Tatacoa-Wüste

Mein Rucksackträger 😉 – auf geht´s in die Wüste bzw. erstmal zum Busterminal

Der Busterminal in Neiva ist natürlich entschieden kleiner als der in Bogota. Und hier stehen über den Schaltern der verschiedenen Firmen auch die Städte, die angefahren werden. Nur die Stadt, in die wir wollen,  nämlich Villavieja , steht nirgendwo. Aber hier sind die Menschen aufmerksamer, dumm rum stehende Touristen werden aufgesammelt, an die Hand genommen und dem richtigen Busfahrer übergeben 🙂 . Wir sind die Ersten in dem kleinen Collectivobus und müssen ein wenig warten, bis noch mehr Touris eingesammelt wurden und der kleine Bus voll ist.

Unglaublich – gut verpackt wartet auch er/sie auf den Weitertransport per Bus 🙂

Unterwegs machen wir noch einen Abstecher in die Tierfutterstraßenzüge, ein Sack Futter kommt oben aufs Dach. Zweiter Stop Blumenladen, ein großer Trauerkranz wird uns auch begleiten. Es ist noch recht früh, unser Fahrer hat scheinbar noch nicht gefrühstückt. Kein Problem hier, es gibt jede Menge Drive-Inn´s am Mittelstreifen. Dort stehen (meist im Bereich der Ampelanlagen) Kaffee-, Obst- und Wasserstände und sonstiges merkwürdiges Zeugs, was der Kolumbianer so zum Frühstück ißt. Bei roter Ampel einfach bestellen und nach 3 Kreuzungen ist das Frühstück komplett 🙂 .  Aber ich schweife mal wieder ab…. 😉 (Sorry, aber ich finde das alles so unheimlich spannend und auch lustig)

Villevieja ist eine hübsche kleine Wüstenstadt, deren Einwohner notdürftig von Ziegenherden oder heutzutage viel besser vom Tourismus leben. Als wir aus dem Bus aussteigen werden wir sofort von TukTukfahrern belagert, die uns eine Tour in die Wüste andrehen wollen. No, gracias! Wir müssen erstmal ins Hotel und unsere Rucksäcke loswerden. Nach dem sehr freundlichen Einchecken wollen wir im gegenüber liegenden Minimarkt unsere Wasservorräte auffrischen, schließlich geht es in die Wüste, da will man ja nicht verdursten 😉 . Vor dem Hotel lungeren 2 weitere TukTuk-Fahrer rum, die ich mit einem weiteren No, gracias abschmetter. Das geschieht ganz automatisch, weil man in Kolumbien mindestens 20-30 x am Tag „no, gracias“ zu allem Möglichen sagt. Und außerdem habe ich den Wassereinkauf im Kopf, mehr als 1 Ding paßt scheinbar eh nicht mehr rein in das altersschwache Teil. Aber nach dem Kauf von 2 Flaschen Wasser ist das Ding wieder frei und plötzlich fällt mir auf, dass mich der eine Fahrer doch in Englisch angesprochen hat !!!  Und hier fängt unser „Glück“ an: Ich vergewisser mich und Joe bestätigt, dass er ein wenig Englisch spricht (falsch, er spricht sogar sehr sehr gut Englisch, wie wir später feststellen). So kann in meinen Google-Translater in der Tasche lassen und schnell werden wir uns einig. Für 15.000 Pesos  (4,50 €) bringt er uns mit seinem TukTuk in die rote Wüste , zeigt uns den Anfang des markierten Weges und meint, er könnte uns ab 15.00 Uhr wieder abholen. Leider nicht eher, denn er hätte jetzt eine 3-4 – stündige Tour mit anderen Touris. Wir lehnen ab, wollen wir doch am Nachmittag noch in die graue Wüste. Die wäre zu weit weg, über 20 Km (Schlitzohr! Das ist falsch, es sind nur so 5-8 Km) und das sollten wir besser am nächsten Tag machen. Er könnte … usw. 😉 , aber auch das müssen wir ablehnen, denn am nächsten Tag sind wir schon wieder unterwegs zu neuen Zielen und irgendein anderer TukTukfahrer wird schon vorbei kommen und uns weiter transportieren. So winkt er uns traurig zu und wir beginnen unseren Spaziergang durch die rote Wüste.

