2. Urlaub 2012 – also.. Segeln ist n i x für…

für gutorganisierte, strukturierte Leute wie z.B. meine Tochter Linda (gut gelandet, Hasentochter ?)

Meine Linda fährt/fliegt nämlich mit einer „Excel-Liste“ in den Urlaub. Da weiß man dann vorher schon, dass man am z.B. am 11. Tag um 11.15 Uhr in dem bestimmtem Museum ist und für den Besuch exakt 2 Stunden 45 Minuten Zeit hat, weil um 14.30 Uhr muss/will man bereits da oder dort sein und den nächsten Punkt von der Excel-Liste abarbeiten!!!!

Und was glaubt ihr, woher meine Tochter diese Veranlagung hat?

R i c h t i g !  V o n  m i r !!!!

 

Aber was mache ich dann eigentlich auf einem Segelboot?

Fangen wir mit dem gestrigen Tag an!  Wie ihr wisst, lautet der Excel-Plan: Freitag durch den Nordseekanal nach Ijmuden und Samstag dann auf die böse aufregende Nordsee Richtung Texel, schließlich sind wir nicht zum Spaß hier, sondern um was zu lernen und um anschließend erzählen zu können:  JA, WIR HABEN WAS GESCHAFFT! (O-Ton Frank)

Tja, 15 Min. vor Ablegen schnell noch mal den Free-Wifi-Zugang genutzt, eigentlich nicht mal wegen der aktuellen Wetterdaten,  sondern mehr um noch mal die Strömung vor Texel für den nächsten Tag zu prüfen, damit man nicht zu spät oder zu früh dort ist (ganz komplizierte Rechenaufgaben, sach ich euch).  Aber was nehmen meine Augen plötzlich wahr ? Die Zahl 6 mit der weiteren Bemerkung „zunehmend 7“    WAT IS??? Wo verdammt ist die 4 von gestern geblieben? (Für Nichteingeweihte: ich rede/tippe hier von Windstärken, die in Beaufort 1 – 12 angegeben werden. 4 ist moderat, 6 für erfahrende Segler wahrscheinlich auch noch okay, aber für uns Anfänger-Hasen auf der Nordsee ganz bestimmt zu viel – zumal wir beide durch eine Erkältung körperlich nicht ganz fit sind).

Okay, kurz nachgedacht, Wetterdaten fürs  Ijsselmeer gecheckt – dort die nette 4 gesehen, abnehmend auf 3 (bei 3 muss man ab und zu auch mal ein bißchen schieben :-) ) und die Excel-Liste umgeschrieben. Wir vertagen Texel auf nächste Woche oder nächstes Jahr – schaun wir mal.

Kurzer Hand haben wir Kurs auf Lelystad (Hafen Flevo Marina) genommen. 1. weil dieser auf dem kürzesten Weg zu erreichen war und wir auch mal einen Nachmittag einfach so dasitzen wollten und 2. weil dieser für uns umsonst ist (als Jahresplatzmieter der Skip Maritim dürfen wir in bestimmten Häfen 5 x ganz umsonst liegen und als künftige Einkommenslose muss man auch mal sparen). Und außerdem stimmte auch die Windrichtung – ganz ganz wichtiger Punkt, wenn man irgendwo hin will.

Es war dann auch ein schöner entspannter kurzer Segeltag bei moderater Windstärke und blauem Himmel. Anlegemanöver rückwärts: Frank hat dies mal wieder super gemacht (muss ich immer wieder mal ständig betonten), Anne hat wieder leinenmäßig versagt und den  blöden Boller nicht getroffen.  Wenn einem der Skipper auch erst 2 Min. vorher ankündigt, dass er rückwärts anlegen will und die dafür passenden Leinen aber hinten festgemacht sind und man alles wieder ganz schell ummodeln muss – ICH KANN UNTER STRESS EINFACH NICHT…….

Nach einem Nachmittagschläfchen, indischem Hähnchencurry (von Maggi natürlich) und einem Krimi von der DVD ab in die Koje.

Heute dann um 9.00 Uhr wecken (stand so in Excel-Liste), hat mir aber schon nicht gefallen! Ich gehöre zu der Gruppe der Langschläfern und bin vor 10.00 Uhr n i e ausgeschlafen! Also murrend aus der Koje, schnell frühstücken und hurtig ablegen. Schließlich sollte es heute nach Medemblik gehen und das sind schon ein paar Seemeilen, die man da hinter sich bringen muss.

Windvorhersage 4 Beaufort –Windrichtung Süd-West!

Ich wiederhole: 4 Beaufort! Windrichtung  Süd-West!

Ausgelaufen sind wir bei strahlend blauem Himmel und ich bat Frank, schnell noch ein paar Fotos von mir für meine Arbeitskollegen zu schießen, weil ich denen ein paar Fotos von

mehr lasziv geht nicht – muss noch geübt werden

mir,  lasziv räkelnd, versprochen hatte, allerdings weniger bekleidet, aber man kann nicht alles haben.

Wir hatten kaum den Apparat weggelegt, da ging es los. Geschwindigkeit 7 Knoten, Krängung sehr sehr ordentlich und äh… sollte wir besser reffen? Zitter!  Gesagt getan! Und von da an waren wir beschäftigt. Reffen, Regenwolke/Böe weg, Segel wieder raus, dann wieder Reffen und verwundert auf die Windanzeige schauen.  Von der angekündigten Windstärke 4 wusste des Ijsselmeer nix und bescherte uns eine dicke 5 bis 6 in Boen bis 7 – Wellenhöhe 1,5 – 2 m – was auf dem Ijsselmeer nicht ohne ist.  Und die Windrichtung: klar, stimmte natürlich auch nicht. Wind N O R D – West! Was so viel hieß wie Wind genau von vorn, wenn wir unsere Excel – Liste abarbeiten  und nach Medemblik wollten.

Gegen 14.00 wurde entschieden, dass Anne an ihr bisheriges gut durchstrukturierten Leben ändern muss und wir für den heutigen Tag g e n u g  gelernt hatten.  Der Kurs, den wir mit 7 Knoten super gut laufen konnten (ohne noch 3 Stunden mit Motor gegen die Welle zu kämpfen )- der hieß „Enkhuizen“ und so liefen wir gegen 15.30 Uhr in unseren schon gut bekannten Hafen ein und bekamen (da rechtzeitig da) noch einen wunderschönen ruhigen Liegeplatz und haben ganz entspannt Ankerbierchen und Apfeltasche in der Sonne im Cockpit genossen und die (miesen) Anlegemanöver der Anderen genossen.

Morgen dann…  Nein, ich verrate den nächsten Tag meiner Excel-Liste nicht  – ätsch!

 

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2 Kommentare zu 2. Urlaub 2012 – also.. Segeln ist n i x für…

  1. Peli Saar sagt:

    Originell umgesetzt. Die Beschreibungen sind selbstverständlich nett. Bin jetzt ein Begleiter für die Ewigkeit. Einfach klasse.

    • Anne sagt:

      Danke! Wir freuen uns über jeden Begleiter – vielleicht nicht für die Ewigkeit, aber vielleicht für ein paar Jahre 🙂

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