Wind, Wind, Wind, driftende Yachten und eine Theatervorstellung

Aufgrund eines Kommunikationsfehlers zwischen uns, der Coastguard und dem Custom können wir nicht wie geplant Dienstag schon Anker aufgehen und Richtung Kingston segeln. Für Mittwoch und Donnerstag ist sehr sehr viel Wind angesagt, so sitzen wir erstmal wieder fest. Der Wetterbericht stimmt eh nicht ganz, denn bereits in der Nacht auf Dienstag werde ich von ohrenbetäubendem Lärm wach. Unglaublich, wie laut Wind sein kann. Und der Sitz unseres Ankers ist noch nicht winderprobt und so kann ich natürlich nicht mehr einschlafen und begebe mich nach oben, um unsere Position mittels anderer Schiffe und dem Ufer zu überprüfen. Vor 2 Tagen traf eine holländische Armada ein – nennen wir sie mal Holland 1 – 3, so wie sie hintereinander ankern.

Holland 3 liegt an der gleichen Stelle hinter uns wie gestern Abend noch, also scheint unser Anker zu halten. Das gleiche gilt für die beiden unbewohnten Schiffe und Holland 2. Wie beruhigend. Aber komisch, Holland 1 müsste doch eigentlich vor Holland 2 liegen. Täuscht das jetzt bei Nacht oder liegt Nr. 1 inzwischen direkt neben Nr. 2 ??? Ich bin mir noch nicht ganz sicher, beobachte weiter, aber 30 Sekunden später ist schon klar, Holland Nr. 1 ist auf Drift (heißt, der Anker hält nicht). Während ich noch überlege, wie in den tiefschlafenden Skipper wach bekomme, um unser Dinghi runter zu lassen, bemerke ich Bewegung auf dem Schiff. Gott sei Dank, die Crew hat es gemerkt und ist an Deck. Der Skipper kann weiter schlafen. Ich beobachte noch 2 weitere Ankerversuche von denen, aber da unser Anker hält, begebe ich mich nach unten und schlafe den Rest der Nacht sehr unruhig. So sind wir auch zeitig wach, es bläst nämlich immer noch mit an die 38 Knoten hier in der lauschigen Bucht.

Ich stecke den Kopf raus, um den Tisch zu decken und sehe, Holland 1 ist inzwischen zu Holland 3 geworden und ankert weit hinter uns. Hauptsache, der Anker hält jetzt. Da fällt mein Blick auf Holland 2, die nämlich verzweifelt zu zweit versuchen, eines der unbewohnten Segelboote abzuwehren. Das nämlich hat sich von seinem Anker befreit und parkt jetzt vor deren Bug. Während Frank unser Dinghi runter lässt, um zu Hilfe zu eilen, versuche ich die Coastguard über Funk zu erreichen. Das zu schaffen, ist ungefähr so schwer, wie ein 5er im Lotto. Die pennen entweder oder spielen fasziniert mit ihren Handys. Jedenfalls meldet sich auch heute Morgen keiner oder merkt, was sich direkt vor ihrer Haustür abspielt.  Inzwischen ist Holland Nr. 1 schon mit seinem Dinghi zu Hilfe geeilt, wir stoßen dazu und versuchen, das Schiff neu zu ankern. Dessen Ankerkette ist für die Tiefe hier aber viel zu kurz und hält natürlich nicht. Das Schiff driftet immer weiter und liegt kurze Zeit später vor dem Bug von dem weit draußen liegendem Holland Nr. 3, dort verheddert es sich dann brav mit dessen Ankerkette. Inzwischen sind wir mit 4 Dinghis drum herum und versuchen, diese driftende Yacht zu bändigen, da endlich, man glaubt es kaum, die Coastguard hat was mitbekommen und kommt angebraust. Wir können die beiden Yachten trennen, die Coastguard nimmt die driftende Yacht in Schlepp und in flacherem Wasser kann sie mittels Ankern dann festgesetzt werden. Kletschnass und mit erhöhtem Puls kehren wir zurück zu unserem Schiff, wir hatten noch nicht mal einen Kaffee, geschweige denn ein Frühstück. Wir lassen noch mal 10 m Kette raus nur so zur Sicherheit und halten Wache, bis sich der Wind gegen Mittag wieder legt.

Da es Mittwoch und Donnestag noch stärker wehen soll, gehen wir davon aus, die nächsten 2 Tage nicht von Bord zu kommen. Klar, von dem Lebensmittelvorrat im Kühlschrank und in den Bilgen kann ich uns gut und gerne 14 Tage versorgen. Verhungern können wir nicht, aber das Obst ist alle – mag Anne gar nicht. Und so setzen wir bei ruhigem Wetter am Nachmittag noch mal über, erledigen unsere Einkäufe und kehren auf dem Rückweg wieder auf ein Bierchen ein. Die meisten kennen uns noch und beäugen uns freundlich. Frank kennt jetzt seinen Dealer mit Namen und damit er sich nicht versehentlich an jemand anderen wendet, werden wir auch mehrmals abgefragt, ob wir uns denn seinen Namen gemerkt haben 🙂 . Ein Amerikaner, der auf Urlaub hier ist um seine Kinder ???? zu besuchen, bekommt mit, dass wir aus Deutschland sind, wo er doch mal zwischen stationiert war auf dem Weg nach Afghanistan und die Theatervorstellung beginnt….. 😉

Das muss man sich so vorstellen, dass er mit uns in für uns verständlichem Englisch spricht und die drum herum stehenden 8-10 Jamaikaner wie gebahnt zuhören (verstehen können sie Englisch scheinbar alle). Wir sind die Attraktion der Woche und unsere Erfahrungen bezüglich der Atlantiküberquerung werden mit Ohhh´s und Ahhh´s kommentiert. Wir waren in Kolumbien? OH Schreck, das ist doch ein furchtbar gefährliches Land. Man kennt doch schließlich die ganzen Geschichten über Drogenkartelle etc. . Frank kann punkten, indem er den berühmten jamaikanischen Sprintläufer Bolt mit Namen nennen kann. Man zeigt uns unglaublich stolz ein Bildnis von ihm an der gegenüberliegenden Hauswand. Wir diskutieren noch die Vor- und Nachteile von I-phones und Androidhandys und dann dürfen wir endlich in Ruhe unser Bier austrinken. Die Vorstellung ist vorbei 😉 , Franks Dealer fragt nochmal seinen Namen ab und dann setzen wir über zur 2wishes, um der windigen Dinge zu harren, die da kommen sollen.

Nachtrag: Alles ruhig geblieben, der ankündige Starkwind hat diese Bucht nicht erreicht und am Freitag verlassen wir diese Bay und setzten über nach Kingston.

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