Jungle-Trip

Los geht´s ab Leticia, ein Stück den Amazonas runter und dann rechts rein in den Rio Yavary mit einem kurzen Stop in der brasilianischen Stadt Benjamin Constant und weiter bis nach Sacambu

Unser Luxusboot für die nächsten 2 Tage

Wir finden unser Boot geil, so wollten wir das und nicht eines der Schnellboote, wo man hintereinander mit Schwimmwesten sitzt und über den Amazonas bzw. den Rio flitzt, wie es die Tagesausflüger tun müssen aus Zeitgründen. Franks Befürchtung, dass es sogleich in den Rio Yavary geht, ohne das man das Fahren auf dem Amazonas ausreichend genießen kann, stellt sich als unbegründet dar. Leider haben wir mal wieder Pech mit dem Wetter. Kaum buchen wir einen Ausflug, zack… der Himmel ist bedeckt – von Sonne keine Spur *traurig guck*

Diese braune Brühe um uns herum ist das Amazonaswasser – nicht besonders einladend, oder?

  1. Stop ist die brasiliansche Stadt Benjamin Constant. Für 30 Minuten! Warum? Hatten wir das so gebucht? Der Grund erschließt sich uns und unseren 2 jungen spanischen Mitreisenden nicht so richtig.

Unser Guide und unser Bootsfahrer Daniel machen in der Zwischenzeit Frühstückspause, nun… vielleicht war das ja der Grund unseres Aussetzens 😉

Egal, mir paßt es ganz gut, habe ich aber eigentlich keine Augen für die Atmosphäre des Ortes, der Marktstände oder der Fischhalle…. ich brauche mal wieder eine Klo! Mano! Alte Frauen, ich sach dir! Nach 20 Minuten werde ich fündig. Direkt am Markt, ich blicke noch mißtrauisch durch die Tür, als mir ein alter Mann zu verstehen gibt… Si, si usw. – na dann. Oh je, 2 Kabinen, keine TÜR! Hardcore-Pinkeln also! Natürlich keine Spülung, sondern großen Wasserbehälter im Eingangsbereich zum Schöpfen. Ich hab noch nicht ganz die Hose auf, da schaut schon der 1. junge Mann um die Ecke. Egal, ich muss jetzt :mrgreen: Anschließend kann ich den Ort dann auch für die restlichen 5 Minuten genießen:

Ich frage mich, wie die diese ganzen Motorräder hier hin bekommen, denn auch Benjamin Constant ist nur per Schnellboot von Manau aus in 31 Stunden oder 7 Tage in langsamen Booten zu erreichen.

Phiranas und andere Leckereien

30 Minuten später ist die Frühstückspause beendet und wir dürfen wieder einsteigen 😉

Weiter gehts – den Rio Yavary rauf – links gleich wieder ein Ort, diesmal ein Peruanischer! Wir müssen aber nicht aussteigen 🙂 und für die nächsten 3 Stunden sieht die Gegend so aus:

Das ist die 1. Stunde wunderschön, anschließend *gähn* uns allen fallen die Augen zu und ich heimlich wünsch ich mich auf ein Schnellboot 😉 . Wir 4 werden jedoch immer wieder aus dem Schlaf hochgeschreckt, weil das Boot stoppt. Wir lernen, wenn Boot stoppt, dann Delphine in der Nähe und den Blick nach dem Handzeichen des Guides richten. Rosa Delphine sind versprochen worden (die leben tatsächlich hier im Amazonas) ich persönlich sehe einmal einen rosa Rücken, die andern Rücken sind alle grau, grau, grau. Und sie tummeln sich auch immer in sicherer Entfernung zu unserem Böötchen, haben keine Lust auf Touris. Die spanischen Jungs sind begeistert, nun wir auch, aber wir sind ja inzwischen daran gewöhnt, dass Delphine mit unserem Schiff spielen und wir sie quasi handnah erleben dürfen. Furchtbar, wenn man schon so verwöhnt ist *grummel*.

Gegen 13.00 Uhr erreichen wir unsere Übernachtungsmöglichkeit für heute Nacht. Das ist…. jaaaaaaaaa …….. wie soll man sagen?

Unser Schlafkämmerchen – ohne eigenes Bad, ohne Lichtschalter. Den Lichtschalter hatte nur einer von 8 Zimmern und wenn der den betätigte, Hurra!!!! Dann hatten wir alle Licht!

Und nach oben offen sind die Kämmerchen auch, es gab also keine Decke, so wissen wir später auch, das mindestens einer unserer spanischen Jungs nett schnarcht und sich das französiche Pärchen nebenan noch lange schön unterhalten hat. Gott sei Dank n u r  unterhalten 😉

1 kleines Waschbecken mit Spiegel für 16 Zimmer – wenn das nicht rationell ist !

