gesagt, in 45-60 Minuten sollten wir da sein) Der 1. Teil des Weges ist langweilig, zwar nicht asphaltiert, aber breit, Lehmboden mit kleinen Steinen versetzt. Ein junges Paar überholt uns, steht aber ein paar Minuten später mit uns zusammen an einer Abzweigung ohne Hinweisschild zum Pozo Azul. Großes Fragezeichen bei uns Vieren. Beide bemühen wir Googlemap bzw. map.me – ergebnislos. Ein vorbeischlendernder Einheimischer ist da hilfreicher, rechts müssen wir runter – da hört man ja schließlich auch das Wasser rauschen. (Das andere Paar übrigens ist mindestens 1000 Jahre jünger, sie sind schneller aus unserem Blickfeld verschwunden als wir losgehen können und wir sehen sie auch n i e  wieder 😉  ). Aber jetzt wird der Weg interessanter, enger und unebener. Es geht über Stock, Stein und Wurzeln. So liebe ich Wanderwege.  Nach 30 Minuten eine erneute Gabelung.  Eine ganz leise Stimme in meinem Kopf fragt nach: Wie war das? Man braucht keinen Führer, man kann sich nicht verlaufen? Ich bin zu sehr mit schnaufen und schwitzen beschäftigt, um mich mit dieser „Stimme“ zu beschäftigen und da naht ja auch schon wieder ein Einheimischer. Si, si – Pozo Azul – dalang! 1 Stunde später, wir müßten ja schon längst da sein, hören wir nicht mal mehr das Wasser rauschen.  Die Stimme in meinem Kopf fragt, warum wir hier sooooo alleine sind bzw. wo sind all die Backpackertouris hier auf einer der beliebtesten Strecken? Ein paar davon müßten uns doch ständig überholen! Und immer geht es weiter bergauf. Frank wird unruhig und meint, also, wenn das jetzt demnächst runter geht (schließlich müßte man auf dem Rückweg ja wieder rauf), da hätte er dann keine Lust mehr zu und dann sollten wir besser umdrehen. Diese Maps.me taugt überhaut nix hier, wir sind mitten im Nirgendwo. Selbst der blaue Pfeil zeigt orientierungslos mal dort hin, mal da hin. Aber Gott sei Dank treffen wir immer wieder mal einen Einheimischen und egal, ob Abzweigung oder nicht, Frank fragt j e d e n Vorbeikommenden oder Wohnenden.     Und jedesmal hören wir weiterhin: Si, si- Pozo Azul! Wir können also unmöglich verkehrt sein. Also weiter! Nach 2 Stunden krabbel ich auf allen Vieren auf einen Schulhof (war ´ne Abkürzung, Frank hat ihn aufrecht erklommen) – wie witzig, mitten in der Pampas auf´m Berg eine Schule. Der Unterricht ist lautstark und nicht zu überhören, auf dem provisorischen Schulhof davor spielen ein paar Jungs Fußball und gucken uns erstaunt an. Aber tatsächlich, hinter dem Schulhof steht ein Richtungsschild zum Wasserfall. Wir müssen richtig sein, aber jetzt  geht es bergab. Über Stufen und Geröll. Ich bin noch nicht völlig ausgepauert und so hat Frank keine Chance umzudrehen 😉 .  Und wieder ist da eine leise Stimme in meinem Kopf, die fragt, wie zum Kuckuck denn hier ein Motorradtaxi lang fahren kann. Ich ignoriere, kann es eh nicht mehr ändern, stampfe weiter runter, denke aber mit Grauen daran, dass ich auch wieder rauf muss. Aber noch ist „runter“ eine Wohltat und so stehen wir kurze Zeit später….  genau

