Tayrona Nationalpark

Kurzfassung gemäß Ratschlag von Christian Wiese:  Eine wunderbarer, aber furchtbar anstrengener Tag mit einer 7 1/2 stündigen Wanderung durch einen Nationalpark, einer herrlichen Mischung aus Urwald und traumhaften Stränden, die jedoch anders endet als geplant. Wer mehr wissen will, muss eben lesen oder kann sich auch nur die schönen Bilder anschauen 😉

Der Park öffnet um 8.00 Uhr morgens, wir jedoch haben uns beim Frühstück mit einem netten jungen holländischen Paar verplaudert und sind erst um 8.30 Uhr am Ticketschalter. Mist, die Schlage vor uns ist bereits lang, lang, lang (und wird hinter uns immer länger) und so brauchen wir eine 3/4 Stunde, bis wir endlich unser Ticket kaufen können. Hierzu braucht man übrigens seinen Pass und manchmal wird auch der Nachweis einer Gelbfieberimpfung verlangt, so dass wir auch unsere Impfausweise dabei haben. Man darf angeblich keine Plastiktüten, Glasflaschen und Alkohol mit in den Park nehmen, kontrolliert hat das aber niemand.

Ganz rechts liegt der Eingang El Zairo, wir wollen bis El Cabo, dann rauf nach Pueblito und bei Calabazo den Ausgang  nehmen

Die ersten 4 Kilometer bis zum letztmöglichen Parkplatz kann man auch laufen, dies ersparen wir uns natürlich genauso wie fast alle anderen auch und lassen uns von einem Collectivo (Van) für 3000 Pesos (95 cent)  bis zum offiziellen Parkeingang bringen. So ist es schließlich 9.30 Uhr und ab jetzt läuft die Zeit 😉

Gleich am Anfang steht ein Schild mit dem hier übersetzten Spruch

„Dieser Park gehört allen Kolumbianern.

Allen die bereits verstorben sind und all denen die am Leben sind.

Die meisten sind noch nicht geboren worden.“

Angeblich werden täglich nur 1700 Personen in den Park gelassen, vielleicht kann ich ja nicht richtig schätzen, aber das waren bestimmt die doppelte oder dreifache Anzahl an Menschen, die wir gesichtet haben. Viele Backpacker, aber auch viele Einheimische, die für einen Strandbesuch eine Wanderung von 2-3 Stunden in Kauf genommen haben. Äh… nur für den Hinweg, auch zurück läuft man 2-3 Stunden!!!  Wir aber wollen ja nicht zurück, wir wollen abseits der Touripfade rauf nach Pueblito, einer Ruinenstadt der Indianer im Tayrona, und vor dort aus einen anderen Ausgang nehmen. Dieser Weg soll anspruchsvoller sein und daher verirren sich nur wenige Touristen dort hin. Ja, ja.. wir sind auch Touris, aber deshalb muss man viele andere Touris doch nicht um einen herum mögen, oder 😉 . Aber zuerst müssen wir uns für 3 Stunden in den Treck der anderen Besucher einreihen, denn der Weg nach Pueblito führt erst am Ende der meist belaufenen Strecke, am Strand von Cabo San Juan weiter nach oben.  Und außerdem haben wir Angst, dass es sich bei den ersten ausgelatschten vollen Strecken um uninteressante langweilige platte Wege handelt.

Hier irren wir zum 1. mal – Die Wege sind nämlich gar nicht breit und langweilig, sondern herrlich abwechslungsreich. Mal läuft man über Holzstege, mal Holztreppen bergauf und bergab, über Holzbrücken oder auch ganz natürlich über Lehmboden, durch und über riesige Steine sowie freilaufenden Wurzeln. Und während wir mit Treckingsandalen und sogar Treckingstiefeln ausgerüstet sind, haben viele Überholer nur FlipFlops an den Füßen – schließlich machen sie ja einen Strandbesuch 😉 . Bis zum 1. Strand Arrecifes ist man mindestens 1 Stunde unterwegs. Und was haben wir kürzlich gelernt? Wenn andere 1 Stunde brauchen, dann brauchen wir…. nun, wir bzw. ich muss mein eigenes ruhiges Tempo laufen und so werden wir auf den engen Wegen auch ständig von voll motivierten jungen (und auch älteren) Menschen überholt bzw. lassen wir sie wartend und platzmachend vorbei.

Unterwegs verkaufen „echte“ Indios frisch gepreßten Orangensaft oder Kokusnüsse. Ich weiß nicht, ob sie immer in weißen Leinensäcken rumlaufen oder ob das eine Touristenmasche ist. Aber der Saft war gut 🙂 .

Ab Arrecife hat man dann auch immer wieder einen traumhaften Blick aufs Meer. Aber Vorsicht – Rote Flaggen und Schilder verbieten hier das Baden. Über 100 Menschen sollen hier bereits ertrunken sein, da sie die Strömung unterschätzen.

Der Treck zieht also weiter und trotz der vielen Menschen können wir tatsächlich eine Menge Affen beobachten. Diese sind etwas größer als die, die gestern an unserem Blockhaus vorbeigezogen sind und daher besser zu fotografieren. Mico Titi oder auch saguinus oedipus oder auf deutsch „Lisztaffe“ werden sie genannt.  So viele Namen für eine einzelne Affenart 😉 und es gibt sie auch nur hier im nordwestlichen Kolumbien an der Karibikküste.

Am Strand La Piscina machen wir eine kurze Pause und ich nehme ein Bad im Meer. Eigentlich will ich nur den Sand/Dreck zwischen meinen Zehen loswerden, es reibt nämlich, weil Sandalen, ob Trecking oder nicht, manchmal doch nicht so gut sind. Dann geht es weiter und nach 3 Stunden erreichen wir das Endziel der meisten Besucher, Cabo San Juan 

 

wir gönnen uns eine weitere kleine Pause und beobachten das Treiben der vielen Backpacker, die hier auch in dieser Reihen-Zelt-Siedlung übernachten und somit noch nicht über den anstrengenden Rückweg nachdenken.