Und davon gab´s 4 Stück – haben gereicht, freiwillig hat sich hier niemand lange aufgehalten 😉

Was soll ich sagen…

1. flashpackergeeignet war das nicht und

2. nie wieder ohne meinen Alltours 🙂

Genau hingucken – der hauseigene Kaiman (mittig)

Der kurz nach der Ankunft servierte Lunch war jedoch sehr sehr gut, da kann man nicht meckern. Anschließend die Ansage – 1 Stunde Mittagsruhe , erst um 14.30 Uhr geht es weiter. Puuuuhhh! Wir haben uns doch den ganzen Morgen ausgeruht, wir wollen jetzt los, Regenwald gucken! Tja, aber das Wetter spielt eh nicht mit, inzwischen gießt es und so nutzen wir zwangsweise doch erstmal die witzigen Hängematten.

Pünktlich zur Regenwaldbesichtigung ist es aber dann wieder trocken und die Dschungelgeier (echte Schwarzkopfgeier) hocken mit ausgebreiteten Flügeln auf der Wiese und trocknen. Allein der Anblick entschädigt für vieles *lach*

Unser Guide Miquel mit der Machete vorne weg, wir hinterher:

Weit oben in den Gipfeln sehen wir zwischendurch auch mal Affen bzw. Äffchen. Hier wäre vielleicht ein Fernglas angebracht gewesen. Nach 2 Stunden sind wir zurück am Boot und es geht zum nächsten Highlight – Kaimane gucken! Wir steuern eine kleine Ausbuchtung an und machen unser Boot an einem Stock im Wasser fest. Der Stock ist bestimmt nicht umsonst im Wasser verankert worden, gleich kommen sie bestimmt, die Kaimane. Es ist 17.30 Uhr und Miquel meint, die Kaimane kommen erst nach Einbruch der Dunkelheit. Äh… nun, dunkel wird es erst um 18.00/18.15 Uhr – und so sitzen wir nun da. Während Miquel uns mit Geschichten von verschiedenen Indiostämmen unterhält, die noch immer einsam in weitentlegenden Amazonasgebieten leben, beobachten wir aufmerksam in freudiger Erwartung das Ufer. Da tut sich nix und unruhig frage ich nach, ob denn wirklich j e d e n  Abend die Kaimane kommen. Si, Si…. Immer! Die können nur im Dunkeln gut sehen und so ihr Futter Frösche, Fische, Vögel, fangen. Obwohl, Vögel gehen doch im Dunkeln schlafen, oder? 18.15 Uhr – es tut sich nix und wir lösen die Leine. Über eine Stunde fahren wir die Ufer ab, während Miquel mit seiner Taschenlampe versucht, die Kaimane zu erspähen. 2, 3 x gibt er wilde Zeichen an Daniel, der dann in ein Gebüsch braust. Ich denk noch, was denn, wollen wir Kaimane gucken oder überfahren? Und dann endlich, Miquel greift ????  ins Gebüsch (unverständlicherweise völlig angstfrei) und hat einen!!!!

Oh mein Gott, da hatte ich mir doch schon was Größeres vorgestellt 😉 Der kleine Kerl ist höchstens 25 cm lang und in Schockstarre verfallen. Darf aber 5 Minuten später nach ausgiebiger Bewunderung wieder zurück ins Gebüsch. Gut, das war jetzt ein bißchen enttäuschend, aber im Dunkeln in totaler Stille am Regenwald vorbei zu fahren, das hatte was 🙂

Wir gehen noch mal kurz an Land und suchen Spider (äh… im Dunkeln *schüttel*), als einzige Frau bin ich hocherfreut, dass wir keine finden 🙂 .

Um 8.00 Uhr gibt es Dinner, um 20.30 Uhr heißt es gute Nacht

Ups, habe mich mal wieder verplaudert, was 😉 – genug Text und genug Bilder für heute, dann geh ich jetzt besser auch mal in unser Kämmerchen

 

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2 Kommentare zu Jungle-Trip

  1. Hasentochter sagt:

    Hihi, also diese Tour hat mit Flashbackern wirklich nicht viel zu tun – das erinnert mich eher an meine härtesten Backpackertouren mit 4 € pro Übernachtung und ähnlichem Luxus. Weckt aber auf jeden Fall die Abenteuerlust in mir. Vielleicht sollte ich doch noch mal über eine Sabbatical-Auszeit nachdenken…

  2. Christian Wiese sagt:

    Hammer! Ich hab 1567 Wörter gezählt. Das ist Rekord und ich habe sie verschlungen und keine Zusammenfassung vermisst ;). Danke! Mir persönlich wäre angesichts dieser Geschichte allerdings auch eher nach flashpacking.

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