Jamaika – Morant Bay Town

Die Offiziellen vom Customs sind pünktlich um 11.00 Uhr da und auch wir können selbstständig aufgrund eines einsatzbereiten Dinghy übersetzen. Wieder werden wir freundlich willkommen geheißen, wieder müssen diverse Formulare ausgefüllt werden. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, dass wir 24 Stunden, bevor wir diese Bucht (nicht Jamaika) verlassen, durch die Coastguard die Customs informieren müssen. Die kommen dann wieder über die Berge angereist und geben uns die Ausreisepapiere für den nächsten Ort. Echt aufwendig hier, nun gut! Wir sind nur Gast in diesem Land und sollten nicht….

Erst mal jedoch brauchen wir Geld, vorzugsweise jamaikanische Dollar! Der nächste ATM ist jedoch in der nächst großen ca. 30 Busminuten entfernten Stadt Morant Bay. Ein Taxi dorthin wird uns empfohlen, wir aber gehören ja zu der Gattung „arme Segler“ und entscheiden uns für die auch hier wieder üblichen Public Busse. Wir ziehen unser Dinghi bei der Coastguard an Land, abschließen braucht man es hier nicht, die Jungs haben ein Auge drauf. Dann geht es ca. 20 Minuten eine Schotterstraße mit ein paar Häuschen dran lang. Freundlich werden wir überall gegrüßt, sowie auch von den beiden Damen des hier zugehörigen Straßen-Ausschanks. Wir versprechen, auf dem Rückweg für ein kaltes Bier vorbei zu schauen.

An der Hautstraße halten wir kurze Zeit später einen dieser kleinen Busse an und da wir ja noch keine einheimische Währung haben, dürfen wir in US-Dollar bezahlen und bekommen das Wechselgeld in Jamaikadollar zurück. Klappt prima! Die Fahrgäste unterhalten sich untereinander, ich versteh kein Wort. Jamaika soll doch englischsprachig sein, was quatschen die denn hier?

25 Minuten später stehen wir in einer fremden Welt. Wir merken sofort, dass hier ist nicht Südamerika, willkommen zurück in der Karibik und trotzdem wieder völlig anders und etwas befremdlich. Nicht das wir uns unwohl oder ängstlich fühlen, aber eben anders. Es gibt einen überdachten Publicmarkt und auch hier wird schnell klar, wir sind tatsächlich wieder in der Karibik. Es gibt Möhren, Weißkohl, Tomaten, Kürbis und Yamwurzeln. Fertig! Die Eisbergsalate haben die Größe eine Neugeborenenkopfes, man könnte sie quasi im Ganzen essen *hahaha*. Obst????? Oje, ich bin ja so verwöhnt. Es gibt Bananen für Frank – gut, der ist schon mal versorgt. Ansonsten gibt es grüne Apfelsinnen, 1 bis 2 teure Papaya und sauteure Wassermelone. Das war´s. An die Preise müssen wir uns auch erst wieder gewöhnen.

Wir suchen den örtlichen Supermarkt auf und machen uns mit dem Warenangebot vertraut. Merkwürdiger Weise gibt es keine Obst/Gemüseabteilung und auch keine Fleisch, weder frisch noch gefroren. Da macht mich Frank auf ein Gitter in der Wand aufmerksam, vor dem Leute Schlange stehen. Ups, das ist sie ja, die Fleischabteilung! Ohne Auslage! An der Wand lediglich kleine Din-A-4-Zettel mit dem, was es so gibt inkl. Preise. So was wie Schweineschwänze und Hühnerfüße etc. – Hähnchenbrust ist nicht aufgeführt. Danke, ich werde wohl wieder zum Vegetarier werden.

Wir brauchen erst mal was zu trinken und so machen wir uns auf die Suche. Natürlich gibt es hier keine nette Gastronomie mit schattigem Außenbereich, nett am Wasser gelegen. Die Südküste Jamaikas, für die wir uns mit Bedacht entschieden haben, ist völlig untouristisch. Hier gibt es keine Hotels, keine Schwimmingpools und nicht mal Backpackerhostels. Nur Jamaikaner 😉 Und so sind wir heute zu 100 % auch die einzigen Touristen hier in der Stadt. Es dauert eine Weile, bis wir eine einheimische Kneipe finden, denn die sind hier gleichzeitig auch Spielhölle. Zu jeder Theke gehören scheinbar eine Vielzahl von Wandspielautomaten, wo man sich die Zeit mit Poker oder ähnlichem vertreibt, während man einen Joint nach dem anderen raucht. Nach dem ersten Localbeer fühlen auch wir uns leicht high;-) . Die Arbeitslosigkeit und Armut ist hier auf der Südseite sehr hoch, aber für die Spielautomaten und die Joints scheint es zu reichen.

Wir machen uns auf den Rückweg, heißt, wir versuchen heraus zu finden, von wo aus die Busse in Richtung Bowden Harbour starten. Da hält neben uns ein Bus und der Fahrer fragt, ob wir z u r ü c k wollen – hä? Tatsächlich ist es der Selbe, mit dem wir hergefahren sind. Welch netter Zufall! Der Busfahrer hat wohl Feierabend und fährt eh in die Richtung zu sich nach Hause. Er bringt uns sogar noch ein Stück die Schotterstraße lang bis zu dem Ausschank, dessen Besuch wir ja versprochen hatten. Der Ausschank ist mehr so wie eine Klümpchenbude bei uns in Deutschland, nur dass es hier unter anderem auch Toilettenpapier und sowas gibt neben kühlen Getränken. Im halb halbfertig gefliesten Nebenraum steht eine rückenlose Bank neben Werkzeug und Bananenstaude, ein Holzschemel und natürlich 3 Wandspielautomaten. Und auch hier wird freudig Geld investiert.

 

Alles in allem war das heute ein schöner Tag und ein schöner Ausflug – so, und genauso wollten wir Jamaika erleben bzw. erkunden.

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