Shelter Bay Marina – oder auch: wie machen wir diesen Blog mal wieder spannend ?

Die Shelter Bay Marina liegt direkt im Cristobal Port (Colon) , dem karibischen Eingang zum Kanal. Unter Langzeitseglern ist die Marina bekannt wie ein bunter Hund, vor allen Dingen bei denen, die durch den Kanal auf die andere Seite zum Pazifik wollen. Hier liegt man, um in Ruhe die Vorbereitungen und die Formalitäten für die Kanaldurchfahrt zu erledigen. Oder, wenn man genug Knete hat, sein Schiff für einen Heimaturlaub zu parken. Preiswert ist sie jedenfalls nicht! Heimaturlaub haben wir gerade hinter uns und durch den Kanal wollen wir frühstens im Dezember oder 2020.

Was also machen wir hier?

Am Morgen verlassen wir unsere einsame Insel und motoren weiter Richtung Portobello. 120 Seemeilen liegen ungefähr vor uns, was soviel heißt wie ankommen ca. nach 24 Stunden, wenn die Strömung nicht gegen uns ist und wir 5 Knoten halten können. An Segeln ist vorerst nicht zu denken, das Meer ist weiterhin spiegelglatt, es weht nicht ein Lüftchen. Ein Grauen für den Skipper, der ja immer ein bißchen Angst um unseren Motor hat. Ich dagegen bin da ein bißchen gutgläubiger, schließlich ist es ein Diesel, ziemlich groß, also mehr so ein LKW-Style und hat außerdem noch nicht soooo viel gelaufen. Und plötzlich kommt gegen 17.00 Uhr tatsächlich Wind auf. Wow! Motor aus, Segel rauf! Natürlich kommt der Wind nicht so genau wie wir ihn brauchen würden und wir können unseren Kurs nicht halten. Egal, der Motor wird geschont. Am nächsten Morgen ist der Wind dann wieder weg und wir 25 Seemeilen von unserer Kurslinie entfernt. Okay, dann sind wir eben 5 Stunden länger unterwegs. Auch gut!

6.30 Uhr – Motor an, Segel runter, neuen Kurs anlegen, Skipper ab ins Bett, Schlaf nachholen, während ich an Deck versuche, meine Müdigkeit zu bekämpfen.

7.30 Uhr – ich stutze kurz, was war das? Stottert der Motor? Nein, bestimmt nicht!

7.32 Uhr – und wieder zucke ich zusammen! Für 2-Zehntel-Sekunden kein Motorgeräusch! Mir schwant Böses 👿

7.34 Uhr – ich will es nicht glauben, schon wieder….

7.35 Uhr – der Motor geht aus, ganz von alleine und wir mitten auf dem Meer ohne Wind

7.35 Uhr und 30 Sekunden –  mein 1. Gedanke: Asien, Strandhütte – ich komme – endgültig jetzt!

Mein Geschreibsel hört sich vielleicht jetzt flockig locker an – aber so war mir weiß Gott nicht. Wir sind 35 Seemeilen vom Festland entfernt und um uns herum ist nichts als Wasser. Auf der einen Seite gut, denn unmittelbare Gefahr durch die Nähe anderer Schiffe, eines Riffs oder eines zu nahen Ufers besteht ja nicht, aber ich finde es trotzdem Scheiße!

Mit flauem Magen geh ich erst mal den Skipper wecken. Der ist dermaßen ungewöhnlich im Tiefschlaf, dass er gar nicht mitbekommen hat, dass der Motor aus ist.  Wir versuchen den Motor neu zu starten – nix! Wir stehen zusammen vor dem Motorraum und sehen nix, zumindest nix Beunruhigendes. Das, was wir überprüfen können, wird überprüft. Wir entlüften die Dieselleitung und da wir ja diesen genialen Separ 200o Doppelfilter haben, wird der erstmal umgeschaltet. Vielleicht Dreck im Diesel? Aber die Filter sehen sauber aus. Wir starten erneut und yippy, der Motorspringt nach längerem Orgeln wieder an. Der Druck in meinem Magen läßt nach, wir fahren wieder mit den gewohnten 1500 Umdrehungen und somit 5 Knoten und der Skipper verschwindet wieder in der Koje.

