Port Capitanerie die II.

(Sorry, ich weiß, viele von euch haben mitgefiebert und wären gerne gestern bereits informiert worden, ob wir in den Knast wandern, eine hohe Strafe zu zahlen haben oder einfach wieder ausreisen dürfen 😉 – aber bis ich soweit war, mit dem Schreiben eines Blogs anzufangen, wäre für die meisten für euch schon Bettzeit gewesen – daher ganz frisch und akutell nun  h e u t e : )

Für karibische und kolumbianische Verhältnisse waren wir relativ pünktlich um 9.20 Uhr zu unserem 9.00 Uhr Termin in dem neuen Gebäude der Port Capitanerie. Von außen altes hystorisches Gebäude, von innen modern, hell und nett eingerichtet. Mit Temperaturen = Tiefkühlcharakter . Ein paar unausgepackte Kartons standen noch in den Ecken und von unserem Termin wußte man (natürlich) nix. Aber kein Problem, ein Mitarbeiter mußte den scheinbar einzig funktionierenden Computerarbeitsplatz seinem Vorgesetzten überlassen und so quetschten wir uns zu fünft in ein Minibüro. Der Offizielle, die Rechtsanwältin der Marina, unser Dolmetscher und wir zwei natürlich. Die erste halbe Stunde verging schon mal damit, dass alle Daten unserer Paßporte und ID´s (ja, auch von der Rechtsanwältin sowie vom Dolmetscher) in den PC eingegeben wurden.

Punkt 2 : man klärte uns darüber auf, dass wir eine Versicherung über 5.o00.000 Pesos abschließen müßten, um das Land verlassen zu dürfen. Es könnte ja schließlich sein, dass später noch mal Fragen aufkommen, die dann durch unsere Anwältin (der Marina) beantwortet werden müßten, die dafür jedoch dann Geld bekommen würde. Das würde die Versicherung dann abdecken! HÄ? Wie hoch die Prämie wäre, wüßte man aber spontan nicht, aber andernfalls dürften wir Kolumbien nicht verlassen bzw. müßten dann jedesmal zurück kommen. Okay, okay, wir schwören, so eine Versicherung abzuschließen, auch wenn wir uns nicht darüber im klaren sind, was denn für Fragen in sagen wir mal 2 Monaten noch auftauchen könnten 😉 .

Punkt 3: Die Rechtsanwältin muß den der Port Capitanerie bereits vorliegenden Brief vorlesen mit der Stellungsnahme der Marina, was passiert war und warum wir zurück gekommen sind. Der Offizielle tippt alles brav in den PC. Die Möglichkeit des Einscannes von Unterlagen zu einem Vorgang scheint hier noch nicht angekommen zu sein 🙄

Inzwischen ist mir saukalt, der Skipper hat sich behördenfein gemacht mit langer Hose und Hemd, der Glückliche! Ich sitze dort in Shorts und armellosem T-Shirt. Brrrr!!!! Dachte ich doch, nach 20 Minuten wieder draußen zu sein :mrgreen:

Punkt 4: Jetzt darf endlich der Skipper zu Wort kommen. Heißt, der Offizielle fragt den Dolmetscher, der sagt mir Bescheid, ich übersetze zu Frank, Frank spricht bzw. bespreche ich mit ihm, was wir sagen, übersetze in Englisch, der Dolmetscher in Spanisch zum Offiziellen und der tippt fleißig alles in den PC. Das alles immer in kurzen Sätzen und ist ja eigentlich nur eine Wiederholung dessen, was die Rechtsanwältin gerade vorgelesen hat.  Das d a u e r t …..

Punkt 5: Wir alle 4 verdrehen die Augen. Auch ich persönlich muss als Zeugin nun wiedergeben, was passiert ist und warum wir entschieden haben, einfach wieder zurück zu kommen.

Anschließend läßt sich ein genervter und inzwischen auch ausgekühlter Frank zu der Bemerkung hinreißen: Next time, we don´t come back, it is better, we go under! Das war vielleicht kein korrektes Englisch, führte jedoch zu diversen Lachern 🙂

Punkt 6: Ein Techniker einer anderen Behörde ist inzwischen eingetroffen und wird uns vorgestellt. Dieser wird sich mit der Bootswerft in Verbindung setzen, um zu erfahren, welche Arbeiten ausgeführt wurden und dann anschließend zu uns an Bord kommen, um die Reparatur zu überprüfen und zu checken, ob sonst alles in Ordnung ist (damit wir ja nicht noch mal zurück kommen ?)  Unglaublich, eigentlich. Man kann vor der Abfahrt alles prüfen, macht man ja auch, aber unvorgehgesehene Dinge passieren nun mal. Aber sie sollten nicht vor Kolumbien passieren 😉

Wir müssen a l l e  noch das 5-seitige dichtbeschriebene ausgedruckte Ergebnis unterschreiben, dann dürfen wir die Eishalle verlassen. Es ist inzwischen fast 12.00 Uhr. Vor der Tür im Warmen fragt Frank den Dolmetscher noch mal, was wir denn so furchtbar falsch gemacht hätten bzw. ob man sich besser in Gefahr bringt, als zurück zu kommen. Er winkt ab und meint, wir sollten uns darüber keine Gedanken machen. Egal, was und wem was passiert, ob Tanker, Containerschiff, Kreuzfahrtschiff oder kleines Privatboot. Alle müßten durch dieses Prozedere hier durch, leider würde die Behörde da keinen Unterschied machen.

Der Techniker war dann heute auch pünktlich bei uns an Bord, hat die neue Kette begutachtet, die Alte (gut das wir sie noch nicht entsorgt hatten) fotografiert, uns gefragt, wie viele Seemeilen wir von Kolumbien weg waren, als unser Autopilot ausfiel. 40 Seelmeilen ca. , okay, selbstverständlich muß man mit einer 2er-Crew dann nicht eine über 400 Seemeilen weite Seereise fortsetzen, sondern d a r f  zurück kommen. IST DAS NICHT SCHÖN? Er ist auch mit der restlichen Begutachtung unserer elektronischen Ausrüstung zufrieden, wünscht und alles Gute und meint, wir dürften dann jetzt wieder ausreisen 🙂

Dürfen und können sind jedoch 2 grundverschiedene Dinge 😥

Seit Tagen beobachten wir ja schon das Wetter bzw. den Wind draußen durch verschiedene Wetterdienste. Weihnachten und Silvester in Kolumbien? Nicht ausgeschlossen sondern sogar immer wahrscheinlicher. Der Cat gegenüber wollte letzten Dienstag schon ausreisen, er liegt uns immer noch gegenüber. Die deutsche Mila, auch uns gegenüber, wollte gestern eigentlich raus – auch sie hat die Abreise bis auf weiteres verschoben. Bei über 40 Knoten in Boen will hier keiner weg und dabei hätten die beiden auf dem Weg zu den San Blas Inseln den Wind sogar noch von hinten. Wir hätten ihn auch noch von der Seite – nun, Mitte Januar soll der Wind nachlassen, hörten wir gestern von erfahrenen Einheimischen. Na dann….. 😳

 

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Ein Kommentar zu Port Capitanerie die II.

  1. Christian Wiese sagt:

    Danke! Endlich wieder schlafen!

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