Back in Roatan

Frustriert und urlaubsreif hätte mein letzter Blogeintrag geklungen! Nun, dem kann ich nicht widersprechen 😉 und um diesen hier zu verfassen, habe ich mir extra fast 10 Tage Zeit gelassen, damit er nicht noch frustrierter rüber kommt.

So werde ich auch versuchen, mich kurz (bzw. kürzer 😉 ) zu fassen. Der neue Winsch-Motor ist also eingebaut, das Wetter beruhigt sich und auch das Wasser ist so klar und ruhig, dass wir unseren Anker beschnorcheln können. Und siehe da…Er sitzt so tief im Sand, dass nur noch ein winziges Stück überhaupt zu sehen ist. So kennen wir ihn , so lieben wir ihn, so beschert er uns seit 6 Jahren ruhige Nächte.

Einen Tag lang erkunden wir das schöne Utila und freuen uns auf die nächsten Wochen. Nachts frischt der Wind mal wieder auf, aber überhaupt nicht bedenklich. Vielleicht waren 16-18 Knoten, also für einen gut eingegrabenen Anker ist das nix und so verbringen wir eine ruhige Nacht! Bis…. ca. 6.00 UIhr morgens. Nun muss man sagen, es hat doch schon Vorteile, wenn man des Nachts den Toilettengang vor dem eigentlichen Aufstehen erledigen muss. So wundert sich Frank nämlich dabei bei einem Blick durchs Fenster, wieso plötzlich ein Kanadier direkt neben uns liegt. Er legt sich also nicht wieder nieder, sondern überprüft die Situation vom Cockpit aus. Das längere Fehlen meines Bettpartners macht mich unruhig und so sitzen wir kurze Zeit später gemeinsam im Cockpit und wundern uns. Sind wir doch trotz des tief eingegrabenen Ankers mehr als 500 m weit gerutscht und liegen nun viel zu knapp vor einem teuren Katamaran. Gut also, dass die Ankerwinsch wieder funktioniert, so ist das Anker aufgehen nicht ganz so anstrengend. Wir sind auch nicht die einzigen, die kreisen und einen neuen Platz suchen. Der Ankergrund hier ist katastrophal! Den ganzen Tag halten wir Ankerwache mittels Augen, diversen Ankeralarm-Apps und der GPS-Position auf unseren Tablet´s. Der Wind beruhigt sich, der Anker hat den ganzen Tag bei 18-22 Knoten gehalten, da wird er doch wohl die Nacht auch weiter halten. Gegen 22.00 Uhr „versuche“ ich zu schlafen, während Frank im Salon erst mal weiter Ankerwache hält.

Um 2.00 Uhr nachts bricht dann die Hölle los. Entgegen dem Wetterbericht haben wir plötzlich nicht nur 25-28 Knoten Wind (was in anderen Ankerbuchten überhaupt kein Problem ist) sondern auch Wellen mit Schaumkronen in der Bucht, weshalb nicht nur wir, sondern alle Schiffe wieder Rodeo reiten(das im letzten Eintrag eingestellte Video war nix dagegen und bei Schaumkronen auf den Wellen haben wir im Ijsselmeer damals nicht mal den Hafen verlassen). Ich sitze im Cockpit und halte den Abstand zu den anderen Schiffen im Auge. Um 3.00 Uhr gibt unser Anker nach und wir driften durchs Ankerfeld. Allein schon bei diesen Bedingungen die Ankerkette einzuholen ist schon eine Herausforderung.

Und dann? Wohin? Neuer Ankerplatz? Die ganze Nacht Ankerwache? Und die nächsten Tage und Nächte auch? Dazu haben wir überhaut keine Lust und denken sehnsuchtsvoll an die sicheren Moorings vor West End in Roatan. Die Windrichtung stimmt, in 4 Stunden könnten wir dort sein und ein ruhiges entspanntes Liegen genießen. Und so verlassen wir diese ungeschutzte Bucht und nehmen Kurs auf Roatan.

Draußen erwarten uns 3m hohe Wellen, nicht schön, aber damit kann man fertig werden. Wenn da nicht noch unser Sonnendach wäre, dass die Fahrt nicht unbeschadet überstehen würde. So klettern wir mit Rettungswesten und Sicherheitsleine auf dem Schiff rum, manche Knoten gehen auf, manche Leinen schneiden wir einfach durch. Geschafft!

2.Akt = das Dinghi! Hängt hinten samt Motor an den Davids, abgesichert mit div. Leinen gegen Ankergeschaukel, aber nicht gegen 3 m Wellen im offenen Meer. Während Frank das Dinghi in der nächsten halben Stunde mit mehreren Spanngurten sichert, klettere ich rauf und runter und nach hinten zwecks Beschaffung diverser Materialen (wie eben Spanngurte 😉 ). Beim letzten Gang habe ich links einen weiteren Spanngurt und rechts m e i n e n EIMER! Nix geht mehr! Aber das Dinghi wackelt nicht mehr und ist gesichert, so können wir den Rest der Fahrt unten im Salon verbringen. Im Warmen !!!! Hahaha!!! Seit 6,5 Jahren liegt bei uns im Salon eine Wolldecke noch aus Holland-Zeiten. Immer schon hab ich gedacht, die mal zu entsorgen. Gut, dass… usw. Ich habe bestimmt ein ganz tolles Bild abgegeben dort im Salon eingewickelt in eine dicke Wolldecke mit Eimer auf dem Schoß 😉

Um 9.00 Uhr erreichen wir Roatan. Das Mooringfeld liegt hinter dem Riff und dort ist es ruhiger, aber eben bei diesem Wetter nicht ruhig. Das Einfangen einer Mooringleine wird noch ein weiterer Spaß, aber erst einmal muessen wir durch die wirklich sehr schmale Riffeinfahrt. Kurz davor legt uns eine dicke Welle quer dazu, aber Frank hat das Schiff im Griff und kurze Zeit später sind wir durch. Die Tifricat schaukelt als einziges Schiff hier auf und ab und verfolgt fasziniert, wie perfekt wir bei diesen Bedingungen schon beim 3. mal die Mooringschlaufe an Bord ziehen können, um die 2wishes sicher daran fest zu machen.

übrigens waren wir wohl nicht die Einzigen mit diesem Entschluß. Eine Stunde später kommt ein weiteres Schiff aus Utila hier an. Sein Mooring-Manöver bekommen wir jedoch nicht mehr mit, wir liegen erschöpft in der Koje und holen Schlaf nach.

Das alles ist jetzt schon 9 Tage her, inzwischen sind wir entspannt und haben mal wieder unsere Wunden fertig geleckt.

Versprechen kann ich euch jedoch, der nächste Bericht wird positiver 😉

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