Manatee Bay, Pigeon Island und das Alligator Reef – 7 Tage (fast nur) Einsamkeit

Alleine sind wir zwei ja meist, aber um uns herum herrscht doch oft Betriebsamkeit. Und sei es nur ein Supermarkt in Lauf nähe oder eine einheimische Bar 😉 . Aber gerade hier an der Südseite Jamaikas bietet sich die Gelegenheit, mal ganz alleine geschützt vor Anker zu liegen und das wollen wir nutzen.

Unser 1. Stopp ist die Manatee Bay, zwischen 2 Riffen geht unser Anker runter, es ist ein bißchen rollig hier, aber egal – wir sind da hart in nehmen. Das „bißchen rollig“ ändert sich gegen 17.00 Uhr in arges „Schaukeln“, aber um den Ankerplatz zu wechseln ist es jetzt zu spät. Bis 22.00 Uhr haben wir das Gefühl der Atlantiküberquerung. Gott sei Dank gibt es heute „tiefes Teller Löffel-Futter“, so haben wir eine Hand frei, um den Teller fest zu halten. Aber die Nacht ist ruhig und wir können gut schlafen, bis…. Nun, bis es morgens um 6.30 Uhr zu ungewöhnlichen Geräuschen kommt. Ich schrecke hoch (Frank pennt tief und fest im Glauben, seinem Schiff könnte nix passieren 🙄 ) und stürze zu meinem Handy,  weil ich den eingestellten Ankeralarm als Ursache vermute. Aber das Teil schweigt, ich hör aber trotzdem noch komische Hup-Geräusche und merke, dass uns ein Schiff mit blickendem Signallicht hupend umkreist ?????? Es ist ein Schiff des KFW´s – bis heute keine Ahnung, was die Abkürzung bedeutet – jedenfalls fragen mich die Jungs, ob ich/wir okay sind? Auf Deutsch fallen mir auf so eine Frage morgens um 6.30 Uhr mehrere Antworten ein,  so nicke ich nur und gebe kund, dass wir okay sind. Man möchte uns desweiteren auch nur sagen, dass wir uns im geschützten Gebiet aufhalten und wir nicht fischen dürfen. Morgens um 6.30 Uhr 👿  – auf meine Antwort, das wir nur schlafen und nicht fischen wollen, lacht man und läßt uns wieder alleine. Als ich wieder in die Koje krieche, fragt mich Frank, mit wem ich denn mitten in der Nacht so plaudern würde! Haha!!

Nächster Stopp ist Pigeon Island, eine unbewohnte kleine Insel mit schützendem Riff rechts und links. Kurz bevor wir dort ankommen, werden wir allerdings gestoppt. Was ist eigentlich los hier in Jamaika, hä? Ein etwas größerer Fischerkahn hält auf uns zu, an Bord 2 Männer, die nur halboffiziell aussehen. Sie haben keine Uniform an, nur eine uniformierte Weste mit irgendeinem für uns nicht erkennbarem Aufdruck. Auch der Kahn sieht alles andere als offiziell aus. Trotzdem haben wir eigentlich keine Angst, wohl weil uns unser Unterbewusstsein sagt, dass so ein einfacher jamaikanischer Räuber doch bestimmt nicht an eine Maschinenpistole kommt.  Die nämlich trägt der Vordere in der Hand, der am Ruder hat nur eine Pistole locker in der Hand.  Nachdem wir kundtun, dass nur wir zwei (Alten) an Bord sind, kommt die Pistole wieder zurück in den Halfter. Puh! Was oder wen erwarten die eigentlich auf einem für die Langfahrt ausgerüstetem lahmen Segelboot? :mrgreen: Man fragt uns, ob wir ordentlich einklariert haben und will unsere Transitpapiere sehen. Nach eingehender Prüfung dieser will der Typ mit der Maschinenpistole noch an Bord kommen, man nimmt aber Abstand von dieser Idee, da die Welle zu hoch ist und man unser Boot beschädigen könnte. Uns ist das nur recht und eine halbe Stunde später fällt unser Anker vor Pigeon Island. Endlich Ruhe – kein Schwell, keine Menschen, keine bewaffneten Halboffiziellen – so ist schön 🙂

Aus geplanten 2 Nächten werden 4, so schön ist es hier. Am Wochenende lädt die örtliche Fischergewerkschaft zum gemeinsamen Abhängen und Grillen ein, uns jedoch läßt man völlig in Ruhe.

25 Seemeilen weiter liegt das Alligator Reef – mit bloßem Auge kaum erkennbar –

Und? Seht ihr was ?

aber so günstig, dass man in seiner Mitte wunderschön ruhig ankern kann und man das Gefühl hat, mitten auf dem Meer zu ankern. Hier werde ich auch ganz furchtbar mutig, als ein vorbei kommender Fischer uns frischen Lobster anbietet. Etwas, was auf meiner Speisekarte noch niemals gestanden hat. Wer mich kennt, weiß, auf Seewasserkrabbeltiere stehe ich soooo gar nicht, aber ständig lese und höre ich, wie toll dieses Viechzeug mit Knoblauch usw. schmeckt. Da muss doch was dran sein! Und teuer ist das Zeugs sonst  ja schließlich auch. Aber es ist Frank, der mit diesen recht hübschen Tieren später vor dem kochenden Wassertopf steht, ich übernehme erst wieder , als diese Leckerei unter die Knoblauchspagetti gemischt werden müssen.

Fazit: Ich bin über 60 geworden, ohne in der Beziehung was verpasst zu haben. Und in meiner verbleibenden restlichen Lebenszeit werde ich ruhigen Gewissens weiterhin auf sämtliche Unterwasserkrabbeltiere verzichten können. Wie kann man bloß gummiartiges Gewebe lecker finden?  Wahrscheinlich bin ich ein echter Banause, aber ich lobe mir jedes Schweinefiletmedallion, Schnitzel oder lecker Frikadellchen 😉 – Frank hat an dem Abend dadurch jedenfalls eine ordentliche Portion auf dem Teller gehabt und ich war mit meinen „nur“-Knoblauchspagetti auch zufrieden.

Nach 2 Tagen hier vor Anker sind auch unsere letzten frischen Lebensmittel verbraucht und wir haben das Gefühl, mal wieder etwas Trubbel (und frisches Obst) zu brauchen. Nächster Stopp: Black River

 

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2 Kommentare zu Manatee Bay, Pigeon Island und das Alligator Reef – 7 Tage (fast nur) Einsamkeit

  1. Sandra Dittrich sagt:

    Hallo Anne,
    Lobster ist eigentlich nicht zäh, es sei denn man kocht ihn zu lange. Bei Garnelen und Krabben kann dir das auch passieren wenn sie zu lange gebraten werden.
    LG und viel Spaß
    Sandra

  2. Christian Wiese sagt:

    Ich bin bei Frank!!!

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