Oder auch ganz schlicht für Hardcore-Übernachter – die Hängemattenalternative 🙂 natürlich auch mit Reihenhausfeeling

Wir fragen einen der Guides hier nach dem Weg nach Pueblito, aber alle schütteln den Kopf. No, No – too late – das schafft ihr nicht mehr, schließlich schließt der Park um 17.00 Uhr. Wir können ihnen nicht verständlich machen, dass wir ja dann auch einen anderen Ausgang nehmen würden und es somit doch zu schaffen wäre. Habe ich schließlich so im Netz gelesen und was in Netz steht…. Wir, nein Korrektur, ICH kann stur sein – ich will abseits des Trecks nach Pueblito, basta! Da spricht uns eine Frau in englisch an und meinte, sie wären gerade diese Strecke hier her gelaufen in 2 Stunden rauf, 2 Stunden runter und zeigt uns den Weganfang. Puh, das wird knapp – wir haben nur noch 4 Stunden, bis der Park schließt. Jetzt aber los!!! Am Weganfang steht ein Schild – bis Pueblito 1 1/2 Stunden – na also, da geht doch was 🙂 und los geht´s.

Hier irren wir (oder sollte ich besser „ich“ sagen) zum 2. mal!!!! Es ist 1.00 Uhr mittags, die Sonne knallt, wir stehen unter Zeitdruck und können so unser normales langsames Tempo nicht halten. Nicht nur, das Franks Kreislauf schwächelt, nein, wir müssen feststellen, dass der Weg nun wirklich sehr sehr schwer wird. Durch einen Steintunnel zu kriechen, geht ja noch,

aber plötzlich liegen dermaßen große Felsbrocken auf dem Weg, die zu erklimmen sind, dass wir nur mit Hilfe von uns entgegenkommenden jungen Leuten dort rauf kommen, die uns hochziehen. Und Frank braucht immer mehr Pausen, wird immer langsamer und… Abbruch!!! Wir entscheiden uns, zurück zu gehen. Aber auch das ist nun nicht mal eben zu machen. Wir sind schließlich schon eine 3/4 Stunde unterwegs Richtung Pueblito, inzwischen ist es kurz vor 14 Uhr. Wir müssen also auch erst mal wieder eine 3/4 Stunde zurück nach Cabo San Juan und dann mindestens 2 1/2 Stunden zum Ausgang El Zairo. Eine Übernachtung im Zelt kostet inzwischen 40.000 Peso + ein weiteres Tagesticket von 45.000 Pesos pro Person – so viel Geld haben wir gar nicht dabei, wir müssen also raus. Und zwar hurtig und nicht in unserem bequemen Tempo. Und so reihen wir uns kurze Zeit später wieder in den Rückweg-Treck ein. Dieser sieht echt witzig aus, aber zum Lachen habe ich gerade gar keine Zeit. Ich schnaufe und passe mich dabei Franks langsamen schlürfenden Schritt an. Und wieder werden wir überholt. Ständig und stetig :mrgreen: – Sollten wir es schaffen, so werden wir die Letzten sein 😉 .  Die Indios sind des Apfelsinnenauspressens müde, haben Feierabend gemacht und lungern erschöpft daneben. Schade, unser Wasservorrat geht zur Neige.  Der auf dem Hinweg so interessante abwechslungsreiche Weg ist uns inzwischen egal, auch die Affen interessieren uns nicht weiter, wo kommen bloß die ganzen Treppen her, die wir jetzt rauf müssen? Die waren doch heute Vormittag noch nicht da! Ständig denken wir, nach der nächsten Kurve müßte doch endlich der Parkplatz auftauchen, aber nein, noch eine Treppe bergauf etc. etc.

Um 16.50 Uhr  ist es dann soweit – wir haben es geschafft! Völlig fertig steigen wir kurze Zeit später in einen Van, der uns zum Parkausgang bringt. Dort laufe ich junger (gesunder 😉  )Hüpfer vor und bestelle ganz schnell ein kühles Getränk (unsere letzte Wasserflasche ist schon länger alle), während Frank langsam angeschlürft kommt. Man, ist der fertig!!!! Der Bus nach Santa Marta wartet bereits, wir haben Glück und bekommen sogar noch einen Sitzplatz (andernfalls wären wir wohl auch nicht eingestiegen). Aufgrund der Rushhour dauert die Rückfahrt länger und so sind wir erst kurz vor 19.00 Uhr zurück, ein Taxi bringt uns vom Public Markt zur Marina, wir laufen heute keinen Schritt mehr, außer zur Dusche!

Fazit:  Es war ein wunderbarer Tag, der Tayrona Nationalpark ist ein absolutes MUSS, auch op der vielen Menschen, aber wir haben uns diesmal echt überschätzt, sind wir doch keine 40 mehr. Und morgen machen wir mal nix, so absolut gar nix 😉 Haben fertig!!!!

 

 

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Ein Kommentar zu Tayrona Nationalpark

  1. Hasentochter sagt:

    Also, ich bin absoluter Fan dieser langen, mega interessanten Blogbeiträge!

    Aber ihr seid auch echt zum Schießen – da bewegt ihr euch üblicherweise nicht mal die täglich empfohlenen 8km und dann startet ihr einfach mal so zu ner Marathon-Wanderung – Hauptsache abseits der Touriwege 😂

    Schön, dass ihr das wieder raus gekommen seit! Freut euch schon mal auf die Schmerzen im ganzen Körper 😉

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