Trinidad – Hostels, Schaukelstühle und Pferdekutschen

Wieder haben wir unseren Ausflug über Dairon gebucht und diesmal werden wir sogar von einem echten Oldtimer abgeholt.  Tolles Gefühl, allerdings braucht man dazu aber Mut zum Risiko 😉  – Anschnaller und Kopfstützen sucht man darin vergeblich und der Fahrer hält die Landstraße nach Trinidad für eine Autobahn 🙄 Ich hab sowieso das Gefühl, sollte ich diese ganze Langzeitreise nicht überleben, dann nicht, weil es zu einer Bootshavarie gekommen ist 😉

Die Strecke ist diesmal dafür aber landschaftlich viel viel schöner als die karge langweilige Gegend nach Havanna. Es geht vorbei an, nein,  nicht 20, 50 oder 100 Mangobäumen…. Es sind Tausende, echt! Und alle hängen voll mit leider, leider noch unreifen Mangos. Wir überqueren Flüsse, rasen an traumhaften Buchten vorbei und im Hintergrund steht die Sonne über den Bergen.

Unser Hostel hier ist wunderschön (und vor allen Dingen ruhig gelegen 😉 ) – Wir haben unsere eigene Terrasse mit Schaukelstühlen,  es ist ordentlich renoviert und unser fantastisches Frühstück bekommen wir am nächsten Morgen auf der Dachterrasse mit Blick auf die Berge serviert.

Von unserer Terrasse aus können wir den gegenüber liegenden Metzger beobachten. Das Fleisch hängt den ganzen Tag bei 30 Grad zwar im Schatten, aber dennoch…  Und ich will schon kein Fleisch mehr essen, was 2 Tage im Kühlschrank gelegen hat…. Ich stell mich aber auch an.Jedes 3. Haus hier in Trinidad ist ein Hostel.  Auch hier versucht halt jeder, an die touristische Währung CUC zu kommen. Mit Erfolg, denn das sieht man den Hostel-Häusern an, diese sind fast alle wunderschön und gemütlich renoviert. Im Gegensatz zu dem Haus der gegenüber liegenden Metzgerei, dass arg abbruchgefährdet aussieht. Es liegt aber bestimmt auch viel an der Einstellung der Menschen. Unsere unglaublich nette Gastwirtin hier habe ich nie ohne Putzeimer und Schrubber angetroffen, sie hält ihr Haus sorgsam sauber. Die 3 Damen des Metzgers jedoch konnten wir morgens schon auf Schaukelstühlen sitzend die ein oder andere Soap schauend beobachten. Und von nix kommt eben nix… oder?

Die Frau des Metzgers – Sonntag Mittag auf dem Bürgersteig gut gestylt und ordentlich gekleidet 😉

Trinidad wurde übrigens 1988 bereits zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt und liegt zwischen 2 Wasserläufen, die früher auch Gold führten. Später lebte die Stadt vom Schmuggel, ab dem 18. Jahrhundert erlebte sie dann mit dem Zuckerrohranbau und dem aufkommenden Zuckerboom sein goldenes Zeitalter. Als sich das Geschäft jedoch nach Havanna und Cienfuegos verlegte, versank die Stadt wieder schnell in die Bedeutungslosigkeit. Ihrem Niedergang ist es aber zu verdanken, dass die Kolonialarchitektur bewahrt blieb.

Soviel zu meinem Reiseführer….  Das historische Zentrum, dass übrigens Auto- und Pferdekutschenfrei ist, ist makellos renoviert und wirklich hübsch. Sollte man jedoch keines der vielen Museen aufsuchen wollen, ist man damit in einer guten Stunde aber fertig.  Viel interessanter für uns war das echte Trinidad. Trinidad ist zwar keine Großstadt, aber auch nicht wirklich klein und so gab es jede Menge alte Straßen mit echten alten Häusern zu durchlaufen. Die Häuser sind recht klein und in die ebenerdigen Wohnungen läßt sich dabei gut ein Blick werfen. Oftmals sogar auf das noch ungemachte Bett, aber meist eben auf Schaukelstühle. Es ist tatsächlich so, es gibt wahrscheinlich nicht ein einziges Haus hier in Trinidad ohne Schaukelstühle. Ganz Trinidad schaukelt sich durchs Leben 😉 (Später habe ich in Cienfuegos festgestellt, dass auch hier auf den Terrassen Schaukelstühle stehen – also Korrektur: ganz Kuba schaukelt sich durchs Leben 😉 Auf Empfehlung der Worlddancer gehen wir zur Lunchzeit in die Taverne  Ochun Yemaya (in der Piro Guinart oder über Maps.me zu finden), die nur ein klein wenig außerhalb des historischer Altstadt liegt, dafür aber 50 %  preiswerter und dabei sehr gut ist. Das nur mal so als Tipp, wenn man auf weiße Tischdecken und Touristentrubel verzichten kann.