Da ist sie, die Hängebrücke aus Bambus, die hier auf dem vermeintlich „einfachen“ Weg so gar nix zu suchen hat 😉 . Jetzt ist also endgültig klar, ich bin schuld und Frank hatte doch recht an der 1. Diskussions-Abzweigung.  Wir haben den schwierigeren Weg erwischt. Der Jack Sparrow (Insider WhatsApp-Begriff – nicht von mir erfunden, ja) für Arme wird muffiger, solchen Hängebrücken-Gebilden steht er mißtrauisch gegenüber. Sein Blick richtet sich gen Rückweg, Schei… was auf den Wasserfall 😉 . Aber ich bin schneller, ruckzuck bin ich auf der Hängebrücke. Wieso schwierig drauf zu kommen? Auf allen Vieren rauf, drüber (2-beinig)und auf der anderen Seite runter hangeln. Nix dabei! Diese Jugend von heute! Dahinter gabelt sich der Weg mal wieder, rechts geht es zum Wasser ohne Überquerungsmöglichkeit, links geht es – keine Ahnung wohin. Kein Schild, kein Einheimischer in Sicht. Ich gebe nach und wir treten den Rückweg an. Kaum ist Frank zurück über die Brücke, tauchen 2 hübsche junge Kolumbianerinnen auf, die er natürlich s o f o r t  wieder anquatscht. Sie weisen ihn zurück über die Brücke mit den uns schon bekannten Worten, si, si usw. Er will es nicht glauben, so texten sie ihn auf spanisch zu und sein Gesichtsausdruck wird immer hilfloser. Inzwischen habe auch ich die Hängebrücke ein zweites Mal erfolgreich überquert und lasse mir nochmal den Weg zum Wasserfall erklären bzw. zeigen. Und die Mädels zeigen über die Brücke und dann links. Sicherheitshalber frage ich auch nach Minca und siehe da, auch hier zeigen sie über die Brücke, dann links und dann aber rechts. Alle Wege führen nach Rom? Wir diskutieren erneuert und in Anbetracht der Tatsache, dass wir das letzte Stück jetzt wieder hochkrabbeln müßten, entscheiden wir uns doch für einen weiteren letzten Versuch Richtung Pozo Azul. So geht es zum 3. über die Hängebrücke, nach Frank Aussage inzwischen für ihn kinderleicht 😉 und nach 5 Minuten erreichen wir quasi so etwas wie eine Hauptstraße. MIT SCHILDERN!!! Links geht es zum Wasserfall (in angeblich 10 Minuten), rechts nach Minca.

Und da sind sie alle, diese Backpacker-Luschen! Lassen sie bequem auf Motorradtaxis hin und her an uns vorbei kutschieren. Unglaublich, diese Weicheier!  Eigentlich haben wir gar keine Lust mehr auf Wasserfall, der Weg ist schließlich das Ziel, aber wenn wir schon mal….   und so laufen wir , natürlich nicht 10 sondern 20 Minuten, weiter Richtung Wasserfall. Da sitzen sie alle, die Backpacker und plantschen mit nacktem Oberkörper im eiskalten Wasser, während vorne auf dem Parkplatz ihr Motorraddriver wartet. Wir halten uns raus, möchten nur noch zurück nach Minca und statt lauwarmes Wasser ein großes kühles Bier trinken. Der Rückweg dauert tatsächlich nur so an die 45 Minuten und ist nicht nur furchtbar langweilig, weil fast nur gerade Wege, nein ständig muss man auch an die Seite springen, weil eines dieser Motorräder vorbei donnert. Grausig!

Nach insgesamt 5 Stunden erreichen wir Minca und

Das erfrischene lang ersehnte kühle Bierchen. Man siehe das Größenverhaltnis, meins ist natürlich das mit dem …chen am Ende 😉

Zitat Frank Wunsch: Es war ein Glücksfall, dass du dich geirrt hast und wir Gott sei Dank dadurch den schöneren, anstrengenderen, fazinierenden und interessanter Weg genommen haben. Und dem kann ich mich nur anschließen! Glück gehabt!

Um zu unserem gebuchten Zimmer in der Finca San Rafael zu kommen, müßten wir jetzt wieder 1 Stunde bergauf… äh!?! NEIN, wir entscheiden uns für ein Colectivo, dass uns auf 4-Rädern zurück nach Santa Marta bringt, wo wir eine ruhige warme geräuschlose Nacht in unserem eigenen Bett verbringen 🙂

P.S.  –  Der Text ist zu lang?  Sorry, mitgehangen, mitgefangen!!! Hätten wir den einfachen kurzen Weg erwischt, nun, dann wäre auch dieser Beitrag erheblich kürzer, quasi in 5 Sätzen erledigt gewesen 😉

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Ein Kommentar zu Tour zum Pozo Azul Wasserfall

  1. Christian Wiese sagt:

    Wirklich sehr laaaaaaanger Text, aber dafür lesenwert. Du könntest es natürlich wie z.B. die Süddeutsche handhaben. Die machen ne Zusammenfassung vorab. Da kann jeder Lesefaule prüfen, ob er Bock hat, den ganzen laaaaaangen Text zu lesen. Bei mir isses wie mit dem reden … ich lese auch gerne.

    Gruß an den Jack Sparrow für Arme, der allerdings auch für Miri der Grummel bleiben wird 🙂

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