Als ich meinen „lonley-planet“-Reiseführer für Kolumbien kaufte, fiel mein Blick als Erstes auf ein Bild der „roten Wüste“ und ich wußte sofort, da muss ich hin! Und wirklich, sie ist so traumhaft, wie ich sie mir vorgestellt habe.

Die Tatacoa ist keine richtige Wüste, obgleich es dort sehr heiß ist (bis zu 50°C). Die bizarre Landschaft aus ausgehöhlten Felswänden und Rinnen wurde vom selten fallenden Regen gestaltet. Eigentlich ist sie ein vertrocknetes Halbtrockengebiet mit nur wenig Regen im Jahr. An allen Seiten ist sie von Bergen umgeben, die den größten Teil des Regens abgekommen, so das die 330 km² der Tatacoa trocken bleiben. Das Ergebnis ist ein für Kolumbien einzigartiges Ökosystem mit Skorpionen und Wieseln (keine gesehen), Früchte tragenden Kakteen und mindestens 72 verschiedenen Vogelarten (gesehen zwei 😉 )

Nach einem gut 1-stündigen Spaziergang durch diese herrliche Landschaft sind wir am Ausgangspunkt zurück und genießen den Ausblick von oben in einem einfachen Lokal bei einem kühlen Bierchen (wenn ich gewußt hätte, das es in der Wüste Bier gibt, hätte ich mir den Wasserkauf sparen können – nein, Quatsch natürlich 😉 ). Ich sage gerade zu Frank, er möchte bitte in meinem Rücken Ausschau halten nach vorbeifahrenden TukTuk´s, die ich per Sprint anhalten könnte, da kommt er angefahren 🙂 – JOE! Sein Touri-Deal ist geplatzt und ganz Businessman erinnert er sich an die beiden Gringos, die er kürzlich in der Wüste ausgesetzt hat 🙂 . Er macht uns einen guten Preis, Weiterfahrt in die graue Wüste, Zwischenstop im roten Labyrinth, Führung und Erklärungen sowie Rückfahrt nach Villavieja. Für 11 Euro pro Person können und wollen wir da nicht nein sagen und so haben wir nach 3 weiteren Stunden eine Menge Formationen gesehen, die wir ohne ihn gar nicht richtig gedeutet hätten (Dort gibt es nämlich Leguane, Schildkröten und Geister alla „Casper“ – alle aus grauem Gestein 😉 ) Viel gelernt haben wir über die Geschichte dieser Wüste, über diverse Millionen von Jahre alten Gesteinsschichten, über Trocken- und über Überflutungszeiten( ganz ganz früher war nämlich hier mal das Meer, später dann nur noch eine Lagune mit mal mehr und mal weniger Wasser) Minerialen in den Steinen (die rote Wüste ist übrigens rot, weil sie viel Eisen enthält, die Graue dafür mehr Zink) und das z.B. die Früchte der Kakteen aussehen wie winzig kleine Paprikas und herrlich süss schmecken.

 

Und zuletzt noch das Highlight ???? der grauen Wüste 😯

Dieser Pool wird aus einer tiefen Quelle gespeist. Und tatsächlich, als wir dort waren, lümmelten sich 2 Kolumbianer dort auf Liegen rum. Für 8000 Pesos (2,80) darf man sich dort von der Wüste erholen 😉 – aber ob das das richtige Geschäftsmodell ist?

Eine lange Anreise, aber ein herrlicher Tag, den wir nicht missen möchten (selbst der Chef nicht 😉  )

(Wer vor hat, Villavieja zu besuchen und einen sehr gut englisch sprechenden Guide möchte,  El Joe (Moto Carro) ist unter der Telefon-Nr. 310 4030102 oder 316 6070321 zu erreichen. Die kleinen Hotels dort werden einem sicher mit einem Telefonat helfen)

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Ein Kommentar zu Tatacoa-Wüste

  1. Elke B. sagt:

    Was für ein toller Bericht und was für schöne Bilder – sehr beeindruckend. Und dazu noch Anne mit Hut (ich habe sie noch nie mit Hut gesehen). Wir wünschen Euch noch ganz viele traumhafte Eindrücke dort, wie schön, dass Ihr diese Ausflüge geplant habt.
    Und sollte ich einmal im Leben noch dorthin kommen, dann werden wir bestimmt den netten Fahrer anrufen (die Vorstellung finde ich lustig).

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