Wir hoppeln nach Popayan

Einen Bus nach Popayan zu finden war einfach. Unsere Finca hat ein Abkommen mit einem Busunternehmen und so holt uns der Bus direkt um 9.00 Uhr morgens an der Finca ab, was uns den mühsamen Weg in den Ort samt Rucksäcke erspart. Er macht noch einen kurzen Stop im Ort, lädt noch ein paar Leute ein (übrigens keine Franzosen :mrgreen:  ) und dann brettert er los. Und er brettert wirklich, asphaltierte Paßstraßen rauf und wieder runter, rechts rum, links rum, nur aufgehalten durch entgegenkommende Bagger oder K u h h e r d e n 🙂 . Ich freu mich, scheinen wir doch endlich mal pünktlich und vor allen Dingen zügig anzukommen. Dann biegt er ab….

Was folgt, ist eine Tortur über Lehm, Kies, Schotter, Schlaglöcher! Der Bus quält sich mit 20 km/h über die nicht mehr asphaltierte Straße. Erst denken wir, das ist bestimmt nur ein kleines unausgebautes Stück oder so! Aber nein, wir hüpfen in unseren Sitzen weiter auf und ab. Nix mit Entspannung für unsere malträtierten Knochen vom gestrigen Reitausflug. Mein holländischer Nachbar versucht im Kindle zu lesen. Eine Unmöglichkeit 😡 , er stellt die Schrift auf ganz groß, so dass nur so 5-6 Wörter im Display stehen. So geht´s einigermaßen und der ganze Bus lacht.

Nach 3 Stunden fange ich an zu verzweifeln. Wie immer vor einer Busfahrt habe ich zum Frühstück nur eine kleine kleine Tasse Kaffee getrunken und die hüpft in meiner Blase jetzt auch immer fleißig auf und ab und vor allen Dingen…. sie will raus 😡 – Ganz schlecht, wir sind auf einer Paßstraße – rechts Steilhang, links Abgrund! Ich kann den Busfahrer nicht mal bitten, kurz anzuhalten, es gibt kein Gebüsch, wohinter ich mich mal kurz hocken könnte. Also weiter Zähne zusammen beißen. Da hält der größere Bus vor uns, dem wir bereits seit Stunden folgen, mitten auf der Straße vor einer Kurve an und zwingt auch uns zu einem Stop. Die Tür geht auf und heraus kommen 1,2,3 alte Männer, stellen sich vor die Steilwand und …. richtig, pinkeln. OH MANN!  Pinkelpause mitten auf der Straße! Auch will! Auch aus unserem Bus machen sich 3-4 Männer auf, es denen gleich zu tun und stellen sich in Reih und Glied auf 😉 . Ich fass es nicht 😡 – neidvoll guck! Da plötzlich steigt eine junge Frau aus und sprintet die Straße hoch hinter unserm Bus. Was die kann, das kann ich schon lange und sprinte hinterher. Es muss ein Bild für die Götter gewesen sein, als wir beide hinter einer weiteren Kurve geschützt auf einem winzigen Seitenstreifen unsere Hose runter lassen 😉 und uns dabei glücklich und zufrieden anschauen 🙂 . Den nahenden LKW samt Fahrer ignoieren wir geflissentlich 😯 .

Gut, dann – jetzt kann die Rüttelei von mir aus weitergehen. Tut es aber nicht!  Da sind noch mehr Menschen auf der Straße. Wo kommen die alle her? Da wir vor einer Kurve stehen, konnten wir die Straße nicht einblicken und so merken wir erst jetzt, dass war gar keine offizielle Pinkelpause – wir haben STAU!!! Auf einer Schotterstraße? Vor uns stehen jede Menge LKW´s und bestimmt 10 große ausgewachsene Busse (solche, mit denen Frank immer fahren will und nicht bekommt).  Unser schlauer Busfahrer hat scheinbar einen Kundschafter die Straße runter geschickt, um den Grund zu erkunden. Und so überholen wir kurze Zeit später diese ganzen Fahrzeuge und erkennen auch wir am Stauende den Übeltäter. Im Gegenverkehr ist ein LKW auf der aufgeweichten Lehmstraße mit dem Hinterrad stecken geblieben und alle Versuche, ihn dort wieder frei zu bekommen, sind zwischenzeitlich wohl fehlgeschlagen. Er steht so unglücklich, für LKW´s und große Busse keine Chance, daran vorbei zu kommen. WIR ABER haben ja Gott sei Dank mal wieder einen kleinen (Collectiv-)Bus erwischt und Millimeter für Millimeter tasten wir uns an dem steckengebliebenen Fahrzeug vorbei und donnern anschließend wieder mit 20 km/h die Straße lang 🙂 – Schwein gehabt, selbst Frank ist diesmal froh über unseren Kleintransporter. Was mich so ein bißchen ärgert ist, dass ich nie erfahren werde, wie die es irgendwann geschafft haben, die Straße wieder frei zu bekommen.

Naja, so erreichen wir nach einer weiteren Hoppelstunde unser nächstes Ziel: Popayan.

Und hier muss ich sagen, wer lesen kann, ist klar im Vorteil:

Auszug aus dem Reiseführer: “ Das kleine Kolonialstädtchen ist berühmt für seine weiß gekalkten Fassaden und ist nach Cartagena Kolumbiens eindrucksvollste koloniale Ansiedlung „

Hört sich doch nett an, oder? Bis hier hin hatte ich den Text wohl komplett aufgenommen und dann abgeschaltet, denn der Text geht weiter mit:

„Popayan war jahrhundertelang die Hauptstadt Südkolumbien, bevor Cali die Rolle übernahm“

Cali ist eine riesige Stadt und wenn Popayan vorher Hauptstadt war, kann es sich dabei ja wohl kaum um eine „kleine koloniale Ansiedlung“ gehandelt haben, oder? Und so war ich erstmal geschockt, als der Bus in Popayan einfuhr. Nix weiß gekalkte Fassaden! Alles grau in grau, Lärm, volle Straßen, und allein bis zum Busbahnhof quälte sich der Bus schon 15 Minuten. Frank schaut mich irritiert an und fragt, was zum Teufel wir hier machen? Äh… tja! Mmmhhmm!

Das verrate ich euch morgen 😉 – für heute ist der Text lang genug!

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