(Kletschnasses) Minca

Minca ist ein kleines Bergdorf, liegt in 600 m Höhe in der Sierra Nevada, ein guter Ausgangspunkt für Wanderungen und hat sich in den letzten Jahren zu einem beliebten Reiseziel entwickelt. Rucksacktouristen erholen sich hier von der tropischen Hitze im Tiefland.

So in etwa steht es in meinem Reiseführer, wobei ich den letzten Satz wohl nie richtig wahrgenommen habe. Wie es immer so ist, wenn wir eine Reise tun, der Chef ist nervös! Und so schmeißt er mich auch schon um 8.00 Uhr morgens :mrgreen: aus der Koje, es gibt ein Ruckzuck-Frühstück und bereits um 10.00 Uhr stehen wir in der Nähe des Marktplatzes, von wo aus die Colectivos (kleine Busse oder Minitaxis) für 8000 Pesos (ca. 2,50) einen in 45 Minuten nach Minca bringen. Kurz vor 11.00 sind wir also bereits in Minca, unsere Finca San Rafael kann aber erst ab 13.00 Uhr bezogen werden. Nun denn, haben wir eben viel viel Zeit, die 2 Straßen von Minca auf und ab zu gehen. Und hier sind sie alle!!! All die, die ich in Santa Marta vermisst habe. Europäische und amerikanische (Backpacker-)Touristen. Ich muss sagen, unsere Anwesenheit erhöht den Altersdurchschnitt drastisch 😉 . Gefällt mir Minca? Mmhhmm! Nein, nicht wirklich. Viel zu touristisch! Jedes Haus ist entweder ein Hostel, ein Restaurant, eine Bar oder ein Tourenanbieter. Dazwischen höchstens mal 1 Minimarkt zwecks Selbstversorgung. Wir haben noch Zeit, also lassen wir uns in einer der vielen kleinen Restaurant nieder. Ein Blick in die Speisekarte sagt mir, ich habe Hunger (schließlich gab es nur ein Magerfrühstück) und wer weiß, was es oben auf dem Berg in unserer Finca so zu essen gibt. Unmöglich, dieses Riesenteil alleine zu schaffen. Frank weigert sich erstmal, mir dabei zu helfen, aber er kommt aus der Nummer nicht raus, denn obwohl er 3 x nein sagt zur freundlichen netten Bedienung,  bekommt er einen leeren Teller hingestellt und muss nun doch mit ran. Ein Glücksfall, wie sich später herausstellen wird 😉 .

Gegen 1.30 Uhr machen wir uns auf zur Finca. Angeblich in 30 Minuten zu erreichen. Nun, vielleicht für dieses ganze Jungvolk um uns herum, wir dagegen sind Seglerschlappis und so geht es für uns 60 Minuten lang bergauf

Freilaufende glückliche Kühe 😉 , so nah bin ich seit meiner Jugend nicht mehr an diesen gefährlichen Tieren vorbei gegangen

Santa Marta von oben

Wir erreichen die Finca und die Wirtin muss unseret wegen extra aus ihren Privatgemächern geholt werden. Vielleicht ist das der Grund ihrer Muffigkeit, kein Lächeln, kein freundliches spanisches Wort – wir müssen ein Anmeldeformular ausfüllen und dann zeigt sie uns das Zimmer. Das war´s! Bitte nicht weiter stören, ja!

Wir sind noch nicht fertig damit, unsere Rucksäcke teilweise zu leeren, da fängt es an zu… nein, nur von Regen kann man nicht sprechen. Es schüttet aus Kübel, dazu blitzt und donnert es, das Gewitter ist genau über uns.

Nun, noch denken wir, es hört bestimmt gleich wieder auf, so ein Gewitter dauert ja bekanntlich nicht ewig. Die Wege sind dann zwar matschig, aber da müssen wir durch. Das Gewitter spielt aber nicht mit, entweder hat es keine Lust zu gehen oder es weiß einfach nicht wohin :mrgreen: – Lange Rede, kurzer Sinn: wir sitzen fest! Bis 21.00 Uhr Abends schüttet es weiter. Der Kühlschrank der Finca ist getränkemäßig mager besetzt, es gibt kein WLan und auch keinen Strom im Zimmer. Unsere Kindl haben wir nicht mit im Gepäck, schließlich sind wir nicht zum Lesen hier raufgelaufen. Kurz vor 18.00 Uhr sehe ich die Köchin den Berg runter laufen, scheinbar hat sie Feierabend!?! Am nächsten Morgen finden wir von uns aus alleine auf dem Tisch, der wohl als Rezeption dient, einen laminierten englischen Text mit Hinweisen z.B. zu Touren oder auch, dass man vorzeitig Bescheid geben muss, wenn man „Dinner“ haben möchte. Hat man uns aber leider nicht ausgehändigt, die muffige Wirtin war wohl nicht in Stimmung dazu!

So, wir haben also keinen Strom, kein Licht, kein WLan, nix zu lesen, nix zu trinken, nix zu essen  und zum 1 x nach 3 Jahren ist mir kalt. Aber wir wissen jetzt, was nächstes Mal ins Gepäck muss. Notfall-Kekse, Taschenlampe, noch nicht gesehenen Spielfilm auf dem Tablet und den Kindl. Wir sind nur froh über das dicke Sandwich, welches wir zusammen mittags verspeist haben. So werde ich erst nachts mal kurz wach mit dem Gedanken, ich könnte mal was essen 😉 .

Da uns beiden kalt ist, liegen wir im 19.00 Uhr im Bett und unsere Zimmernachbarn sind zurück aus dem Ort. Mußten sich bei dem Sauwetter den Berg rauf und sind natürlich pleddernass! Das Haus ist null isoliert, oben trampelt quasi eine Rinderherde über uns auf dem Holzboden rum, nebenan wohnt ein deutsches junges Paar (das es keinen Strom hier gibt, wäre normal – zwischendurch würde aber mal kurz das Licht angehen, ja toll).  Besagtes deutschen junges Paar nämlich hat scheinbar auch keine Kindle im Gepäck, aber dafür ein echtes Buch und eine Taschenlampe. Erst denke ich, merkwürdige Unterhaltung, so lange kann ein einzelner Mensch doch keinen Monolog sprechen. Nein, die unterhalten sich gar nicht, die sitzen zusammen auf dem Bett und lesen sich abwechselnd mittels Taschenlampe vor. Ich habe den Knopf im Ohr, höre ein Hörbuch und bin nur genervt über dieses Hintergrundgeräusch, aber Frank bekommt alles mit. Nun, leider doch nicht alles, nur jedes 3. Wort (scheint ein Gerichtskrimi zu sein) und er möchte am liebsten rüber rufen, sie möchten bitte lauter lesen, damit er richtig mithören kann 😉

Ich fange an zu zweifeln, ob diese einfachen Absteigen noch auf unserem Lebensniveau liegen und nehme mir vor, nie wieder Einsamkeit und vor allen Dingen eine Klasse höher zu buchen. Aber wahrscheinlich ist es nur dieser blöde Dauerregen gewesen, der mich zu runter gezogen hat, denn am nächsten Morgen sieht die Welt schon wieder viel viel schöner aus:

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