Laut meinem Reiseführer gibt es eine Sache, auf die man in Trinidad nicht verzichten sollte,  nämlich Canchanchara trinken. Die gleichnamige Bar wird daher von vielen Touris aufgesucht, denn diesen Tipp gibt es wohl nicht nur in meinem Führer 😉 – Canchanchara wird aus Aquardiente, Lemonsaft, Honig und Eis gemischt, in einem kleinen Tongefäß serviert und damit für mich als „lecker“ eingestuft.  So kann auch ich demnächst einen Aquardiente genießen, während der Skipper lieber wieder bei der Solofassung bleibt 🙂

 

 

 

 

 

 

Ich habe irgendwie das Gefühl, dieser Bericht hier ist länger als der von Havanna! Was sagt euch das? Richtig !!!! Trinidad hat mir persönlich besser gefallen, es ist einfach echter, obwohl es auch hier nur so von Touris wimmelt (zumindest im historischen Zentrum).  Z.B. die Pferdekutschen… Ja, gibt es auch in Havanna und in Cienfuegos. In Havanna werden sie jedoch fast nur noch für Touristenzwecke benutzt, in Cienfuegos aber auch von Einheimischen als Taxi- bzw. Transportmittel.  Auf dem Land sind sie tatsächlich noch Gang und Gebe, um die Familie oder auch mal einen Kühlschrank zu transportieren.

Hier in Trinidad aber gehören sie zum ständigen Straßenbild. Es ist wirklich lustig, schaukelnd auf der Terrasse in der 1. Etage zu sitzen, während unten die Hufen vorbei traben. Hat ein bißchen was von „Westernfeeling“ 😉  Und dieses Straßenschild wird man in unseren theoretischen Fragebögen der Führerscheinprüfung vergeblich suchen.

In Havanna hatten wir am letzten Tag noch beim örtlichen Bäcker Brötchen und Brot gekauft und unser Wechselgeld in CUP, also der Währung der Kubaner zurück bekommen. Ups… was machen wir denn damit? 1 CUC sind ca. 25 CUP und so hatten wir ca. 2 Euro in einer Währung, mit der wir in den touristischen Gebieten von Cienfuegos und Cayo Largo so gar nix anfangen konnten.  Und so durchstreifen wir an unserem Abholtag kurz vorher die Straßen und finden jede Menge Gemüseläden. Was heißt hier Läden? Eigentlich sind es nur Fenster, auf deren verbreiteten Bänken das angebotene Gemüse/Obst steht. Nun hat nicht jeder alles, heißt, wer Kürbis hat, hat nicht unbedingt rote Tomaten oder Gurken. Habe ich im Vorbeigehen am Anfang bei dem Einem noch rote Tomaten liegen sehen, sind auf dem Rückweg nur noch Grüne da. Mist, zu spät. Ich befinde mich im Einkaufsstreß und Frank hält tapfer mit. 1 Stunde später haben wir es geschafft und die 50 CUP an 4 verschiedenen Verkaufsstellen ausgegeben.  So viel frisches Gemüse habe ich hier in der Karibik für 2 Euro noch n i e  ergattert

Wir genießen noch ein wenig das Hufgetrappel auf unseren Schaukelstühlen bis pünktlich um 12.00 Uhr unser Oldtimer vorfährt und uns zurück bringt. Trinidad war schön, wirklich schön und zum ersten Mal hatte man das Gefühl, dem echten Kuba näher gekommen zu sein.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Trinidad – Hostels, Schaukelstühle und Pferdekutschen

  1. Hasentochter sagt:

    Sehr schöne (und schön lange) Blogeinträge zu Havanna und Trinidad!!!
    Schon allein für die kubanische Live-Musik in jeder zweiten Bar müsste ich ganz dringend nach Kuba…

  2. Christian Wiese sagt:

    Danke für zwei sehr schöne Reiseberichte in Romanlänge. Und danke für die Bestätigung. Kuba steht nicht umsonst ganz oben auf meiner Fernreise Wunschliste. Ich fürchte allerdings, die Erfüllung wird noch eine ganze Weile auf sich warten lassen. Ich kann dann ja in 10 Jahren mit eueren Erfahrungen einen Vergleich anstellen 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.