Für genau 10 Minuten! Dann wieder der 1. kleine Aussetzer 👿 , der. 2., der 3. und Motor aus! Der Motor scheint zuwenig Sprit zu bekommen.  Wir haben 1 Knoten Wind, selbst wenn der aus der richtigen Richtung käme, wir würden es damit nicht zur Küste schaffen. Mit Grauen denke ich daran, eventuell über Funk um Abschlepphilfe bitten zu müssen (in Englisch – meine Lieblingsbeschäftigung 😯 )

Wir starten den Motor erneut und tatsächlich springt er an. Diesmal sind wir vorsichtiger mit dem Gas geben und stellen fest, wenn wir nur mit 1000 Umdrehungen fahren, dann hat der Motor zwar ständig diese kleinen Aussetzer, fängt sich aber wieder und geht erstmal nicht aus. Unsere Geschwindigkeit damit 2,5-3 Knoten. Aber Hauptsache, wir kommen langsam an die Küste. Wir entscheiden für für einen Richtungswechsel, Portobello ist gestrichen, wir gehen davon aus, dass uns in der Shelter Bay Marina in Colon besser geholfen werden kann.

Um 15.00 Uhr sind wir so nah an der Küste, dass wir Kontakt zur Marina aufnehmen können. Wir informieren sie über unsere wahrscheinliche Ankunftszeit und dass wir ev. bereits vor der Einfahrt Hilfe benötigen, da wir nicht wissen, wie der Motor reagiert, wenn wir Gas wegnehmen oder in den Rückwärtsgang schalten (und den brauchen nun mal, um das Schiff abzubremsen = Info für Nichtsegler). In der Einfahrt zur Marina oder zwischen den Stegen wären wir manovrierungfähig ohne Motor, nicht lustig für unser Schiff oder auch für alle anderen.

Aber erstmal müssen wir durch die Einfahrt zum Cristobal Port. Vor dem Eingang liegen viele viele Frachter, Tanker und Containerschiffe vor Anker und warten dort auf die Kanalpassage. Der Eingang scheint nicht besonders breit und ständig sehen wir über AIS Dickschiffe dort rauskommen. Keinem von diesen möchten wir mit unseren schlappen 3 Knoten mitten in der Einfahrt begegnen und so fragen wir sicherheitshalber bei Cristobal Control über Funk nach, ob wir einfahren dürfen. Die wissen schon Bescheid, die Marina hat diese scheinbar verständigt, dass sich ein Segelschiff mit Motorproblemen nähert und wir bekommen grünes Licht! Die Einfahrt ist breiter als wir dachten, aber trotzdem, sicher  ist sicher.

Jetzt sind es nur noch 2 Seemeilen bis zur Marina. Ich nehme erneut Kontakt auf und man gibt uns über Funk die Anweisung, zu Dock D zu gehen. HALLO ??? Haben die unser Problem noch immer nicht verstanden? Ich hätt gern ein leistungsstarkes Dinghi in meiner Nähe, dass uns zur Not schleppen oder wegdrücken kann. Noch einmal erkläre ich über Funk die Situation, dass wir ev. gleich manovrierunfähig sind wenn wir den Gashebel betätigen. 17.30 Uhr – Feierabend in der Marina? Jedenfalls scheint kein Dinghi zur Verfügung zu stehen. Wir brauchen dann doch nicht mehr zu Dock D sondern werden gleich am Anfang der Marina an einem wunderschönen großem Langsteg von 3 Männern erwartet, die beim Anlegen helfen. Und die sind auch nötig, denn kaum will der Skipper mittels Rückwärtsgang abbremsen, geht der Motor aus und auch nicht wieder an. 3 Knoten auf See sind unglaublich langsam, aber 3 Knoten, wenn man auf einen Steg zufährt…. ich sach euch, man rast da quasi drauf zu und somit sind auch wirklich alle 3 Mann nötig, um die 2wishes abzubremsen.

17.35 Uhr – wir haben geschafft. Nach 10 Stunden „zittern“ liegen wir fest vertäut, die Marinemitarbeiter sind überaus freundlich und sagen: relax, relax now! Go to the restaurant, have a beer and a nice dinner – und genau an den Rat halten wir uns 🙂

Um alles weitere kümmern wir uns morgen bzw. am Montag… auch um weitere Gedanken Richtung Asien und Strandhütte 😉

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2 Kommentare zu Shelter Bay Marina – oder auch: wie machen wir diesen Blog mal wieder spannend ?

  1. Sandra sagt:

    Ich bin ja ein wenig unwissend. Kompression = Gleich Zylinderkopfdichtung.
    Ich mein nur wegen dem aus und nicht oder nur schwer wieder angehen?
    Frag mal Wolfgang
    LG
    Sandra

  2. Sandra sagt:

    Beide Kraftstoff Filter gewechselt auch den Feinfilter. Klaus meint es könnten auch die Einspritzdüsen sein.
    LG
    Sandra

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