Richtung Providencia – Aus 3 mach 5

Tage sind gemeint đŸ˜„

Ca. 350 Seemeilen liegen zwischen Grand Cayman und Providencia. Wir rechnen immer mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4,5 Knoten, was uns sagte: 350 ./. 4,5 = ca. 77 Stunden sprich geplante Ankunftzeit Mittwoch den 8.5. – also 3 Tage/3 NĂ€chte. Es ist auch ordentlich Wind angesagt, so dass wir eigentlich mit 5-6 Knoten die Stunde gerechnet haben, was wiederum auch fĂŒr diesen Ankunftstag sprach. Was wir jedoch nicht auf der Rechnung hatten war der „STROM“ , der uns nicht nur stark nach Westen versetzte, so dass wir die ersten 3 Tage sogar unter Motor alle paar Stunden gegenan Richtung Osten (also gegen Strom und Wind) fahren mußten, um unsere Kurslinie ĂŒberhaupt halten zu können und nicht irgendwo in Honduras oder Nicaragua an Land gespĂŒlt zu werden 👿 Gleichzeitig kam der Strom jedoch auch noch von vorne, so dass wir die ersten Tage nicht ĂŒber 3 Knoten hinaus kamen, sondern uns tatsĂ€chlich oft und lange mit 1,5 – 2 Knoten vorwĂ€rts kĂ€mpften. 2 Knoten sind ca. 3,5 KM – da laufe ich schneller 😛 und es ist unglaublich deprimierend, wenn es nicht vorwĂ€rts geht. Dabei hatten wir noch GlĂŒck, dass die Welle niedrig bis nicht vorhanden war und das Schiff somit ruhig und ohne große KrĂ€ngung im Wasser lag, was wenigstens fĂŒr ausreichend ruhigen Schlaf sorgte.

Erst mit der Landabdeckung Honduras hörte der Strom auf und wir konnten mit vollen Segeln endlich 5-6 Knoten laufen. Erwartete Ankunftszeit nun Freitag Morgen.

Mittwoch Abend kurz vor dem Dunkel werden nehmen wir unseren Sonnenschutz runter und Frank sagt plötzlich: guck ma, da ist ein Schiff! HĂ€? Wie Schiff? Auf dem Plotter war nichts zu sehen und automatisch suche ich den Horizont ab nach einem Segelschiff. Da rutscht mir das Herz in Hose, seitlich kurz vor uns treibt ein kleines Fischerboot mit 5 Mann an Bord im Wasser. Wir sind gut 100-150 Seemeilen von der KĂŒste Honduras entfernt, was zum Kuckuck machen die hier? Ist das ein PiratenĂŒberfall ? In was fĂŒr einer beschiss… Welt leben wir eigentlich, wo man sofort an das Schlimmste denkt. Die könnten ja auch Motorprobleme haben und in Seenot sein. Frank winkt grĂŒĂŸend rĂŒber, man winkt zurĂŒck und ruft etwas, was wir absolut nicht verstehen. Eventuell will man uns nur Fisch verkaufen oder bittet um Lebensmittel, aber wir trauen uns nicht, winken ab. Zittern beobachte ich das Boot weiterhin, die haben mit Sicherheit einen stĂ€rkeren Motor, wir hĂ€tten keine Chance zu entkommen, wenn… Und Motorprobleme haben die nicht, denn kurze Zeit spĂ€ter sehen wir sie gen KĂŒste dĂŒsen. GlĂŒck gehabt! Das muss ich wirklich nicht öfter haben. (Einige Tage spĂ€ter lese ich bei Noonsite, dass es tatsĂ€chlich vor der KĂŒste Nicaragua Mitte April zu einem PiratenĂŒberfall gekommen ist, allerdings waren da gleich 4 von diesen Fischerbooten im Spiel – immer noch scheinbar keine ungefĂ€hrliche Gegend hier)

Donnerstag Morgen ist bereits klar, erwartete Ankunftszeit ca. 21.00 Uhr. Dunkel wird es um 19.00 Uhr und normalerweise fahren wir n i e m a l s  im Dunklen in eine unbekannte Bucht. Was tun? So stark reffen, dass wir wieder nur mit 3 Knoten laufen (wo es doch jetzt soooo schön lĂ€uft đŸ˜„ ) und erst Freitag Morgen ankommen. Noch so eine blöde Nacht mit immer nur 3-4 Stunden Schlaf am StĂŒck! Ich lese nochmal alles nach ĂŒber die Bucht von Providencia, was ich mir von Noonsite oder Ă€hnlichen Seiten so abgespeichert hatte und siehe da, ĂŒberall steht geschrieben, dass man sie unproblematisch auch im Dunklen einlaufen kann. Ausreichend beleuchtete Bojen sind vorhanden und fast ĂŒberall eine ausreichende Tiefe. Leider haben wir zwar keinen Vollmond, was die Sache vereinfachen wĂŒrde, aber ich ĂŒberrede Frank trotzdem zu diesem Wagnis – schlagendes Argument: eine Nacht mit 8-10 Stunden Schlaf .

Und so steht Frank völlig nervös gegen 20.30 Uhr vor der Einfahrt in die Bucht von Providencia am Ruder. Schon von weitem blinken uns die roten und grĂŒnen Lichter der Tonnen völlig undurchsichtig entgegen, erst beim NĂ€her kommen erkennt man den Weg, der fast geradeaus in die Bucht fĂŒhrt und wirklich einfach zu befahren ist. Es gibt zwei ausgewiesene AnkerplĂ€tze hier, direkt vor der Stadt Santa Isabel auf 2,4 – 2,7m und weiter außerhalb auf 4 m. Wir entscheiden uns fĂŒr die 4m-FlĂ€che, sicher ist sicher, zumal hier kein anderes Schiff ankert, dass wir im Dunkeln eventuell ĂŒbersehen könnten. Morgen frĂŒh können wir dann ja noch mal umankern, so fĂ€llt um 21.00 Uhr unser Anker auf gutem Ankergrund und um 21.10 Uhr gibt es das langersehnte Ankerbierchen 🙂 oder besser gesagt „die Ankerbierchen“ 😉 . SpĂ€ter dann gibt es zur Belohnung 10 Stunden Tiefschlaf 🙂

 

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